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Namensrecht läuft aus : Commerzbank-Arena im Frankfurter Wald

Nicht Schall und nicht Rauch: Der Name des Fußballstadions ist für Fans eine wichtige Angelegenheit. Auch nach zehn Jahren sprechen viele Eintracht-Anhänger eher ungern von der Commerzbank-Arena. Bild: Jonas Wresch

Im Juli werden die Namensrechte für das Stadion neu vergeben. Die Fans wittern die Chance, zum Waldstadion zurückzukehren. Doch viel Hoffnung gibt es nicht.

          Wer im Gespräch mit Eintracht-Fans die Commerzbank-Arena erwähnt, wird bestenfalls verständnislos angesehen. Für wahre Anhänger des Traditionsvereins spielt die Mannschaft immer noch im Waldstadion und sonst nirgendwo. Die Liebe zum alten Stadionnamen, der 2005 zumindest offiziell dem neuen Sponsor aus der Bankenwelt weichen musste, geht weit. So weit, dass der Verein Nordwestkurve, ein Zusammenschluss von Fangruppen, im August vergangenen Jahres dazu aufrief, Lottoscheine in Massen zu kaufen. Mit einem Millionengewinn sollte der Ende Juni dieses Jahres auslaufende Vertrag über die Namensrechte übernommen und die Spielstätte wieder in Waldstadion umbenannt werden. Doch die Kugeln fielen ungünstig, die Aktion „Reclaim the name“ scheiterte.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Falls nicht alles täuscht, werden die Fans fünf weitere Jahre die Bundesliga-Heimspiele in der Commerzbank-Arena sehen. Die Verhandlungen mit dem Sponsor seien weit gediehen, sagt der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft FSM, Patrik Meyer. Fixiert sei aber noch nichts. Er rechne damit, dass das Geschäft in den nächsten drei Monaten geschlossen werde. Damit würde die Arena, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für ein paar Wochen „WM-Stadion“ hieß, um die Sponsoren des Weltfußballverbands Fifa nicht zu vergrätzen, bis 2020 den Namen der zweitgrößten deutschen Bank tragen.

          Freie Wähler mischen sich ein

          Die neue Diskussion um den Namen hatte Nahrung aus Hamburg bekommen. Dort erwarb ein Milliardär die Rechte am Stadionnamen. Doch anstatt damit das eigene Unternehmen zu bewerben, gab er der Arena ihre Wurzeln zurück: Von Juli an wird sie wieder „Volksparkstadion“ heißen, so wie früher. Und auch dem hessischen Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98 ist es trotz Sponsorings durch das dortige Chemie- und Pharmaunternehmen Merck gelungen, wenigstens einen Teil der alten Identität zu bewahren. Seit Juli 2014 heißt die Spielstätte „Merck-Stadion am Böllenfalltor“. Der Vertrag soll fünf Jahre währen und dem Unternehmen etwa 300.000 Euro im Jahr wert sein.

          An den Fall in Hamburg knüpfen nun auch die Freien Wähler im Römer an. Sie bitten den Magistrat zu prüfen, ob es möglich wäre, demnächst zum Waldstadion zurückzukehren. Das, so glaubt die Fraktion, würde dem Wunsch vieler Menschen entsprechen. Außerdem hätte Frankfurt dann als einziger Bundesliga-Klub ein Stadion „mit einem naturverbundenen Namen“. Die Verhandlungen mit der Commerzbank oder einem anderen Sponsor seien deshalb „in diesem Sinne und unter dieser Vorgabe“ zu führen.

          Die Antwort der Stadt darauf

          Doch allzu groß ist die Chance nicht. Geschäftsführer Meyer sieht keine Parallele zu Hamburg. Dort habe es anders als in Frankfurt schon drei Sponsoren gegeben, was eine Identifizierung mit dem Stadionnamen erheblich erschwere. Tatsächlich hatte 2001 der damalige Internet-Riese AOL erstmals die Rechte am einstigen Volksparkstadion gekauft. Bis 2007 lief der Kontrakt. Danach übernahm die HSH Nordbank. Als sie in die Finanzkrise geriet und den bis 2013 geschlossenen Vertrag drei Jahre früher abgab, stieg das Unternehmen Imtech ein. Seit mehr als vier Jahren heißt das Stadion des Hamburger SV deshalb Imtech-Arena. Allerdings hat sich der Name nirgends durchgesetzt. Die meisten Hamburger sprechen immer noch lieber vom Volksparkstadion. Genau so soll es ja bald auch wieder heißen. Meyer sagt: „Ein Zurück zum Volkspark ist dort für alle eine Erlösung.“

          Die Lage in Frankfurt bewertet der Geschäftsführer anders. Immerhin hätten in der Commerzbank-Arena im vergangenen Jahr 48 Großveranstaltungen mit 1,5 Millionen Besuchern stattgefunden. Außer den 17 Heimspielen von Eintracht Frankfurt seien zum Beispiel ein Computerspiele-Event im Innenraum, ein Autokino mit 400 Besuchern samt Fahrzeugen und die Live-Übertragungen von der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien mit Spitzenzahlen von 50.000 Besuchern organisiert worden. Sowohl für die Stadt, der das Stadion gehört, als auch für die Commerzbank, die ihren Namen gibt, sei das ein gutes Geschäft. Meyer meint: „Das Gesamtpaket ist stimmig.“

          Großer Lotto-Jackpot nötig

          Was die Commerzbank für die Rechte zahlt und was sie fortan zu zahlen bereit wäre, ist offiziell nicht zu erfahren. Hört man sich um, heißt es, die Bank zahle derzeit etwa drei Millionen Euro im Jahr für die Namensrechte. Würde der Vertrag verlängert, wonach es aussieht, wird das nicht reichen. Die Rede ist von „mindestens 3,5 Millionen Euro im Jahr“, eher mehr. Um in den Poker einzusteigen, müssten die Fans des Waldstadions schon sechs Richtige plus Superzahl haben. Und dann noch einen richtig großen Lotto-Jackpot.

          Trotzdem bleibt den Fußballfreunden noch etwas Hoffnung. Meyer sagt, es würden auch Gespräche mit Vertretern der Nordwestkurve geführt. Vielleicht werde es danach zumindest „etwas Symbolisches“ geben. Was das sein könnte, sagt er nicht. Vielleicht könnte ja das letzte Heimspiel in einer Saison im dafür jeweils umbenannten Waldstadion stattfinden. Oder es findet sich doch noch ein Name nach Darmstädter Vorbild: Kommerzielles Waldstadion zum Beispiel oder Commerzbank-Arena im Frankfurter Wald.

          Quelle: F.A.Z.

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