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Nahversorgung auf dem Land : Mit Eiern vom Hof zum rentablen Dorfladen

  • -Aktualisiert am

Beschaulich: Katja und Dennis Hartmann in ihrem kleinen Hofladen Bild: Marcus Kaufhold

Das Unternehmen des Monats November bietet Hühner und eine Lösung für ein verbreitetes Problem an: die Nahversorgung im ländlichen Raum.

          In Hartmanns Hofladen in Brandau gelingt, wofür andere Gemeinden noch nach Konzepten suchen: einen profitablen Dorfladen ohne Fördermittel zu betreiben. Dafür wurde er vergangene Woche von der Hessischen Landesregierung als „Unternehmen des Monats November“ ausgezeichnet.

          Das 2013 eröffnete Lädchen von Dennis und Katja Hartmann arbeitet wirtschaftlich, weil die Betreiber dort Regionales anbieten und Produkte aus schonender Tierhaltung. Das lockt auch Kunden an, die nicht in der nächsten Umgebung wohnen. Etwa die Hälfte lebt in Brandau und kommt zu Hartmanns, weil man die kurzen Wege und den Plausch mit den Nachbarn mag. Die andere Hälfte der Kunden kommt aus größerer Entfernung, um von Hartmanns Eier, Suppenhühner und Hähnchen zu kaufen.

          Regional wichtiger als Bio-Siegel

          Rund 650 Hühner und 120 Hähnchen gehören zum Hof. „Die Eier haben sich zu unserem Zugpferd entwickelt“, sagt Dennis Hartmann. Wie die Tiere gehalten werden, ist für die Hartmanns und für ihr Geschäftsmodell gleichermaßen entscheidend. Dennis Hartmann verzieht das Gesicht, wenn er von Massentierhaltung spricht. Er wolle die Tiere so halten, dass sie nicht leiden müssten. Dafür hat er sich zwei mobile Hühnerställe angeschafft. Damit werden die Hühner von Wiese zu Wiese gefahren, wo sie immer auf frischem Gras scharren und picken können. Gelegentlich sieht man seine Hühner von der Straße aus, so dass seine Kunden sich selbst davon überzeugen können, wie die Tiere gehalten werden. „Ich will sehen, wo die Produkte herkommen“, sagt einer, der zur feierlichen Auszeichnung gekommen ist, um den Hofladen zu unterstützen. Er kaufe Hähnchen und Eier nur noch bei „Hartmann’s Hofladen“, und zwar für seine ganze Familie. Er spricht von den Bildern federloser, auf kleinstem Raum gedrängter Hühner, die er im Fernsehen gesehen habe. „Dann lieber ein Hähnchen weniger, aber dafür dann eines von Hartmanns.“

          Seit Jahren werden regionale Produkte immer stärker nachgefragt. Für 70 Prozent der Konsumenten, für die ökologische Aspekte wichtig sind, spielt Regionalität eine gleich große oder noch größere Rolle als ein Bio-Siegel. Dafür sind sie auch bereit, höhere Preise zu zahlen. Bei frischen unverarbeiteten Produkten auch deutlich höhere Preise. Wie eine Studie zeigt, nehmen diese Kunden doppelt bis dreifach höhere Preissteigerungen für regionale Produkte in Kauf, verglichen mit ökologisch hergestellten Waren. Da Autos und Flugzeuge auch die Umwelt belasten, haben regionale Lebensmittel wegen der kürzeren Transportwege auch den Ruf, umweltfreundlich zu sein.

          Nicht so vielfältig wie ein Supermarkt

          Hinzu kommt, dass sie als frischer gelten. Ein Ei dürfe maximal zehn Tage alt sein, um es als „frisches Ei“ zu bezeichnen, sagt Dennis Hartmann. In seinem Hofladen werde das Ei manchmal schon zehn Minuten nachdem es den Stall verlassen hat, verkauft. Auch die Schlachter sei nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt, sagt Dennis Hartmann.

          Auf zwei Säulen: Hühner und Bienen sollen die Wirtschaftlichkeit sichern
          Auf zwei Säulen: Hühner und Bienen sollen die Wirtschaftlichkeit sichern : Bild: Marcus Kaufhold

          450 Eier verkaufen die Hartmanns an einem Tag. Einen Teil davon in einer kleinen Box am Gartenzaun. Die Hartmanns vertrauen darauf, dass die Kunden auch die drei Euro für die Eier bezahlen, und werden nicht enttäuscht. Manchmal finden sie Dankesschreiben. Seit Jahren beklagen Dörfer und Gemeinden, dass die kleinen Läden aussterben. Mit ihnen verschwindet auch ein sozialer Raum, in dem sich die Dorfbewohner begegnen. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr mit dem Auto zum Discounter fahren können, ist das ein Problem. Immer sind sie auf andere angewiesen. „Unser kleines Geschäft bedeutet für manche Unabhängigkeit und Lebensqualität“, sagt Dennis Hartmann. Ungefähr 1500 Einwohner habe Brandau. Doch die kaufen nicht alle bei Hartmanns. Mit seinen 20 Quadratmetern Verkaufsfläche kann der Hofladen nicht das vielfältige Angebot eines Supermarkts bieten.

          Honig für mehr Krisenfestigkeit

          Um krisenfester zu werden, wollen die Hartmanns weitere Geschäftszweige entwickeln. Schon im nächsten Jahr sollen größere Mengen Honig aus eigenen Bienenvölkern angeboten werden. Eine Krise hätten sie schon überstanden, sagt Dennis Hartmann. Habichte hätten begonnen seine Hühner zu fressen. Nach einer Lösung habe er lange gesucht. Jetzt haben die Hartmanns Ziegen mit Glocken am Hals. Erschreckt ein Habicht die Hühner, erschrecken diese die Ziegen, und deren Glocken erschrecken und vertreiben wiederum den Habicht.

          Unklar bleibt, warum das „Unternehmen des Monats November 2015“ im Januar des nächsten Jahres ausgezeichnet wird. Das wusste auch der Staatssekretär Michael Bußer (CDU) nicht zu erklären.

          Quelle: F.A.Z.

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