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Nachts und am Wochenende Hessische Kassenärzte straffen Angebot

 ·  Die ärztlichen Bereitschaftsdienste in Hessen werden neu geregelt. Die Zahl der Anlaufstellen sinkt. Dafür stehen zusätzliche Mediziner für Hausbesuche bereit. Und es soll eine einheitliche Telefonnummer geben.

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Wer in Zukunft nachts oder am Wochenende einen Arzt konsultieren will, muss unter Umständen einen weiteren Weg zurücklegen. Die 10.000 in Praxen niedergelassenen Ärzte in Hessen werden statt bisher an 110 künftig nur noch an 50 Standorten ihre Bereitschaftsdienste anbieten. Dafür stehen zusätzliche Mediziner für Hausbesuche bereit. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) stellte in Frankfurt eine von der Vertreterversammlung beschlossene Reform vor, die bis Ende 2014 realisiert werden soll.

Vorgesehen ist, dass die Selbstverwaltung der ambulant tätigen Ärzte die Versorgung außerhalb der regulären Sprechstunden stärker koordiniert. Ziel der Neustrukturierung sei es, die niedergelassenen Ärzte zu entlasten, Nacht- und Wochenenddienste mit einer höheren Vergütung attraktiver zu machen und den Patienten eine bessere Orientierung zu geben, sagte der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Klaus-Wolfgang Richter. Patienten, die nach Praxisschluss medizinische Hilfe benötigen, können sich künftig unter der einheitlichen Telefonnummer 116.117 melden. Ihr Anruf landet in einer von zwei Dispositionszentralen der KVH. Die in Frankfurt schon vorhandene Stelle wird künftig für ganz Südhessen zuständig sein. Zusätzlich wird binnen eines halben Jahres eine weitere in Kassel für Nordhessen eingerichtet. Man habe sich wegen der Ausfallsicherheit für zwei Standorte entschieden, sagte der KVH-Vorsitzende Frank Dastych.

50 Bereitschaften an Krankenhäusern

Dort sollten speziell geschulte Mitarbeiter aus medizinischen Berufen wie zum Beispiel Rettungsdienstsanitäter, Rettungsdienstassistenten oder Medizinstudenten die Anrufe entgegennehmen, berichtete Richter. Diese entschieden dann, ob ein lebensbedrohlicher Notfall vorliege und der Anruf an eine Rettungsleitstelle unter 112 weitergeleitet werden müsse, ob ein Hausbesuch nötig sei, ob der Patient die nächstgelegene Bereitschaftsdienstzentrale aufsuchen solle oder ob eine telefonische Beratung durch einen zusätzlich anwesenden Arzt ausreiche.

Geplant sei, rund 50 Bereitschaftsdienstzentralen an Krankenhäusern anzusiedeln. Die Patienten sollten nicht länger als eine halbe Stunde Fahrzeit benötigen, um diese zu erreichen. Darüber hinaus sollten 30 Hausbesuchsdienste eingerichtet werden, an denen Fahrzeuge und Fahrer für die diensthabenden Ärzte bereitstünden. Deren Zahl orientiere sich am Bedarf. Während in Frankfurt mindestens vier Ärzte gleichzeitig benötigt würden, reiche zum Beispiel in Bad Arolsen einer aus, führte Dastych aus.

40 Euro in der Stunde garantiert

Mit den neuen Strukturen wolle man Nachwuchssorgen begegnen, sagte Richter. Junge Ärzte seien nur bereit, Praxen zu übernehmen, wenn sie ausreichend verdienten und die Rahmenbedingungen stimmten. Nach dem abermaligen Scheitern der Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen seien die wirtschaftlichen Anreize in Hessen gering. Deshalb müsse man mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie punkten. Viele Ärzte seien nicht bereit, an jedem zweiten Wochenende zu arbeiten. Nach der Neuregelung könne dies selbst in ländlichen Regionen auf einen Dienst im Monat beschränkt werden. Um die Arbeitsbelastung zu verteilen, sollen sich jeweils 50 bis 100 Ärzte für die Bereitschaftsdienste zusammentun. Künftig erhielten Ärzte für den Dienst ein Garantiehonorar von 40 Euro in der Stunde plus 65 Prozent der zusätzlichen Honorareinnahmen. Die Kosten für den Unterhalt der Zentralen würden umgelegt.

Bisher sei die Versorgung für Ärzte unwirtschaftlich, sagte Günter Haas, stellvertretender KVH-Vorsitzender. Für das neue System seien 50 Millionen Euro im Jahr kalkuliert. Eine Zusammenlegung des Bereitschaftsdienstes mit den 25 Leitstellen des Rettungsdienstes, wie vom Hessischen Landkreistag vorgeschlagen, käme teurer. In diesem Fall würde mehr Personal benötigt, um die Erreichbarkeit sicherzustellen, sagte Haas. Außerdem befürchteten die Kassenärzte dadurch überflüssige Einsätze für die Notärzte, die die Patienten nicht behandelten, sondern nur für einen Transport ins Krankenhaus stabilisierten.

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