20.04.2012 · Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport würde auch mit einem Nachtflugverbot zurechtkommen. Dennoch zeigt man sich überrascht über die schnelle Festsetzung der Nachtflugregelung.
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Sicherheitslandungen wie die kürzlich in Russland
sind in FRA jederzeit, auch mitten in der Nacht möglich.
Das PFV hat vorgesehen, planmässige Flüge die aufgrund von
durch die Airline nicht beeinflussbaren Umstände verspätet
sind, noch bis 24h00 starten oder landen zu lassen. Damit hat FRA immer
noch die radikalste Regelung aller Flughäfen in seiner Liga und
muss das im direkten Wettbewerb verkraften. Zumal Verspätungen aus
technischen Gründen oder verspätete Passagiere nicht anerkannt
werden. Die Airlines haben die Abflugzeiten für die Langstrecken
auf spätestens 22h15 vorgezogen, eine Konzession die dazu
führt das an den meisten Abenden die cut-off Zeit geschafft wird,
zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit.
Leider sind NIMBYs zu keinerlei Konzessionen bereit. Das wir in einem
ohnehin lauten Ballungsgebiet wohnen, in dem viel mehr Menschen durch
Straßen, ÖPNV oder überhaupt Bahnlärm wesentlich
mehr gestört werden als durch Flugzeuge wird dabei ignoriert.
Logistikweltmeister
Bisher sind an einem Flughafen in D 17 Nachtflüge verboten worden.
Sonst sind mir keine Maßnahmen bekannt, die Deutschland daran
hindern, Waren ins Ausland zu transportieren, die leider nicht bezahlt
werden. Ob deswegen unser Status als Exportweltmeister wirklich
gefährdert wird, bezweifle ich.
Flugzeuge sind leiser geworden, dafür aber immer mehr. Wir haben
ein 10 Jahre altes Auto und dennoch erschrecken die Menschen manchmal,
wenn wir in einer 30er Zone daherkommen, weil sie das Auto nicht
hören. Also auch da hat sich einiges getan, nur, dass es auch immer
mehr Autos, LKWs, Züge etc. werden.
Innovativ ist an der Fliegerei gar nichts. Innovativ wäre es, sich
ein gesamtdeutsches Verkehrskonzept zu überlegen, vielleicht auch
unter Einbeziehung der direkten europäischen Nachbarn. So wird die
Fliegerei einfach nur künstlich billig gehalten und an allen Ecken
subventioniert (steuerfreies Kerosin, Flughäfen mit
öffentlicher Beteiligung, bezuschusste Niedriglohnjobs).
Klopf, NIMBY steht für
Not In My Back Yard. Auch schön ist BANANA,, Build Anything Not
Anywhere Near Anything. Zuende gedacht heisst das, nichts geht mehr und
das Land in dem nichts mehr geht kann dann sehr kurzfristig seine
Verpflichtungen gegenüber seinen Bürgern nicht mehr
erfüllen.
Der Begriff "Verlärmung" hält einer nüchternen
Betrachtung nicht stand. Kaum ein Verkehrsmittel hat seine
Lärmemissionen so gesenkt wie der Luftverkehr. Boeings der -200
Serie sind allesamt nicht mehr im Einsatz, jedes neue Muster, egal
welcher Hersteller, wird leiser. Konsequent gedacht müsste
jeglicher Bahn- und Straßenverkehr, auch ÖPNV, ab 23h00 bis
05h00 eingestellt werden.
Dann können wir die Wirtschaft aber auch gleich ganz einstellen.
Warum ein Verkehrsmittel, dazu noch das innovativste, mit derartigen
Produktionsbeschränkungen belegt wird ist rationel nicht
nachvollziehbar. Wir sind ja auch Logistikweltmeister und an dem Ast
sägen die NIMBYs fröhlich und unbekümmert. Wie lange
können wir den Luxus noch erlauben?
Werter Fink, ...
... einerseits irren Sie sich andererseits haben Sie sehr recht. Die NIMBYs (wofür steht diese nette Abk.? Ich vermute mal: Ausbaugegner) haben in Wahrheit bislang jede Menge Zugeständnisse gemacht. Was, rückblickend betrachtet, wohl ein Fehler war. Mit Ihrer Aussage, dass wir in einem „ohnehin lauten Ballungsgebiet“ wohnen, liegen Sie vollkommen richtig. Gerade deswegen ist es doch so wichtig, einer weiteren Verlärmung Einhalt zu gebieten. Der Lärmpegel kann gerade in einem Ballungsraum nicht endlos gesteigert werden. Ist das nicht das beste Argument gegen weitere Flugbewegungen?
Es scheint sich ja abzuzeichnen, dass die Richter in Leipzig dem PVF
folgen und geplante Flüge die aufgrund von Einflüssen die
nicht durch die Airlines zu vertreten sind bis 24h00 zulassen. Sowohl
Starts als auch Landungen.
Natürlich bedeutet dass nicht, das man nun Flüge auf 22h58
festlegen kann. Im Allgemeinen ist nach dieser Regelung die
spätest festgelegte Abflugzeit (Blockzeit) 22h15. Das reicht an
den meisten Tagen dann, die Maschinen bis 22h59 in der Luft (wheels off)
zu haben. Wenn aber aufgrund von Witterunhgseinflüssen
Verspätungen entstehen, dann ist es richtig, das man so wie im Rest
der Welt verfährt und diese Flüge "abarbeitet". Eine
Stunde ist da schon wenig genug. Das sollte übrigens auch für
Verspätungen aufgrund mechanischer Defekte gelten, auch bei bestens
gewarteten Maschinen können diese unvorhergesehen auftreten und
müssen selbstverständlich behoben werden. Die Passagiere dann
mit einer weiteren Nacht in FRA zu bestrafen ist auch
unverhältnismäßig.
Bestrafung
Für die Passagiere wäre die "Strafe" wahrscheinlich
ein einmaliges Ereignis, für die Bevölkerung ist der sehr laxe
Umgang mit dem Nachtflugverbot eine Dauerstrafe. Letztens stand eine
LH-Maschine 15 Stunden auf einem Flughafen in Russland wegen einer
defekten Lampe bzw. dem von dieser verursachten "elektrischen
Geruchs". Die Passagiere durften kaum aussteigen, wegen des zu
kleinen Transitbereichs am Flughafen. Da geht es den ach so armen, um
ein paar Stunden länger in FRA bleibenden Passagieren doch viel
besser. Außerdem sichern die unfreiwilligen Aufenthalte Jobs im
Hotelwesen am Flughafen.
Der angeblich fehlenden Verhältnismäßigkeit bei den
Fluglärmbetroffenen wird eine meist vollkommene Übertreibung
der ach so schlimmen Umstände für die Passagiere
entgegengestellt, die vielleicht erst ein paar Stunden später
weiterkommen, als geplant. Wer fliegt, muss immer mit so etwas rechnen.
Wer das nicht abkann, sollte zuhause bleiben.
Es ist sicherlich einzigartig in der Rechtsgeschichte, dass man ohne Planergänzungsverfahren und ohne Vorliegen der schriftlichen Gründe des Leipziger Revisionsurteils nun mal schnell das Nachtflugverbot "festschreiben" will. Heimlich und über die Hintertüre kann man schon heute prophezeihen, dass Posch hier "Expressflüge" für die Lufthansa verankern wird, dass diese nun doch noch nachts fliegen darf. Wer so vehement wie hessische Landesregierung in Leipzig für Nachtflüge gekämpft hat, nun alles daran setzt, diese ohne Anhörung der Bürger und ohne Planergänzungsverfahren festzuschreiben, der lügt und betrügt auch weiterhin. Koch und Roth haben sich schon vor Ende ihrer Amtszeit verabschiedet und haben den Frankfurter Süden in seiner Lärmhölle zurückgelassen. Gleiches hat nun Posch vor.
FRAPORT praktiziert ein sehr flexibles Nachtflugverbot - Lassen die Richter sich vorführen?
Weil etwas mehr Wind aus der falschen Richtuing wehte konnten vor ein
paar Tagen 21 (!) Flugzeuge erst deutlich nach 23h00 starten. Wenn etwas
Wind aber auch schon ein unvorhersehbares Ereignis für einen
Flughafen ist, dann kann man sich den Rest ja ausdenken. Die machen was
sie wollen, da schauen Alle weg.
Kein Wunder wenn haufenweise Abflüge auf 22h58 gelegt werden, dann
ist die Chance große dass Einige es nicht mehr schaffen bis 23h00.
Solches Verhalten würde noch nicht mal einem Arbeitnehmer
abgenommen der dauernd zu spät kommt.
Wenn sich Richter so vorführen lassen, dann muss man sich nicht
wundern wie es bei uns aussieht. Von der politischen Verwaltung ist
nichts zu erwarten, denen ist die Bevölkeruing egal. Macht weiter
so, Ende 2013 geben wir wieder eine Wahlempfehlung ab. Hat in Frankfurt
sehr gut geklappt.
Befolgen - nicht nur unterstützen
Kann es sein, dass einige Entscheidungsträger der FRAPORT an
latenter Begriffsstutzigkeit leiden oder tendieren sie dazu, sich mit
gewisser Variationsgeschmeidigkeit über die Rechtsprechung setzen
zu wollen?
Das Nachtflugverbot in seiner Definition steht als Gerichtsurteil, und
sollte dies tatsächlich und trotz jahrelangem Dialog zu schnell
gegangen sein, müsste man FRAPORT jegliche Fähigkeiten in
puncto Risikomanagement absprechen. Der hessische Wirtschaftsminister
Posch hat mit seinem Rücktritt eingesehen, dass es naiv war,
Wirtschaft über Mensch und Umwelt stellen zu wollen.
So klappt das natürlich auch.
Hier mal 5 Minuten länger, dort mal 5 Minuten früher,
dazwischen ein paar genehmigte Ausnahmen, dazu noch ein paar Flüge
mit vergessener Ausnahmegenehmigung und siehe da, von der
Pseudo-Nachtruhe von lächerlichen 5 Stunden ist nicht mehr viel
übrig.