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Nach Treffen mit Bouffier Neckermann-Betriebsrat rechnet mit weniger Stellenabbau

 ·  Hessens Regierungschef Bouffier will den geplanten Jobabbau beim Versandhändler Neckermann.de eindämmen - aber nicht mit Geld aus der Staatskasse. Der CDU-Politiker setzt auf Vermittlung.

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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat im Ringen um den Erhalt von gut 1300 Stellen bei Neckermann in Frankfurt vor überzogenen Erwartungen an die Politik gewarnt. Geld vom Land dürften die Neckermann-Beschäftigten nicht erwarten, sagte der Regierungschef nach einem Treffen mit Betriebsräten des Unternehmens und Vertretern der Gewerkschaft Verdi in Wiesbaden. „Wir werden keine Hoffnungen wecken, die am Ende niemand erfüllen kann“, stellte Bouffier klar. Das Land könne allenfalls moderieren.

Gemeinsames Ziel von Arbeitnehmervertretern und Regierung sei es, den Standort Frankfurt-Fechenheim zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Arbeitnehmervertreter äußerten neue Zuversicht. Sie wollen die Zahl der zu streichenden Stellen auf unter 1000 drücken, wie Thomas Schmidt, der Betriebsratschef der Logistiktochter der Neckermann.de GmbH, sagte.

44 Seiten Alternativkonzept

Das Gespräch mit Bouffier und Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sei im Rahmen der Erwartungen verlaufen. „Ich bin froh, dass es stattgefunden hat“, erläuterte Schmidt, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Versandhändlers ist. Die Arbeitnehmervertreter hätten Bouffier und Posch ihr 44 Seiten umfassendes Konzept unterbreitet, das sie dem Stellenabbauplan des Unternehmens gegenüberstellen wollen. Vertreter der Landesregierung wollen sich in das Konzept einarbeiten, die Unternehmensberater Günter Stolz und Stephan Krüger formuliert haben, wie Wolfgang Thurner, Sekretär der Gewerkschaft Verdi, sagte. Thurner nahm wie die Betriebsrätinnen Sylvia Burkard und Angela Veits neben Schmidt an dem Treffen teil.

Nach den Worten Schmidts haben die Arbeitnehmervertreter mit Bouffier und Posch vereinbart, ihnen Informationen aus ihren Gesprächen mit der Neckermann-Führung weiterzureichen. Zudem hätten sie den Ministerpräsidenten gebeten, in dem Konflikt zu moderieren. „Ziel ist es, eine deutlich bessere Lösung zu erreichen“. Posch dankte den Arbeitnehmervertretern für den Alternativvorschlag, dessen Realisierungschancen sich aber noch nicht bewerten ließen. Deshalb sei auch nicht abzuschätzen, welche Hilfe das Land möglicherweise leisten könne.

Hilfe in Form von Geld oder eine Bürgschaft erwarteten die Arbeitvernehmervertreter vom Land nicht, sagte Schmidt. Es gehe vielmehr um politische Unterstützung und um eine Perspektive für jene Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren dürften, wenn die Arbeitnehmerseite mit ihrem Alternativkonzept nicht durchdringen sollten.

„Unser Konzept ist sehr gut“

Bisher hat sich die Geschäftsleitung von Neckermann dem Vernehmen nach in dieser Sache hartleibig gezeigt. Thurner äußerte sich aber dennoch recht zuversichtlich. „Unser Konzept ist sehr gut“, meinte der Verdi-Vertreter. Schon bei der Neckermann-Restrukturierung vor mehr als einem Jahr hätten die Arbeitnehmervertreter mit Krügers Hilfe gezeigt, dass das damalige Konzept der Chefetage des Versenders verbesserungsbedürftig gewesen sei - „und wir haben es verbessert“.

Allerdings muss die Arbeitnehmerseite nicht nur mit Blick auf ihr Alternativkonzept auf ein Entgegenkommen der Unternehmensleitung und des Eigentümers Sun Capital Partners hoffen. Denn bisher zeigen sich Neckermann und der Finanzinvestor keine Bereitschaft, Abfindungen zu zahlen und eine Transfergesellschaft für entlassene Kräfte mitzufinanzieren, sollte bei den Kündigungen bleiben. Ein Verzicht auf Abfindungen ist möglich, weil das Kündigungsschutzgesetz solche Zahlungen nicht vorsehe, wenn ein Betrieb ersatzlos geschlossen werden solle. Genau dieses träfe im Fall der etwa 800 Mitarbeiter starken Neckermann Logistik GmbH zu, da es sich um eine eigenständige Firma im Konzern handelt. Von Sun war keine Stellungnahme zu erhalten.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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