Home
http://www.faz.net/-gzg-6zlx5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Nach Roth, vor Feldmann Die schreckliche, die kaiserlose Zeit

 ·  Noch sitzt Petra Roth im Plenum - über Peter Feldmann wird vorerst nur gemunkelt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

„Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?“, fragt die Königin im Märchen vom Brüderchen und Schwesterchen. „Nun komm ich noch zweimal und dann nimmermehr.“ Wer die Frankfurter Königin gestern Abend in der Stadtverordnetenversammlung gesehen hat, wie sie mit eher weniger als mehr Interesse die Debatte verfolgte, der konnte durchaus zu dem Schluss kommen, dass Petra Roth (CDU) an diesen Satz aus dem Märchen dachte: „Jetzt komm ich noch zweimal und dann nimmermehr.“ Das nächste Mal am 31.Mai, einem wichtigen Datum für ihre schwarz-grüne Koalition, weil dann der Haushalt verabschiedet wird. Und zum letzten Mal am 28.Juni zu der denkwürdigen Sitzung, in der der Wahlsieger Peter Feldmann von der SPD als ihr Nachfolger ins Amt eingeführt wird.

Es geht übrigens am 31.Mai um den Haushalt für das Jahr 2012 und nicht, wie man vielleicht irrtümlich annehmen könnte, um jenen für 2013. Denn in Frankfurt wird ein städtischer Etat nicht vor Beginn des betreffenden Jahres vom Parlament verabschiedet, sondern in der Mitte des Jahres, wenn die Hälfte des Geldes schon ausgegeben ist. Das hat den Vorteil, dass die Absegnung oder - was wahrscheinlicher ist - die Ablehnung durch die Kommunalaufsicht, also durch den hessischen Innenminister, erst gegen Ende des Jahres oder gegebenenfalls erst im nächsten Jahr erfolgt. Und dann ist der Kuchen längst gegessen. Ganz schön schlau, diese Strategie der Stadtregierung und der Regierungskoalition von CDU und Grünen.

Eigentlich nicht viel zu diskutieren

„Wo ist mein Reh?“, fragte die „rechte Königin“, wie es im Märchen heißt. „Wo ist mein Nachfolger?“, mochte sich die echte, die Frankfurter Königin gestern gefragt haben. Ja, wo ist Peter Feldmann? Er weilt im Morgenland, wenn man Pakistan so nennen darf, und kümmert sich um sein Kind und dessen Mutter. Nächste Woche wird er wieder in unserem Frankfurter Abendland sein und seine Regierungsübernahme vorbereiten. Ende Mai will er dann sein Küchenkabinett vorstellen, also die drei etatmäßigen Mitarbeiter seines künftigen Oberbürgermeisterbüros.

Noch weiß niemand genau, wer auf Feldmanns imaginärer Liste steht. Doch immerhin gibt es Gerüchte über den einen oder anderen Favoriten. Winfried Naß zum Beispiel, früherer Referent des damaligen SPD-Bürgermeister Joachim Vandreike, heute im Umweltdezernat tätig, wäre nicht der schlechteste Büroleiter. Er kennt die Verwaltung aus dem Effeff und besitzt Organisationsfähigkeiten. Geflüstert wird auch der Name Klaus-Dieter Stork, Lebensgefährte von Fast-Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti und beruflich städtischer Kulturmann in Hanau. In Frage komme, so heißt es, auch Ralf Klinkenborg, ebenfalls ein Urgestein aus der Vandreike-Truppe und jetzt ausgelagert ins Presse- und Informationsamt.

Über solche Fragen wurde am Donnerstag im Stadtparlament allerdings nur gemunkelt. Denn offiziell gab es nicht viel zu diskutieren. Die Tagesordnung war eine Pseudo-Tagesordnung voller Nichtigkeiten, denn es herrscht unter den Frankfurter Kommunalpolitikern derzeit eine irreale Stimmung wie zwischen den Jahren. Man könnte auch von der Atmosphäre eines Interregnums sprechen. „Die schreckliche, die kaiserlose Zeit“, wie Schiller es einst ausdrückte.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Zwischen Zuckeln und Rasen

Von Mechthild Harting

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios. Mehr 3