Home
http://www.faz.net/-gzg-74ct2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nach Niederlagenserie CDU-Gruppe sucht nach Großstadt-Strategien

Die Schlappe in Stuttgart gab der CDU zu denken. Wie kann ihr Abwärtstrend in Großstädten gestoppt werden? Dazu haben der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Zimmer und der Hamburger Landeschef Weinberg Ideen entwickelt.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer hat Ideen, wie die CDU für Großstädter wieder wählbarer wird, mitentwickelt

Eine CDU-Gruppe um Hamburgs Landeschef Marcus Weinberg und den Frankfurter Bundestagsabgeordneten Matthias Zimmer will dem Kampf der Union um die Wählergunst in Großstädten neue Impulse verleihen. In einem 13 Seiten umfassenden Diskussionspapier gelangen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die CDU in wichtigen Diskursen der Stadtgesellschaft nicht vorkomme. „Wir haben den Anschluss an wichtige Multiplikatoren und gemeinwohlorientierte Interessengruppen weitgehend verloren“, heißt es in dem Papier.

So werde die CDU in den Städten zu oft exklusiv mit den Themenfeldern Sicherheit und Ordnung und einer konservativen Grundausrichtung verbunden. Zudem habe die Partei noch keine Antworten auf die zunehmende Anzahl von Single-Haushalten gefunden: „Hier erscheint zurzeit in der Programmatik der Union ein blinder Fleck.“

„Lösen von Zwängen einer  Mitgliedspartei“

Doch Weinberg und sein Mitstreiter Zimmer haben nicht nur inhaltliche Empfehlungen parat. So regen die Autoren an, dass vor allem bei Kommunalwahlen auch Nicht-Mitglieder auf der CDU-Liste aufgestellt werden sollten. „Eine moderne Mitmach-Partei muss sich lösen von den Zwängen einer reinen Mitgliedspartei“, heißt es. Dies hatte der CDU bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart aber zuletzt nichts genutzt, als vor dreieinhalb Wochen der parteilose Sebastian Turner dem Grünen-Kandidaten Fritz Kuhn unterlag.

Ohnehin haben Weinberg und Mitstreiter die Grünen als Hauptrivalen in den Großstädten ausgemacht. Mit der „Lifestyle-Partei der bürgerlichen Mitte“ sei weiterhin und sogar noch stärker zu rechnen. Dort, wo die CDU die Unterstützung der Grünen benötige, müsse die Partei ein Personalangebot stellen, das glaubwürdig Offenheit für die zentralen Anliegen der Grünen darstellen könne, ohne sich als Christdemokrat zu verleugnen. „Erfolgreiche großstädtische Politiker wie Ole von Beust und Petra Roth haben diese Fähigkeit gehabt.“ Gerade die frühere Hamburger Regierung unter Bürgermeister von Beust habe bewiesen: „Die CDU kann auch Großstadt.“

Mehr zum Thema

Weinberg und Zimmer wollen ihr Papier nun mit einer Gruppe von rund 20 CDU-Bundestagsabgeordneten aus Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern besprechen.

Ende Oktober hatte schon die frühere Frankfurter Rathauschefin Petra Roth ihre Partei gerügt. Die CDU im Bund vertrete einen modernen, intellektuell-pragmatischen Stil. Aber den Landesverbänden, die die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl benennen, fehle diese urbane Modernität.

Quelle: FAZ.Net mit lhe/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Gespräch: Klaus Oesterling „SPD wird an der nächsten Stadtregierung beteiligt sein“

Dank Oberbürgermeister Peter Feldmann sind die Sozialdemokraten prominent im Magistrat vertreten. Spätestens mit der Kommunalwahl im Frühjahr 2016 soll sich das auszahlen. Mehr

08.08.2014, 10:28 Uhr | Rhein-Main
Thüringen SPD: Wahl eines Linken-Ministerpräsidenten kein Problem

Nach der Landtagswahl in Thüringen könnte die SPD den Linken-Politiker Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten einer rot-rot-grünen Regierung wählen. Das wäre kein Tabubruch, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner der F.A.S. Mehr

09.08.2014, 14:19 Uhr | Politik
Grünen-Wahlkampf in Sachsen Gerne auch mit der CDU

In Sachsen wollen die Grünen endlich mitregieren – und verweisen auf Erfolge im Westen. Koalitionsaussagen machen sie aber lieber keine. Doch die CDU könnte als möglicher Regierungspartner dienen. Mehr

09.08.2014, 10:30 Uhr | Politik

Die Verrücktheiten der Energiewende

Von Manfred Köhler

Auch wenn Hessen bei der Energiewende nur eine Nebenrolle spielt, zahlen müssen die Bürger trotzdem. Und das über diverse Wege, sodass zu hoffen bleibt, dass neue Investitionen genau überlegt sind. Mehr 4