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Nach Katastrophe in Bangladesch „Niemand kann die Fabriken kontrollieren“

 ·  Wie andere Textilhändler lassen auch Adler, Hess Natur und Jack Wolfskin in Asien nähen. Sie kontrollieren Lieferanten auf unterschiedliche Weise. Fabrik-Prüfungen allein bringen nichts, sagen Branchenkenner. 

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© dpa Vergrößern Textilfabrik in Ban Sikeud, einem Vorort der laotischen Hauptstadt Vientiane

Adidas versucht es jetzt mit SMS. Mitarbeiter von Zulieferern in Asien können fortan Missstände per Kurznachricht an den Sportartikelhersteller melden. Der Global Player mit den drei Streifen, der in Frankfurt unter anderem mit einem eigenen Geschäft auf der Zeil vertreten ist, reagiert mit diesem Vorstoß nicht auf zwei Katastrophen in Nähereien in Bangladesch mit Hunderten von Toten. Vielmehr hat der Konzern schon im vergangenen Jahr in Indonesien ein Pilotprojekt zur „Kommunikation via Mobiltelefon“ begonnen, wie Adidas hervorhebt. „Wir sind stets bemüht, die Bedingungen für die Beschäftigten in den Fabriken unserer Zulieferer weiter zu verbessern“, sagt Vorstand Glenn Bennett.

Dies nehmen auch der Ökomode-Händler Hess Natur aus Butzbach und Jack Wolfskin, in Idstein ansässiger Anbieter von Funktionsbekleidung, Schuhen und Zubehör für Wanderer, für sich in Anspruch. Allerdings setzen sie dabei nicht auf Handy-Alarm aus Übersee. Vielmehr kontrollieren eigene Mitarbeiter selbst Zulieferer - und die Ergebnisse dieser Tests werden von Dritten überprüft. Dies folgt aus ihrer Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation. Sie gilt als Vorreiter unter den Organisationen, die sich mit den Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Textilindustrie befassen. Andere Unternehmen wie die börsennotierte Adler Modemärkte AG aus Haibach in Unterfranken gehören der Business-Social-Compliance-Initiative (BSCI) an.

Niemand kann die Lieferkette richtig kontrollieren

„Die BSCI regelt auch Arbeitszeiten, Löhne, Arbeitsbedingungen, Wohnungsunterkunft und Versammlungsfreiheit. Die BSCI schreibt das nicht nur vor, sondern kontrolliert regelmäßig die Fertigungsstätten der Lieferanten und Sublieferanten“, heißt es dazu bei Adler. Die Aktiengesellschaft verfüge über 150 Lieferanten und Auftragsfertiger in Asien, der Türkei und Osteuropa. Adler hebt hervor, seit 2010 als erste von der Organisation Fairtrade zertifizierte deutsche Textilkette einen Teil der Kollektion unter dem Fairtrade-Siegel fertigen zu lassen. Fairtrade, nicht zu verwechseln mit Fair Wear, will etwa die Lebensbedingungen von Bauern in Entwicklungsländern verbessern.

Aus Sicht von Christian Scheper von der Universität Duisburg-Essen ist das größte Problem der Textilbranche, dass niemand die Lieferkette richtig kontrollieren könne. „Der Konsument ist überfragt, und auch wir sind überfragt, wenn es um ein konkretes Unternehmen geht“, gibt der Wissenschaftler zu, der sich mit Arbeitsrechten und globalen Produktionsnetzen befasst.

Mit Händlern und Zulieferern arbeiten

Sogenannte Social-Audits etwa „bringen überhaupt nichts“, meint Scheper. Im Verlauf eines solches Besuchs in einer Fabrik schaut ein Prüfer, ob Feuerlöscher hängen, Notausgänge vorhanden sind und die Ausstattung der Arbeitsplätze den Vorgaben entspricht, die ein Auftraggeber oder eine Initiative gesetzt haben. Das ist aus Sicht von Scheper aber nur eine Momentaufnahme. Und: Ob die Arbeiterinnen zu viele Überstunden leisten müssen, ob ihnen der vertraglich zugesicherte Lohn voll ausgezahlt wird oder ob sie sexuell belästigt werden - „all das wird man bei Audits kaum feststellen“. Zumal die von Textilmarken gesetzten Standards in Asien nicht nur eine Prüfbranche, sondern auch eine Prüfbetrugsbranche nach sich gezogen hätten. Fortschrittliche Initiativen wie die Fair Wear Foundation aus Amsterdam wüssten das.

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