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Nach Fipronil-Skandal : Bauern gehen die Eier aus

Verkaufs-Erfolg mit Bodenhaltung: Hühnerbauer Martin Stark aus Frankfurt inmitten seiner Legehennen Bild: Helmut Fricke

Weil in niederländischen Eiern Insektengift entdeckt wurde, kaufen Verbraucher derzeit vermehrt ihre Frühstückseier aus der Region: Bei Landwirten in Rhein-Main stauen sich die Kunden und leeren sich die Lager. Aber wie lange hält das an?

          So ein Anti-Läuse-Mittel in Eiern ist bisweilen eine feine Sache. Zumindest dann, wenn ein Hühnerhof und seine Hennen frei von diesem Gift sind. Dann erweist sich der Skandal als Umsatztreiber. Zum Beispiel für den Landwirt Martin Stark aus dem Frankfurter Stadtteil Niederursel. Er antwortet auf die Frage, ob er Konsequenzen aus den Wirren um das Insektizid Fipronil in Eiern aus den Niederlanden spüre, postwendend: „Nur positive Folgen.“ Die Nachfrage sei so groß, dass er ihr nicht gerecht werden könne. „Wir sind jeden Tag ausverkauft.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er ist nicht der einzige.

          Nun ist der von anderen Bauern liebevoll „Hühnerbaron“ genannte Landwirt Stark keine kleine Nummer in der Branche. Wenn er seine Ställe unweit der Autobahn 5 voll belegt, passen dort 35.500 Legehennen hinein. Und dieses Federvieh liefert durchschnittlich 28.000 bis 30.000 Eier ab – Tag für Tag. Dennoch sagt Stark: „Wir können gar nicht so viele Eier liefern, wie die Kunden haben wollen.“

          Mehrere Millionen belastete Eier

          Der Fipronil-Skandal hatte sich in dieser Woche ausgeweitet: In 45 Ländern sind Eier und Eierprodukte aufgetaucht, die das Insektengift enthalten. Als gesundheitsgefährdend gelten sie nicht, dafür sind die gemessenen Rückstände zu gering – laut Verbraucherschützern könnte selbst ein schlanker Erwachsener gefahrlos sieben der belasteten Eier täglich verspeisen, wenn er es denn wollte. Mehrere Millionen belastete Eier waren womöglich nach Deutschland geliefert und zum Großteil vom Markt genommen worden.

          Die von Niederländern hinterlassene Lücke vermag auch Bauer Martin Stark nicht zu füllen. „Die Niederländer müssen erst wieder ihre Ställe mit neuen Hühnern besetzen“, erläutert er. Bis in die Weihnachtszeit wird der Engpass noch dauern, wie der Frankfurter meint.

          Er selbst hat einen Nachweis, dass sein Hof sauber ist. Kurz nachdem die ersten Fipronil-Eier gefunden worden waren, tauchten bei ihm Mitarbeiter des Veterinäramts auf und nahmen Proben in seinen Ställen. „Was Besseres hätte uns gar nicht passieren können“, sagt Stark.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Er vermarktet die Eier seiner Hennen über die von Bauern initiierte Marke „Landmarkt“ bei Rewe und über ähnliche Vertriebsschienen von Edeka und Real. Bis in den Hochtaunus und nach Darmstadt verkaufen die Ketten die Eier. Weiter als 50 Kilometer um Niederursel herum liefert Stark nicht, sagte er, die Eier von seinem Hof sind mithin ein echtes regionales Produkt.

          Noch kleiner ist der Radius, in dem die deutsche Agrar-Familie des Jahres 2017, die Familie von Peter Fay aus Pohlheim am Rand der Wetterau, die Eier aus ihren zwei Hühnermobilen vertreibt. Das sind fahrbare feste Umstände für Hennen, die die Fays auf Wiesen aufstellen. 2500 Eier können die Mittelhessen in der Woche verkaufen. Jeden Freitag sind die Eier innerhalb einer Stunde im Hofladen des Hofs Obersteinberg ausverkauft. „Die Leute stehen Schlange, da ist ein richtiger Stau auf unserem Hof“, berichtet Fay.

          Kunden stehen Schlange auf dem Hof

          Er gibt zu, manch ein Stammkunde sei sauer, weil er derzeit regelmäßig leer ausgehe. Die Fahrt zum Fayschen Verkaufsautomaten in Pohlheim können sie sich sparen: Derzeit bestückt die Familie das Gerät nur mit Wurstwaren, weil das Angebot an Eiern die Nachfrage nicht stillt.

          Große Handelsketten haben ihre eigenen Schlüsse aus dem Skandal gezogen. Edeka Südwest, mit Märkten auch im Rhein-Main-Gebiet vertreten, verkauft demnach vorwiegend Eier aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland. Ergänzend greife die Kette auf Eier aus anderen Bundesländern zurück. „Eier aus den Niederlanden führen wir nicht“, teilte eine Firmensprecherin mit.

          „Eine Vorsichtsmaßnahme“

          Aldi Süd nimmt nur noch Eier an, „für die ein negativer Fipronil-Nachweis aus einer amtlichen Probenahme oder von einem akkreditierten Labor vorliegt“, wie es in der Zentrale in Mülheim an der Ruhr heißt. Aldi Süd hatte zwischenzeitlich ganze Chargen von Eiern aus dem Verkauf genommen. Das war demnach „eine Vorsichtsmaßnahme, um unseren Kunden nachweislich nur noch Ware aus Fipronil-freien Legebetrieben anbieten zu können“. Wie ein Firmensprecher weiter mitteilte, hat der Skandal vermehrte Nachfragen von Verbrauchern nach sich gezogen. Und aus den Rewe-Märkten heißt es, der Skandal habe sich kaum auf das Geschäft ausgewirkt: „In puncto Eierkauf hat sich das Einkaufsverhalten nicht verändert“, berichtet ein Sprecher aus der Konzernzentrale in Köln. „Es hat sich alles normalisiert.“

          Dass dagegen die Verbraucher auch nach dem Abflauen der Erregung um das Anti-Läuse-Mittel wachsam bleiben, darauf hofft Hühnerbauer Stark. Erfahrungen aus den Lebensmittelskandalen der Vergangenheit zeigten aber: So mancher Kunde schaue nach der Aufregung bald wieder vor allem auf den Preis und greife zu dem billigeren Produkt. „Da vergisst der Kunde schnell, was gewesen ist.“

          Im Zweifelsfall werden sie künftig rascher als in der Vergangenheit wieder wachgerüttelt. Agrarpolitiker aus der Europäischen Union wollen das Schnellwarnsystem verbessern, das die rasche Weitergabe von Informationen zwischen den Staaten gewährleisten und das Ausbreiten eines Lebensmittelskandals eindämmen soll.

          Quelle: F.A.Z.

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