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Nach Doppelmord im Hotel Luxor : An der Zimmertür klebt noch Blut

Nach dem Verbrechen: Kriminalisten sichern Spuren am Hoteleingang. Bild: dapd

Vor einer Woche wurden im Hotel Luxor zwei Menschen erstochen. Nun versuchen die Angestellten, zum Alltag zurückzufinden.

          Der große Kaffeespender war eigentlich gar nicht nötig. Die kleine Frau schleppt ihn gut gefüllt vom Frühstücksraum des Hotels Luxor am Allerheiligentor in die Küche zurück. Zwei Gäste haben am Morgen hier gegessen, jetzt, kurz nach acht, sind sie schon lange weg, und es kommt auch keiner mehr. Vor einer Woche waren in dem Hotel zwei Serben erstochen worden, die Polizei vermutet, dass Meinungsverschiedenheiten über Drogengeschäfte der Grund dafür waren. Die Täter sind auf der Flucht.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Frau an der Rezeption hatte bisher immer gedacht, dass „die alle im Bahnhofsviertel sind“. Zwar ist das Hotel, in dem sie arbeitet, kein ausnehmend gutes, trotz der drei Sterne. Im Treppenhaus riecht es nach Rauch, einige Gäste beschweren sich auf Hotelportalen im Internet über Schmutz in den Zimmern, aber trotzdem: Serbische Drogenhändler sind eigentlich nicht die Klientel, die sie hier bedienen. Normalerweise kommen viele ausländische Gäste auf der Durchreise und Messebesucher. Über die späteren Opfer sagt die Frau: „Die waren toll angezogen, und man konnte ganz normal mit denen reden.“ Manchmal muss sie am Wochenende Betrunkene wegschicken, eine Haltestelle des Ebbelwei-Express der Frankfurter Verkehrsgesellschaft liegt direkt vor der Tür des Hotels. Wenn ihr etwas an den Gästen aus Serbien unangenehm aufgefallen wäre, sagt sie, hätte sie auch diese abgewiesen. Ungefragt fügt sie an: „Ich kann ja aber nicht vor der Tür stehen und sagen: Bitte bringt euch nicht um.“

          Opfer hatte Blutspur vom vierten Stock bis in die Lobby hinterlassen

          Anderthalb Tage lang waren die Spuren des Verbrechens in dem Hotel zu sehen gewesen, bevor die Tatortreiniger kamen. Eines der Opfer hatte sich noch aus seinem Zimmer im vierten Stock herunter in die Lobby geschleppt, eine Blutspur im Treppenhaus, an den Türen, am Fahrstuhl hinterlassend. Jetzt kleben nur noch an der Tür zu Zimmer 410 getrocknetes Blut und das Rußpulver, mit dem die Spurensicherung die Fingerabdrücke abgenommen hat. Die Teppichstücke im Treppenhaus sind herausgerissen worden, die Sitzkissen auf den Korbstühlen im vierten Geschoss fehlen. Auf der Etage ist gerade keines der Zimmer besetzt.

          Die Frau an der Rezeption blättert gedankenverloren in einem Karteikasten. Am Tag nach der Tat sind ein paar Gäste vorzeitig abgereist, „das ist ja klar“, sagt die Frau. Danach habe es aber kaum Stornierungen gegeben. So dankbar die Frau dafür ist, so sehr wundert sie sich darüber, schließlich würde sie selbst das sofort tun. Dass irgendjemand nichts von der Messerstecherei gehört hat, dass kann sie sich nicht vorstellen. „Das kam ja sogar in Rumänien im Fernsehen.“

          Bald wird die Frau an der Rezeption den Weihnachtsbaum aus der Lobby wegräumen und das Schneespray von den Fenstern wischen. Mit der Heimtextil steht nächste Woche die erste Messe in diesem Jahr an, und sie hofft, dass die Hotelgäste von dem Doppelmord unbeeindruckt bleiben. „Man wird ja nicht einfach so abgestochen, wenn man hier schläft.“

          Quelle: F.A.Z.

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