Home
http://www.faz.net/-gzg-75ike
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Nach Doppelmord im Hotel Luxor An der Zimmertür klebt noch Blut

Vor einer Woche wurden im Hotel Luxor zwei Menschen erstochen. Nun versuchen die Angestellten, zum Alltag zurückzufinden.

© dapd Nach dem Verbrechen: Kriminalisten sichern Spuren am Hoteleingang.

Der große Kaffeespender war eigentlich gar nicht nötig. Die kleine Frau schleppt ihn gut gefüllt vom Frühstücksraum des Hotels Luxor am Allerheiligentor in die Küche zurück. Zwei Gäste haben am Morgen hier gegessen, jetzt, kurz nach acht, sind sie schon lange weg, und es kommt auch keiner mehr. Vor einer Woche waren in dem Hotel zwei Serben erstochen worden, die Polizei vermutet, dass Meinungsverschiedenheiten über Drogengeschäfte der Grund dafür waren. Die Täter sind auf der Flucht.

Denise Peikert Folgen:

Die Frau an der Rezeption hatte bisher immer gedacht, dass „die alle im Bahnhofsviertel sind“. Zwar ist das Hotel, in dem sie arbeitet, kein ausnehmend gutes, trotz der drei Sterne. Im Treppenhaus riecht es nach Rauch, einige Gäste beschweren sich auf Hotelportalen im Internet über Schmutz in den Zimmern, aber trotzdem: Serbische Drogenhändler sind eigentlich nicht die Klientel, die sie hier bedienen. Normalerweise kommen viele ausländische Gäste auf der Durchreise und Messebesucher. Über die späteren Opfer sagt die Frau: „Die waren toll angezogen, und man konnte ganz normal mit denen reden.“ Manchmal muss sie am Wochenende Betrunkene wegschicken, eine Haltestelle des Ebbelwei-Express der Frankfurter Verkehrsgesellschaft liegt direkt vor der Tür des Hotels. Wenn ihr etwas an den Gästen aus Serbien unangenehm aufgefallen wäre, sagt sie, hätte sie auch diese abgewiesen. Ungefragt fügt sie an: „Ich kann ja aber nicht vor der Tür stehen und sagen: Bitte bringt euch nicht um.“

Opfer hatte Blutspur vom vierten Stock bis in die Lobby hinterlassen

Anderthalb Tage lang waren die Spuren des Verbrechens in dem Hotel zu sehen gewesen, bevor die Tatortreiniger kamen. Eines der Opfer hatte sich noch aus seinem Zimmer im vierten Stock herunter in die Lobby geschleppt, eine Blutspur im Treppenhaus, an den Türen, am Fahrstuhl hinterlassend. Jetzt kleben nur noch an der Tür zu Zimmer 410 getrocknetes Blut und das Rußpulver, mit dem die Spurensicherung die Fingerabdrücke abgenommen hat. Die Teppichstücke im Treppenhaus sind herausgerissen worden, die Sitzkissen auf den Korbstühlen im vierten Geschoss fehlen. Auf der Etage ist gerade keines der Zimmer besetzt.

Die Frau an der Rezeption blättert gedankenverloren in einem Karteikasten. Am Tag nach der Tat sind ein paar Gäste vorzeitig abgereist, „das ist ja klar“, sagt die Frau. Danach habe es aber kaum Stornierungen gegeben. So dankbar die Frau dafür ist, so sehr wundert sie sich darüber, schließlich würde sie selbst das sofort tun. Dass irgendjemand nichts von der Messerstecherei gehört hat, dass kann sie sich nicht vorstellen. „Das kam ja sogar in Rumänien im Fernsehen.“

Bald wird die Frau an der Rezeption den Weihnachtsbaum aus der Lobby wegräumen und das Schneespray von den Fenstern wischen. Mit der Heimtextil steht nächste Woche die erste Messe in diesem Jahr an, und sie hofft, dass die Hotelgäste von dem Doppelmord unbeeindruckt bleiben. „Man wird ja nicht einfach so abgestochen, wenn man hier schläft.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Terror in Tunesien Todesstoß für den Tourismus

Im tunesischen Sousse badet kaum einer mehr, die meisten Touristen sind abgereist. Die Spuren des Attentats im Hotel Marhaba sind nicht zu verdecken. Ein Grund: Die Sicherheitsmaßnahmen waren hier nicht verschärft worden. Mehr

28.06.2015, 17:28 Uhr | Politik
Sechs tote Studenten Balkon im vierten Stock gibt nach und stürzt ein

In der kalifornischen Stadt Berkeley ist der Balkon eines Apartments eingestürzt, dabei kamen sechs Studenten ums Leben. Die Studenten aus Irland hatten im vierten Stock des Apartments gefeiert. Warum der Balkon nachgab, ist bislang unklar. Mehr

17.06.2015, 10:23 Uhr | Gesellschaft
Flüchtlinge in Athen Kein Ort zum Leben

Da Griechenland seine Flüchtlinge nicht versorgen kann, müssen Hilfsorganisationen einspringen. Doch inzwischen kommen auch die Einheimischen zu den Essensausgaben. Mehr Von Julian Staib, Athen

01.07.2015, 10:05 Uhr | Politik
Luxor Verletzte bei Selbstmordanschlag an Tempelanlage

Bei einem Selbstmordanschlag an einer Tempelanlage im ägyptischen Luxor sind mindestens vier Menschen verletzt worden. Bei ihnen handele es sich um ägyptische Souvenir-Verkäufer und Polizisten, teilten die Behörden mit. Mehr

10.06.2015, 17:27 Uhr | Politik
Deutscher in Ägypten Mr. Peters Weg ins Große Sandmeer

Der deutsche Touristikunternehmer Peter Wirth bringt Touristen seit 20 Jahren die Westliche Wüste in Ägypten näher – gegen alle Widerstände und mit fast beduinischer Gelassenheit. Mehr Von Markus Bickel, Baharija

29.06.2015, 10:43 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.01.2013, 11:15 Uhr

Zu Lasten Dritter

Von Manfred Köhler

Die Stromtrasse „Suedlink“ soll nun auf längeren Strecken unterirdisch verlaufen. Wirtschaftsminister Al-Wazir lobt diesen Plan - zahlen müssen Bürger und Wirtschaft. Die Beschlüsse offenbaren einiges über die hessische Energiepolitik. Mehr 2