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Nach Crystal-Meth-Affäre : Michael Hartmann wirft das Handtuch

Hört auf: der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann (SPD) Bild: dpa

Der Mainzer Abgeordnete Michael Hartmann wird nach seiner Crystal-Meth-Äffare nicht wieder für den Landkreis kandidieren. In einem Brief schildert er erstmals seine Sicht der Dinge.

          In einem „Brief an die Genossen“ in der Stadt Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen hat der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann (SPD) angekündigt, dass er sich 2017 nicht wieder um ein Mandat für den Deutschen Bundestag bewerben werde. „Es geht nicht mehr. Es war zu viel“, ließ der 53 Jahre alte Politiker in dem am Dienstag von ihm verschickten Schreiben an seine Parteifreunde wissen. In den vergangenen beiden Jahren hatte er durch die Edathy- und die Crystal-Meth-Affäre bundesweit für negative Schlagzeilen gesorgt.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Bis zum Ende der Legislaturperiode wolle er seine Arbeit in Mainz und Berlin noch fortsetzen. „Wegen der vielen Menschen, die trotz Diffamierung, Hetze, Rufmord und meiner eigenen Fehler treu zu mir stehen, fällt es mir leicht, dies zu tun“, so Hartmann, der sich bis zum Monatsende in Urlaub verabschiedet hat.

          Monatelang sei er krankgeschrieben gewesen

          Als Fehler bezeichnete er selbst, dass „ich für kurze Zeit Hilfe bei Drogen gesucht habe“. Das im Juli 2014 eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Berlin letztlich gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Hartmann hatte zugegeben, geringe Mengen der Modedroge Crystal Meth zum Eigenverbrauch erworben und konsumiert zu haben. In der darauffolgenden Edathy-Affäre, in der er infolge der Drogen-Geschichte noch geschwächt „kein gutes Bild“ abgegeben habe, sei ihm dagegen viel Unrecht widerfahren, schilderte der seit 2002 dem Bundestag angehörende Hartmann den SPD-Mitgliedern jetzt erstmals schriftlich seine Sicht der Dinge.

          Monatelang sei er krankgeschrieben und nicht arbeitsfähig gewesen. Dann habe man ihm nahegelegt, bis zur Landtagswahl am 13. März möglichst nicht im Wahlkreis zu erscheinen. Unmittelbar nach dem Sieg der von Ministerpräsidentin Malu Dreyer geführten rheinland-pfälzischen SPD wagte sich der Wackernheimer langsam wieder aus der Deckung. Zunächst eröffnete er in Mainz ein neues Wahlkreisbüro, danach ließ er sich vor allem im Landkreis auch wieder bei Veranstaltungen sehen.

          Nachfolger für Hartmann im Gespräch

          Während im Umland durchaus noch eine Bereitschaft zu erkennen war, dem verdienten Parteisoldaten eine weitere Chance einzuräumen, gab es in der Stadt starke Bedenken, ob mit dem angeschlagenen Sozialdemokraten 2017 das Direktmandat zu holen sei. Gleichwohl haben die SPD-Vorsitzenden aus Stadt und Kreis, Michael Ebling und Roland Schäfer, dem langjährigen Bundestagsabgeordneten in einer gemeinsamen Erklärung für dessen aufrechte Haltung und seine Leistungen gedankt.

          Hartmann sieht sich im Zusammenhang mit der Kinderpornographie-Affäre des Sebastian Edathy inzwischen nicht nur juristisch von allen Vorwürfen entlastet, sondern auch in politischer und moralischer Hinsicht ohne Schuld: „Wiewohl faktisch unbelastet, könnte ich nicht mehr frei in einen Wahlkampf gehen, der für alle klassischen Parteien schwierig genug wird.“ Als potentieller Nachfolger im Wahlkreis ist offenbar der frühere SPD-Finanzminister des Landes, Carsten Kühl, im Gespräch.

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