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Veröffentlicht: 18.10.2013, 18:47 Uhr

Nach Ausbildung bei Lufthansa Junge Piloten warten am Boden

Weil die Lufthansa spart, müssen sich junge Piloten bis zu ihrem ersten Flugeinsatz gedulden. Die Ausbildung bei der Kranichlinie ist aber nach wie vor attraktiv – für Flugschüler wie für Konkurrenz-Airlines.

von , Frankfurt
© Mona Jaeger Übungsgerät: Eine einmotorige Bonanza auf dem Flugplatz des Airline Training Center Arizona in Goodyear.

Piloten wollen fliegen, nicht am Boden warten. Rund 300 Lufthansa-Flugzeugführer sind aber derzeit genau dazu verurteilt. Ganz frisch haben sie ihre Pilotenlizenz bekommen, nun fehlt ihnen, als Abschluss ihrer zweijährigen Ausbildung, nur noch die Schulung auf einen bestimmten Flugzeugtyp. Weil die Lufthansa derzeit aber keine Piloten einstellt, ist die auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie lange der Einstellungsstopp für das Cockpit dauern wird, ist laut Lufthansa ungewiss. Das hat vor allem zwei Gründe. Erstens sind durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach Piloten nicht automatisch mit 60Jahren in Rente geschickt werden dürfen, noch mehr Piloten im Dienst als ursprünglich geplant. Zweitens unterzieht sich Europas größte Fluggesellschaft derzeit einem harten Sparprogramm. Stellen sollen gestrichen werden – wenn auch vorerst nur am Boden – aber auch die Ausgaben in Kabine und Cockpit werden auf Sparmöglichkeiten abgeklopft. Für zumindest einen Teil der knapp 900 sogenannten Nachwuchsflugzeugführer, die bei der Lufthansa derzeit ausgebildet werden, heißt das, Geduld zu bewahren.

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Manche frischgebackene Piloten, häufig erst Anfang zwanzig, nutzen die Wartezeit bis zum praktischen Einsatz für ein Studium, andere wollen und müssen Geld verdienen und schrecken auch vor der Arbeit an der Supermarktkasse nicht zurück. Immerhin fordert die Lufthansa die rund 60000Euro Eigenanteil, für die viele Pilotenschüler ein Darlehen bei der Fluggesellschaft aufnehmen, erst zurück, wenn die Piloten auch tatsächlich fliegen und Geld verdienen.

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Hohe Bewerberzahl trotz ungewisser Karriere

Diese Möglichkeit der Finanzierung wie auch die gesamte Pilotenausbildung bei der Lufthansa suchen trotz der schwieriger gewordenen Umstände noch immer weltweit ihresgleichen. Wer das äußerst harte, mehrtägige Auswahlverfahren in Hamburg besteht, bekommt noch immer garantiert, bei der Lufthansa als Kopilot anfangen zu können – wenn auch unklar ist, wann genau. Nach zehn bis 15Jahren können die Kopiloten dann in der Regel zu Flugkapitänen aufsteigen. Das Einstiegsgehalt als Kopilot liegt bei 60000 Euro, das eines Kapitäns bei mindestens 110000 Euro.

Obwohl die Lufthansa im Moment nicht einstellt, lädt sie geeignete Kandidaten zum Auswahltest nach Hamburg – und trotz ungewisser Karriereaussichten sind die Bewerberzahlen hoch. Man prüfe weiter, um nicht mit leeren Händen dazustehen, heißt es aus dem Unternehmen. Man müsse antizyklisch denken. Denn in nicht allzu ferner Zukunft würden Piloten händeringend gesucht. Die Sorge um Fachkräfte macht auch vor dem Cockpit nicht halt. Laut einer Untersuchung der Flugzeughersteller Boeing und Airbus wird sich die weltweite Flugzeugflotte in den nächsten 17Jahren auf knapp 40000 verdoppeln. Gesteuert werden sollen diese Maschinen von 460000 zusätzlichen Piloten. Schon jetzt buhlen aufstrebende Airlines aus dem Osten und aus Asien um den Nachwuchs.

14,7 Millionen für die Flugschule der Lufthansa

Der muss aber erst einmal fit gemacht werden fürs Fliegen. Hier sieht die Lufthansa ihre Chance: Sie gehört zu den wenigen Gesellschaften, die noch selbst Piloten ausbilden. Andere Airlines greifen oft auf die Absolventen privater Flugschulen zurück, die aktuell überall neue Dependancen eröffnen. Die Ausbildung dort ist für die Flugschüler aber oft teurer als bei der Lufthansa (rund 100000Euro) und genießt in Fliegerkreisen keinen so guten Ruf. Die Kranichlinie leistet sich den Luxus, neben dem Ausbildungszentrum in Bremen eine Flugschule im amerikanischen Goodyear nahe der Stadt Phoenix zu betreiben, durch die schon 10000 angehende Piloten gegangen sind. Unter der nahezu das ganze Jahr scheinenden Sonne von Arizona lernen die Pilotenschüler in kleinen Propellermaschinen und in Flugsimulatoren das eigentliche Fliegen. Derzeit leben auf dem Campus des Airline Training Center Arizona (ATCA) 300Lufthansaschüler – Platz wäre aber für bis zu 600Schüler. Die Deutschen sind deswegen ins Drittgeschäft eingestiegen und bilden seit einiger Zeit Piloten aus, die bei anderen Fluggesellschaften unter Vertrag stehen. Neben der Austrian Airways, einer hundertprozentigen Lufthansa-Tochter, sind das ab 2014 All Nippon Airways und seit wenigen Wochen KLM Royal Dutch Airlines. Deren Flugschüler wurden vorher am anderen Ende der Stadt unterrichtet, wo ein Lufthansa-Konkurrent eine Flugschule betreibt.

Aber das Ausbildungsmodell der Deutschen überzeugte offenbar. Weitere Airlines sollen Interesse am Lufthansa-Programm bekundet haben. „Das Drittgeschäft ist sehr spannend für uns“, sagt Matthias Kippenberg, Leiter der ATCA. Das internationale Flair tue den deutschen Schülern gut. Aber vor allem: Es spült Geld in die Kassen. Die Lufthansa kostet ihre Schule umgerechnet rund 14,7 Millionen Euro im Jahr. Das Geschäft mit den anderen Airlines bringt knapp 3,7Millionen Euro ein. Parallel wird auch hier geschaut, wo gespart werden kann. Als Vorbild gilt die Swiss, ebenfalls eine Tochter der Lufthansa, die mit ihrer Schule in Vero Beach in Kalifornien sitzt und um einiges günstiger ausbildet. Möglich ist, dass Swiss bald auch nach Goodyear kommt – aber nur, wenn die Konditionen stimmen. Im ATCA wird deswegen gerade viel gerechnet.

Bei der Stadt Phoenix, dem der Flugplatz in Goodyear gehört, freut man sich jedenfalls über den fliegerischen Expansionskurs der Deutschen. Die Flugschule ist mit ihren 50Fluglehrern und 30Mechanikern der zweitgrößte Arbeitgeber in Goodyear.

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