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Kampf gegen den Krebs : Wie Phönix aus der Asche

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Anderen Vorbild und Stütze: Myriam von M. stand mehr als fünf Dutzend Menschen auf ihrem letzten Weg bei - und hat selbst Angst vor Krankenhäusern und dem Tod. (Symbolbild) Bild: Reuters

Depressionen, Fehlgeburt, Gewalt - Myriam von M. hat viel durchgemacht. Ihre größte Herausforderung ist aber der Krebs. Der Kampf gegen ihn macht sie zum Vorbild für andere Erkrankte.

          In hohem Bogen spritzt der Lebenssaft aus dem Kopf. Aus den Augen fließen rote Bäche, Tränen aus Blut. Die Frau, nackt, farblos, wie aus einem Tim-Burton-Film, hat sich erschossen. Sie gibt ein so makabres Bild ab wie das Tattoo, das auf der Brust prangt: ein Gesicht, und doch nur ein halbes. Auf der einen Seite klafft dem Betrachter eine leere Augenhöhle entgegen. Ein Totenkopf.

          „Er erinnert mich daran, dass der Tod in mir schlummert“, sagt Myriam von M. Die Tätowierungen auf dem Körper der Neununddreißigjährigen erzählen Geschichten aus ihrem Leben. Es sind nicht nur düstere: Die Namen ihrer zwei Söhne und ihres Freundes sind verewigt. Ein Mikrofon auf dem Unterarm; sie singt in einer Band. Daneben Sterne, Herzen, Kirschen. Mit ihrem außergewöhnlichen Look stand Myriam früher als Alternativ-Model vor der Kamera. Mittlerweile hat die Flörsheimerin im Internet einige Bekanntheit erreicht - allerdings nicht wegen ihrer Fotos.

          Sie bezwang den Krebs

          Mit ihrer Anti-Krebs-Kampagne setzt sie sich seit 2014 für Vorsorge und Aufklärung ein. Der Name der Kampagne ist derb, er klingt wie eine Kampfansage: Fuck Cancer. Inzwischen ist sie eine Art Botschafterin für Kranke; mehr als 170 000 Fans folgen ihr auf Facebook. Dort tritt sie als Myriam von M. auf. Der Künstlername sei inspiriert vom Adelstitel ihrer Familie väterlicherseits, erklärt sie. Der Kampf gegen Krebs ist für die Flörsheimerin ein Fulltime-Job, der sie auch nach Feierabend nicht loslässt. Sie erfüllt letzte Wünsche, sammelt Spenden, begleitet Todkranke bis zum Ende. Sie weiß, um was es geht, seitdem sie vor 14 Jahren selbst an Krebs erkrankte.

          Damals, als sie sich noch nicht Myriam von M. nannte. Als sie einen Knubbel in der Intimregion entdeckte. Eine Warze, nichts weiter, hieß es. Allerdings eine hartnäckige, die nicht verschwinden wollte. Es folgte eine Odyssee von Arztbesuchen. Irgendwann stand der wahre Befund fest: Invasives Plattenepithelkarzinom. Ein nüchterner Fachbegriff, hinter dem Vulvakrebs steckt - eine Erkrankung, die sie bis dato nicht einmal kannte. Ebenso wenig waren ihr Humane Papillomviren ein Begriff: sexuell übertragbare Viren, die bösartige Zellveränderungen hervorrufen können und gegen die es damals noch keine Impfung gab. In ihrem Kopf spukte die Frage herum: Warum ich? Sie war erst 25 Jahre alt und Mutter eines Kleinkinds.

          Nach dem ersten Schock kam der Wille, zu überleben. Wie viele Klinikaufenthalte, Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien folgten, weiß sie nicht mehr. Irgendwann verlor sie ihren Partner, ihr Friseurgeschäft und auch ihren Sohn, der seitdem beim Vater aufwächst. Doch sie bezwang den Krebs.

          Zeigt sich verletzbar

          2006 dann ein Rückschlag. Dieses Mal ist es Gebärmutterhalskrebs, wieder durch Humane Papillomviren hervorgerufen. Dazu kommt eine von Gewalt geprägte Ehe, an der sie fast zerbricht. Sie trennt sich, findet eine neue Liebe - und wird mit Gabriel schwanger, kurz vor der geplanten Entfernung der Gebärmutter. Für sie ein Wunder, das ihr Kraft verliehen hat. Heute gilt Myriam als krebsfrei. Das Wort geheilt hat sie aus dem Vokabular verbannt. „Ich glaube, wenn man einmal Krebs hatte, stirbt man irgendwann auch daran.“

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