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Veröffentlicht: 22.06.2013, 17:00 Uhr

Muslimische Bademode Schmucke Notlösung

Glaubenskonformer Badespaß: Bisher ist der Burkini eine Rarität in den meisten Schwimmbädern. Nun soll er dafür sorgen, dass mehr muslimische Frauen schwimmen lernen.

von Stephanie Rudolf
© Sick, Cornelia Bunter Badespaß: Burkinivariationen sollen muslimische Frauen zum Schwimmen animieren.

„Was wir gleich sehen, ist nur ein Vorschlag“, sagt Peter Metz vom Integrationsbüro Mörfelden-Walldorf, bevor sich die Jalousien der Oberlichter schließen. Der Vorschlag, der kurz darauf durch die Räume des Landessportbundes Hessen schreitet, sieht aus wie ein geraffter rosa Regenmantel. „Polyester und Elastan, atmungsaktiv und wasserabweisend“, kommentiert Metz und schickt ein aufmunterndes „sehr schön, Hayat“, hinterher. Hayat stapft derweil nervös lächelnd die zwölf Meter auf dem Laufsteg entlang, ein paar Schritte geht es nach vorne, dann macht sie einen Ausfallschritt zur Seite, stützt die Hände in die Hüften, trippelt ein paar Meter weiter und vollführt das Gleiche zur anderen Seite.

Die Triathletin, die heute als Model eingesprungen ist, trägt den ersten von acht Vorschlägen, die an diesem Abend an den rund hundertzwanzig Augenpaaren vorbei defilieren und neugierig begutachtet werden. Acht Burkini-Modelle, die dafür sorgen sollen, dass bald mehr muslimische Frauen in Hessens Badeanstalten schwimmen gehen. Ob das nicht beim Sport störe, wird Hayat hinterher gefragt. Findet sie nicht. „Man muss alles ausprobieren, man soll immer Sport machen.“

In muslimischen Ländern ist der Bodykini bereits erfolgreich

Erfunden wurde der Burkini - dessen Name sich aus Burka und Bikini zusammensetzt - vor gut zehn Jahren von der libanesischen Designerin Aheda Zanetti. Die war nach Australien ausgewandert und wollte wie ihre nichtmuslimischen Freundinnen auch einmal im Meer baden, ohne dabei gleich mit den Bekleidungsvorschriften des Islams zu brechen. Ein weit geschnittenes und gut verhüllendes Kleidungsstück musste her. Nach den ersten Versuchen mit normalen Burkas, die sich schnell mit Wasser vollsogen und die Trägerin eher zum Tauchen denn zum Schwimmen befähigten, entwickelte Aheda Zanetti den Burkini. Der auch als Bodykini bezeichnete Zweiteiler, der ursprünglich nur Füße, Hände und Gesicht freiließ, kann inzwischen in Ländern wie der Türkei, den Emiraten oder Ägypten kommerzielle Erfolge verbuchen.

Auch in Sachen Burkini-Design hat sich einiges getan, mehrere Bademodenhersteller rund um den Globus haben ihn in ihr Sortiment aufgenommen. Längst nicht alle Variationen haben noch lange Ärmel oder eine angenähte Kapuze als Kopfbedeckung. Auch einige der Vorschläge, die der Landessportbund organisiert hat, kommen ärmellos und tief dekolletiert daher. Der Damenriege links und rechts des Laufstegs gefällt es. Ob elegant grau oder fröhlich-frisch in rosé Tönen, für jede Version gibt es zustimmendes Kopfnicken.

Viele muslimische Migrantinnen können nicht schwimmen

Auch Volker Rehm von der Sportjugend Hessen, die die Veranstaltung im Rahmen ihres Programms „Sport durch Integration“ organisiert hat, ist zufrieden. So viele Migrantinnen habe er noch bei keiner Veranstaltung gehabt. Seit 2011 bietet das Integrationsbüro Mörfelden-Walldorf gemeinsam mit der Sportjugend Hessen Frauenschwimmkurse an. Die Kurse sollen dafür sorgen, dass mehr muslimische Frauen schwimmen lernen. Denn viele Migrantinnen, die hier aufgewachsen sind, haben den Schwimmunterricht während der Schulzeit verpasst.

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