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Musikwissenschaften Forschung und Lehre von Oper bis Pop

Lange waren die Lehrstühle der Musikwissenschaftler an der Uni Frankfurt verwaist. Jetzt herrscht im Institut Aufbruchstimmung.

© Fiechter, Fabian Vergrößern Spielautomat: Am Institut steht ein altes Pianola, das aufgezeichnete Klaviermusik wiedergeben kann.

Die Hoffnung auf den „Dominoeffekt“ ist nicht vergebens gewesen. Lange waren die Lehrstühle im Musikwissenschaftlichen Institut der Goethe-Universität verwaist, doch dann folgte auf die erste Neuberufung bald eine weitere. Jetzt muss - um im Bild zu bleiben - nur noch der letzte Stein fallen: Wenn im Sommersemester das Verfahren zur Besetzung der W2-Professur für Musikethnologie eröffnet und bald ein geeigneter Kandidat gefunden würde, stünde das Institut wieder so ordentlich da wie zuletzt Mitte der neunziger Jahre. Außer der immer noch vakanten ist nämlich auch die andere der beiden W2-Professuren seit 1997 durch Privatdozenten vertreten worden. Nachdem Institutschef Adolf Nowak 2006 in den Ruhestand getreten war, hatte das Haus fünf Jahre lang keinen festangestellten Direktor.

Guido Holze Folgen:  

Vor diesem Hintergrund lasse sich ermessen, in welchem Zustand sich das Institut befunden habe, als er im Juli 2011 als neuer Leiter auf die W3-Stelle berufen worden sei, sagt Thomas Betzwieser. Im Sommersemester 2012 habe er sich in Frankfurt zunächst „selbst vertreten“, ehe er im August 2012 regulär die Geschäfte übernommen habe. Dann wirkte der „Dominoeffekt“: Seit April ist auch die W2-Professur für historische Musikwissenschaft wieder besetzt - mit Marion Saxer, die schon zuvor in Frankfurt mit viel Zuspruch gelehrt hatte.

Der Studienabschluss heißt noch Magister

Zudem ist mit Betzwieser das Editionsprojekt „Opera“, in dem 21 Opern in digitalen und gedruckten „Hybridausgaben“ erscheinen sollen, von Bayreuth nach Frankfurt gekommen. Mit sechs wissenschaftlichen Mitarbeitern in Forschungsprojekten, acht festangestellten Lehrenden und vier Lehrbeauftragten ist die Besetzung, gemessen an der Vergangenheit, nun geradezu üppig.

Untergebracht ist das Institut seit dem Sommersemester 2013 mit den letzten verbliebenen Instituten auf dem Campus Bockenheim im Juridicum. Mit 15 Räumen steht dort mehr Platz zur Verfügung als zuletzt in der Villa an der Georg-Voigt-Straße. Im Moment herrsche „eine sehr gute Stimmung“, sagen die Fachschaftssprecherinnen Lisa Gleiß und Viola Grossbach. Sie sehen auch nichts Negatives darin, dass sie in Frankfurt ihr Studium noch als Magister abschließen. Auch wenn dieser akademische Grad sonst an keinem musikwissenschaftlichen Institut im deutschsprachigen Raum mehr verliehen werde, sei er doch vollwertig.

Angestrebte Vielfalt

Die Umstellung auf Bachelor und Master ist am Frankfurter Institut nun angelaufen. Laut Betzwieser gibt es derzeit 91 Bachelor-Studenten und 272 Magister-Haupt- und Nebenfächler. Der Master-Studiengang soll zum nächsten Wintersemester eingeführt werden. Damit ist gegenüber 2010, als es 334 Magisterstudenten im Haupt- und Nebenfach gab, ein klarer Zuwachs erkennbar, sofern man die Bachelor-Studenten hinzurechnet.

Gerade die Öffnung des ehedem mit allen drei Professorenstellen historisch orientierten Instituts zur Musikethnologie stoße auf großes Interesse, meinen Gleiß und Grossbach. Dass Jazz, Pop, Musiksoziologie und zeitgenössische Musik im Angebot sind, trägt demnach ebenso zu der von Betzwieser angestrebten Vielfalt bei. Berührungspunkte mit anderen Fächern ergäben sich nun umso mehr mit den in Frankfurt starken ethnologischen und sprachwissenschaftlichen Disziplinen.

Ein Painola entstauben

Der Umzug des Instituts an den Campus Westend sei für die dort letzte Ausbauphase 2017 vorgesehen. Betzwieser hält wenig davon, auf dem Kulturcampus Bockenheim zu bleiben, auf dem die Musikhochschule einen Neubau beziehen möchte - jedenfalls „solange nicht klar ist, wie sich dieser Campus zusammensetzt“. Der Professor liegt auf einer Linie mit seinen Amtsvorgängern, wenn er bekräftigt: „Wir gehören zur Uni.“ Es habe wenig Sinn, an die Musikhochschule „anzudocken“.

Dorthin gebe es allerdings über Marion Saxer gute Kontakte. Der bestehende Kooperationsvertrag mit der Musikhochschule werde derzeit überarbeitet. In Frankfurt bestünden zudem viele Möglichkeiten des Austauschs mit anderen musikwissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Hindemith-Institut, der Zentralredaktion des internationalen Quellenlexikons der Musik und dem im Aufbau befindlichen Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik.

Insgesamt sei am Institut ein frischer Wind aufgekommen, meint Gleiß. Er soll nun auch einen „Schatz“ entstauben, auf den Betzwieser hinweist: ein Pianola, mit dem alte Klavier-Einspielungen wiedergegeben werden können. Aufgezeichnet sind sie auf vielen Rollen, die im Institut eingelagert wurden. Die historischen Aufnahmen könnten nach Betzwiesers Worten wieder erklingen, sobald das mechanische Instrument renoviert sei - wofür man sich die Hilfe von Sponsoren erhoffe.

Quelle: F.A.Z.

 
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