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Musiktheater „Ihre Seele hängt ganz und gar am Theater“

 ·  Regisseur Vincent Boussard und Dirigent Carlo Montanaro über die Oper „Adriana Lecouvreur“. Am Samstag hat die Produktion im Frankfurter Musiktheater Premiere.

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Francesco Cileas Oper „Adriana Lecouvreur“ sei kein Stück für das „Regietheater“, sagt Vincent Boussard, der das selten szenisch gespielte Werk für die Frankfurter Erstaufführung inszeniert hat. Das 1902 in Mailand uraufgeführte Musikdrama nach dem gleichnamigen Schauspiel von Eugène Scribe würde aus seiner Sicht „zerstört“, wollte man es etwa mit allerlei Zutaten oder psychologisierend in die Gegenwart zerren. Vielmehr ist dem französischen Regisseur wie dem italienischen Gastdirigenten Carlo Montanaro, der am Samstag von 18 Uhr an die Premiere im Frankfurter Opernhaus am Willy-Brandt-Platz leiten wird, daran gelegen, eine gewisse Leichtigkeit zu wahren und die Musik so zur Wirkung zu bringen, dass die Zuhörer sie genießen können. Das wird im Gespräch mit diesen beiden schnell deutlich.

Das Bühnenbild von Kaspar Glarner wird daher folgerichtig im ersten und vierten Akt ein „Theater auf dem Theater“ zeigen. Schließlich arbeite die Titelfigur, die der im 18. Jahrhundert berühmten französischen Schauspielerin Adrienne Lecouvreur nachgebildet ist, nicht nur in der Pariser Comédie-Française, sie lebe auch dort. In dem historischen Nationaltheater, das untrennbar mit Molière verbunden ist, gebe es für die Schauspieler nämlich auch Wohnungen, weiß der französische Regisseur, der dort selbst eine Zeit lang tätig war. So werde zugleich deutlich, dass Adrianas Seele ganz und gar am Theater hänge.

In Wahrheit ein „bad guy“

Sie erträume sich, in der Realität ebenso starke Gefühle zu erleben wie als Schauspielerin auf der Bühne. Doch erfahre sie, „dass die Menschen draußen nicht so sind, wie sie es sich erhofft“, führt Boussard aus. Der Plot basiere auf einer wahren Geschichte, an der jedoch vieles verändert worden sei. Jedenfalls habe Adrienne wirklich eine Liebesbeziehung zum Landgrafen Moritz von Sachsen gepflegt. Der romantische Tenor Maurizio, der in der Oper dieser realen Figur entspreche, sei in Wahrheit aber wohl ein „bad guy“ gewesen, ein übler Kerl und Frauenheld.

Die Welt des Adels soll in der Frankfurter Produktion sichtlich abgesetzt sein - im Salon des Fürsten Bouillon im zweiten und dritten Akt. Der Kontrast zwischen der Gesellschaft und der Künstlerwelt müsse deutlich werden, erläutert Boussard sein Konzept. Verstärkt werden soll er durch die Kostüme von Christian Lacroix, der auch als Modedesigner erfolgreich ist, aber schon seit zehn Jahren mit Boussard zusammenarbeitet und sich bei der Arbeit für die Bühne ausschließlich als Kostümbildner sieht. Seine Entwürfe seien zum Teil vom 18. Jahrhundert inspiriert, sehr theatergerecht, teils opulent und farbenprächtig.

In dem Stück gebe es viel „Konversation“, wobei das Libretto nicht unbedingt der stärkste Teil der Oper sei, sagt Montanaro. Doch übernehme das Orchester nie eine reine Begleitfunktion. Vielmehr sei es schwierig, die richtige Balance zu den Sängern zu halten, die vielen Farben zu entfalten und stets in Verbindung mit dem Geschehen auf der Bühne zu bringen, findet der italienische Dirigent. Die berühmten Arien, die oft auch isoliert bei Operngalas vorgetragen werden, müssten bei einer szenischen Gestaltung möglichst fließend in die Handlung integriert werden. Schließlich seien sie „Momente im Leben“ der Figuren, die darin ihre Gedanken ausdrückten.

Weitere Aufführungen

Premiere am Sonntag, um 18 Uhr. Weitere Vorstellungen am 9., 15., 17., 23. und 25.März

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Jahrgang 1966, freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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