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Museum Wiesbaden : Ein neuer Ort für Alte Meister und Naturästhetik

Natürliche Ästhetik: Die naturwissenschaftliche Sammlung wird im Nordflügel des Museums neu präsentiert. Bild: Röth, Frank

Die Sanierung des Museums Wiesbaden ist fast beendet. Im Mai werden die beiden Seitenflügel wiedereröffnet.

          Wiesbaden bekommt ein neues Museum. Nicht das Stadtmuseum, von dem die Kurstadt seit Jahrzehnten spricht, und auch ein anderer musealer Neubau ist in der Landeshauptstadt derzeit nicht geplant. Doch wenn der „Blick in die Zukunft des Hauses“, den der Direktor des Museums Wiesbaden, Alexander Klar, der Presse jetzt schon einmal vorab gewährte, nur annähernd jenem Bild gleicht, das sich dem Publikum vom 8.Mai des nächsten Jahres an bietet, dann macht der Wonnemonat vielleicht nicht alles neu, aber zumindest vieles anders und seinem Ruf im vor 100 Jahren erbauten Museum damit alle Ehre. Mancher Besucher wird das Haus noch einmal gänzlich neu für sich entdecken.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach der Retrospektive auf das Werk von Antonio Saura geht das Ausstellungsprogramm im März weiter mit der vom Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main geförderten Schau „Rheinromantik“ sowie, im April, mit der Eröffnung zweier fotokünstlerischer, dem Werk von Thomas Florschütz und den Arbeiten des vornehmlich als Filmemacher bekannten Abbas Kiarostami gewidmeten Präsentationen. Doch das eigentliche Ereignis des Jahres naht im Mai mit der vollständigen, vor 20 Jahren begonnenen und nun vor ihrer Vollendung stehenden Sanierung des Hauses, mithin der Wiedereröffnung von Nord- und Südflügel.

          Balance der Räume bewahrt

          Und das keineswegs nur, weil sich die Kasseler Architekten Schultze & Schulze dem von Theodor Fischer entworfenen Bau mit äußerstem Respekt genähert haben; weil sie die Balance der Räume, Raumfolgen und -fluchten ausdrücklich zu bewahren suchen und sich bei der Auswahl der Materialien etwa für Böden und Türen an der ursprünglichen Situation orientiert haben. Vielmehr werden mit dem Abschluss der Sanierung endlich auch wieder jene, das Haus neben Jawlensky, der Moderne und der zeitgenössischen Kunst tragenden Teile sichtbar, die seit Beginn der Arbeiten meist ein Schattendasein in den Depots fristeten.

          Kreisförmig gestapelt: Vitrinen mit Vogelpräparaten in der neuen Dauerausstellung der Naturhistorischen Sammlung im Nordflügel des Museums Wiesbaden. Bilderstrecke
          Kreisförmig gestapelt: Vitrinen mit Vogelpräparaten in der neuen Dauerausstellung der Naturhistorischen Sammlung im Nordflügel des Museums Wiesbaden. :

          Das gilt für die Alten Meister, die, nach Themen und nicht nach Epochen gegliedert, im Südflügel auch schon mal assoziativ Anschluss an das 19.Jahrhundert und die Moderne suchen, geradeso wie für den neuen Beuys-Saal, dessen Einrichtung zwischen Kabakovs „Rotem Waggon“ und Arte povera sich dem erst unlängst zum Abschluss gekommenen Erwerb der Sammlung Axel Murken verdankt. Mehr noch gilt es vielleicht für die über Johann Isaak von Gernings Vermächtnis mit der Geschichte des Museums seit deren Anfängen aufs engste verknüpften naturhistorischen Sammlungen, die in den vergangenen 15 Jahren allenfalls teilweise in Sonderausstellungen zugänglich und seit 2008 gänzlich geschlossen waren. Sie werden künftig im Nordflügel mit einem neuen Konzept präsentiert werden.

          Hundert Jahre alte Schauvitrinen erhalten

          Auch dort freilich fällt bei einem ersten Rundgang durch die noch nicht fertig installierten Räume zunächst auf, wie respektvoll Architekten und Kuratoren mit dem architektonischen Bestand, aber auch mit der historischen Einrichtung umgegangen sind. So wurden die hundert Jahren alten, in ihren Maßen annähernd Diorama-Größe erreichenden Schauvitrinen behutsam restauriert. Die ersten der kostbaren, laut Alexander Klar „nach allen Regeln der Kunst“ gefertigten Präparate der eine Million Objekte umfassenden Sammlung haben darin auch schon ihren Platz gefunden. Kern der Neupräsentation aber ist die leitmotivisch im ganzen Haus variierte Idee, mit der Inszenierung Anschluss zu suchen an andere Abteilungen des Museums.

          Aber auch die „Ästhetik der Natur“, so der Titel der Präsentation, will die Anbindung an die bildende Kunst nach den Worten von Sammlungsleiter Fritz Geller-Grimm nicht mit der Brechstange, sondern mit subtilen Mitteln herstellen. Vielmehr wolle man die Sammlung „ein Stück weit so aufbereiten, wie man sich auch der Kunst nähert“. Farbe, Form, Bewegung und Zeit lauten die Kategorien, nach denen sich die Dauerausstellung gliedert, Begriffe mithin, mit denen auch der Kunst sich zu nähern durchaus plausibel scheint, ohne dass man die Verweise der einen auf die andere Sphäre überstrapazierte und damit dann weder der Kunst noch der Natur einen Gefallen täte. Der „Blick in die Zukunft des Hauses“ fällt ohne Übertreibung vielversprechend aus.

          Quelle: F.A.Z.

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