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Frühere Mülldeponie : Es grünt auf dem Monte Scherbelino

Die Frankfurter Umweltdezernentin Heilig zeigt ein historisches Foto der Mülldeponie. Bild: Marcus Kaufhold

Einst war der Monte Scherbelino eine trostlose und übelriechende Mülldeponie. Doch dank eines ambitionierten Projekts erobert die Natur Stück für Stück das Areal zurück.

          Nur das Rauschen der nahen Autobahn scheint die Idylle am Monte Scherbelino zu trüben. Auf den Wiesen am Fuße des grünen Hügels im Süden Frankfurts zirpen Grillen, ein kleiner Falter setzt zur Landung an, und Rauchschwalben sausen durch die Lüfte.

          Doch der Schein trügt. Die renaturierte Deponie, auf der die Frankfurter von 1928 an rund vier Jahrzehnte lang einen etwa 55 Meter hohen Müllberg anhäuften, ist belastet. Die Sicherung der Anlage koste im Jahr rund zwei Millionen Euro, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) vor rund 200 Besuchern, für die das Umweltamt gestern Morgen die Tore zum Gelände geöffnet hat.

          „Wildnis wagen – Vielfalt erleben“

          Eigentlich bleiben diese nämlich verschlossen. Dafür gibt es laut Thomas Hartmannshenn vom Umweltamt zwei Gründe. Zum einen bestünden gesundheitliche Bedenken, weil auf der Bergkuppe Methan austrete und dies noch weiter beobachtet werden müsse. Zudem sei der Berg ein „technisches Bauwerk“ mit Stolperfallen wie Schächten und Leitungen. Wegen der Sicherheitsrisiken sei vor 2030 nicht mit einer Öffnung des Geländes zu rechnen, ergänzt die Umweltdezernentin. Dabei hätten viele Frankfurter ihren Monte Scherbelino gerne wieder zurück. Ingo Moritz, 54 Jahre alt, war als Jugendlicher oft dort. Nach der Schließung der Deponie hätten die Kinder in der Westernstadt Cowboy und Indianer gespielt. „Ich warte darauf, dass hier wieder aufgemacht wird“, sagt Moritz.

          Manche sagen, der Name des Berges erinnere an die Kriegstrümmer, also die „Scherben Frankfurts“. Andere halten ihn für eine Wortschöpfung der italienischen Müllmänner. 1989 wurde die Deponie jedenfalls zur Altlast erklärt und umzäunt. Für den acht Jahre alten Till ist das Geschichte. „Wie viele Tonnen Müll liegen im Monte Scherbelino?“, möchte er von der Umweltdezernentin wissen. Das könne man leider nicht genau feststellen, sagt sie. Nicht nur der Berg regt zum Fragen an. Regelmäßig wird das Areal für Schulklassen geöffnet, um als „wildes Klassenzimmer“ zu dienen. Das sei Teil des vom Bundesumweltministerium geförderten Projektes „Wildnis wagen – Vielfalt erleben“, sagt Hartmannshenn. 18 Hektar des Geländes würden seit zwei Jahren der Natur überlassen. Auf einem waldfreien Stück der Fläche brütet inzwischen sogar der seltene Flussregenpfeifer.

          Auch in den einst schwarzen und verseuchten „Cola-See“ genannten Scherbelino-Weiher kehrt das Leben zurück. Möglich wurde das insbesondere dank dreier Maßnahmen. Wie Frieder Leuthold vom Umweltamt erläutert, ist der Berg in den frühen Neunzigern mit einer Trennwand umgeben worden, die bis zu 40 Meter tief ins Erdreich ragt, damit kein Gift ins Grundwasser fließen kann. Später sei der Berg mit einer Folie und einer mineralischen Schicht abgedeckt worden, die Regenwasser abhalte. Ziel sei es, den Berg aus Trümmerschutt, Industrie- und Hausmüll auszutrocknen.

          Aufwendige Aufbereitung

          Das „Schadwasser“ aus dem Berg werde separat aufbereitet. Die Wasseraufbereitung sei einer der größten Kostenfaktoren. Das Regenwasser, das an der Außenhaut des Berges abperlt, fließe in den Scherbelino-Weiher. Zu Deponie-Zeiten diente er der Feuerwehr als Löschteich, die oft gegen Schwelbrände zu kämpfen hatte. Der Weiher werde heute mit Sauerstoff beatmet, um die Zersetzungsprozesse im See zu beschleunigen.

          „Da sind Enten“, ruft ein kleiner Junge. Andreas Malten vom Senckenberg-Institut präzisiert die Beobachtung des Nachwuchs-Biologen: Neben Stockenten und Kanada-Gänsen gebe es dort auch Zwergtaucher, Teichrohrsänger und Blesshühner. Fische gebe es indes noch keine. Ein älterer Herr mit Baseball-Kappe und Walking-Stöcken macht einen Vorschlag: „Den Offenbacher Problem-Wels könnte man da reinsetzen.“

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