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Mountainbiker im Taunus Waldboden erodiert, Wild wird gestört

 ·  Mountainbiker hinterlassen ihre Spuren im Taunus. Die Ausweisung geeigneter Strecken erweist sich als schwieriger Kompromiss.

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Die Masse macht’s. „Wir hätten gar nichts gegen ein paar Trails“, sagt Ralf Heitmann. Der englische Ausdruck für einen schmalen Pfad, den Mountainbiker für die rasante Abfahrt durch schwieriges Gelände nutzen, geht dem Leiter des Forstamts Königstein ohne Zögern über die Lippen. Nicht nur, weil er selbst seit langem auf geländegängigem Rad mit grobstolligen Reifen in der Natur unterwegs ist. Sondern auch, weil ihn die Folgen des beliebten Freizeitsports beruflich beschäftigen.

Großer Feldberg, Kleiner Feldberg, Altkönig, Fuchstanz, Staufen: Der attraktive Teil der Taunus-Südseite direkt am Ballungsraum wird vom Forstamt Königstein betreut, und ein großer Teil der 18 Millionen Besucher, die jährlich in das weitaus größere Gebiet des Naturparks Hochtaunus strömen, konzentriert sich hier. Mit geschnürtem Wanderschuh, im Auto, auf dem selbst an einem Wochentag nicht zu überhörenden Motorrad und eben quer durch den Wald auf dem Mountainbike.

Biker-Trail mäandert stark

Heitmann hält eine Karte des Gebiets rund um den Großen Feldberg hoch. Sie zeigt ein Gewirr von gelben und roten Linien. Es erinnert an ein Wollknäuel; der Forstamtsleiter spricht von einem „engmaschigen Spinnennetz“: Es sind die Strecken, die die Radfahrer nutzen. Wie so etwas aussieht, hat Heitmann gestern bei einem Ortstermin der hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) gezeigt: Der seit mehr als zehn Jahren befahrene „Feldberg-Trail“ zwischen Großem Feldberg und Fuchstanz ist als brauner, steil bergab führender Streifen sofort erkennbar.

Die Baumwurzeln sind von den Reifen blankpoliert, Kurven mit Steinen verstärkt, und an vielen Stellen sind eigens Sprungschanzen angelegt. Aber es bleibt nicht bei der schmalen Linie, viele Fahrer weichen aus. „An manchen Stellen mäandert der Trail auf bis zu 500 Meter Breite“, erläutert Heitmann.

Dass der ganze Taunuswald von solchen Strecken durchzogen ist, fördert nicht nur die Erosion: Das Wild, das in der Abenddämmerung aus der Deckung kommt, wird von Radsportlern beim Stressabbau nach der Arbeit verscheucht und knabbert deshalb an jungen Bäumen. An einer anderen Stelle oberhalb des Wasserwerks Falkenstein habe der Naturpark Hochtaunus einen früheren Wanderweg gesperrt, sagt Geschäftsführer Uwe Hartmann, um die abwechslungsreiche Umgebung aus alten und jungen Bäumen, Totholz und Lichtungen zu schützen.

Kontra Habitatkonzept

Die Reifenspuren sprechen eine andere Sprache. Petra Westphal, Sprecherin des Landesbetriebs Hessen-Forst, berichtet von den Einschränkungen, die sich die Förster bei der Bewirtschaftung bestimmter Waldstücke auferlegten, wenn dort ein einzelner Baum dem Schwarzspecht oder Schwarzstorch als Wohnraum diene. Doch ein solches „Habitatbaumkonzept“ sei müßig, wenn Mountainbiker direkt daran entlangrauschten.

Aber auch mit Menschen in der Eigenschaft als Wanderer oder Waldbesitzer geraten Mountainbiker in Konflikt. Dennoch ist den Forstfachleuten klar, dass Verbote nicht helfen. „Die Leute sollen ja in den Wald kommen“, sagt Heitmann. Deshalb gebe es Gespräche mit Verbänden wie der Deutschen Initiative Mountainbike (Dimb). Ziel sei es, geeignete Routen auszuweisen, also eine Positivliste statt Verbotsschilder aufzustellen. Doch es sei eine schwierige Abwägung zwischen Attraktivität der Strecke und dem Naturschutz, sagt der Forstamtsleiter. So hält er einen schmalen, ehemaligen Rückeweg für gut geeignet. Doch die Mountainbiker fahren lieber wenige Meter nebenan bergab. Rechtlich ist das Radfahren derzeit nur auf Wegen erlaubt. Puttrich zufolge soll eine Neufassung des Waldgesetzes noch vor der Sommerpause beraten werden. Sie werde auch Klauseln für bestimmte Sportarten enthalten.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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