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Veröffentlicht: 23.06.2013, 17:00 Uhr

Mögliches Büchner-Porträt Piratenberatung

Seit vor kurzem in Gießen eine Zeichnung gefunden worden ist, gibt es einen Streit darüber, ob sie wirklich Georg Büchner abbildet. Eine Darmstädter Gesprächsrunde ist sich zumindest über das Entstehungsjahr einig.

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© epd Gefunden auf einem Gießener Dachboden: Bleistiftzeichnung von August Hoffmann aus dem Jahr 1833

Eine Zeitmaschine und eine Kamera könnten helfen, so wie in Andrej Bitows Erzählung „Eine Puschkin-Fotografie“. Da Alexander Puschkin im Februar 1837 gestorben ist, neun Tage vor Georg Büchner und einige entscheidende Jahre vor der Durchsetzung fotografischer Techniken, schickt die Sowjetunion im Jahr 2099 einen Literaturwissenschaftler in die Vergangenheit, um herauszufinden, wie der russische Nationaldichter wirklich ausgesehen hat, jenseits von Ölbildern, Zeichnungen und gekritzelten Selbstporträts.

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Von Büchner, dem anderen Toten des Februars 1837, existiert kein Selbstbildnis. Dafür gibt es, seit der Germanist Günter Oesterle vor kurzem in Darmstadt die in einem Gießener Nachlass gefundene Bleistiftzeichnung eines jungen Mannes als Porträt des Dramatikers ins Spiel gebracht hat, einen handfesten Streit darüber, ob er wirklich so ausgesehen haben könnte, der literarische Neuerer und politische Revolutionär: so schön, so geschniegelt und so überraschend angetan von der französischen Opéra comique.

Büchner, ein singender Pirat?

Schließlich hält der Abgebildete die Noten zu einer Arie aus Ferdinand Hérolds Oper „Zampa oder Die Marmorbraut“ in der Hand. Wozu aber sollte der Theatermaler August Hoffmann, der das Gießener Bildnis signiert hat und das bekannteste Porträt des Autors zeichnete, das 1944 verbrannte und nur in fotografischen Reproduktionen erhalten blieb, Büchner als singenden Piraten dargestellt haben? Damit der Porträtierte sich seiner Verlobten Wilhelmine Jaeglé in Erinnerung bringen konnte, sagen die Anhänger des Porträts. Sie hat er 1833 in Straßburg zurückgelassen, weil er nach Darmstadt zurückmuss, wo Hérolds Freibeuteroper Ende des Jahres zum ersten Mal gegeben wird. Niemals, hielt Reinhard Pabst dem am Freitag auf der Darmstädter Mathildenhöhe entgegen. Trotz vieler literarischer Liebesspielereien im späteren Briefverkehr der Brautleute hätte Büchner sich gegenüber Jaeglé nie als Korsar inszeniert, der sich mit Liebschaften und Eroberungen brüstet, sagte er bei einem Expertengespräch zum Notenblatt-Bild.

Nach einem Blick auf Signatur und Datierung des Porträts sowie die zusammen mit ihm gefundenen Hoffmann-Zeichnungen scheint es nun allerdings einhellige Meinung aller Gesprächsteilnehmer zu sein, dass das Bildnis aus dem Jahr 1833 stammt. Kritiker hatten zunächst eingewandt, es könne auch 1839 entstanden sein. Da eine Darmstadt-Zeichnung Hoffmanns auf den Juni 1833 datiert ist, steht nun auch fest, dass der Maler und Büchner Zeit hatten, sich in Darmstadt zu begegnen. Beide waren seit dem Sommer in der Stadt.

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Beweise für die eine oder andere Seite gab es auch an diesem Abend nicht. Es bleibe dabei, sagte Burghard Dedner, Leiter der Marburger Büchner-Forschungsstelle: Handele es sich um ein Porträt Büchners, verändere es das Bild des Dichters. Einstweilen bleibe der Streit. „Es gibt Leute, die sehen es nicht, und es gibt Leute, die sehen es.“ Jetzt kann nur noch eine Zeitreise helfen.

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