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Mode für Fukushima : Gutes tun mit Stil

„Kiss your enemy“: Die Frankfurter Modehändlerin Lilo Zeh will mit ihren T-Shirts eine Botschaft verbreiten und Tsunami-Opfern helfen. Bild: Röth, Frank

Die Modehändlerin Lilo Zeh nutzt ihr Netzwerk, um Hilfsprojekte zu unterstützen. Zugunsten japanischer Tsunami-Opfer verkauft sie T-Shirts.

          Dass es dort so schlimm aussehen würde, hatte Lilo Zeh nicht gedacht, als sie in das Katastrophengebiet aufbrach, um den Lebensretter zu treffen. Fünf Monate nach dem Tsunami fuhr sie nach Japan, in die Region Fukushima. Links und rechts der Straße stapelten sich Schutt und Trümmer. Andernorts sah sie zwar blühende Landschaften, „aber alle Menschen waren geflohen“. Der Arzt, mit dem die Frankfurter Modehändlerin verabredet war, kümmert sich um jene, die in der Region bleiben mussten. Er versorgt sie in den Notlagern, besucht sie zu Hause oder in den Heimen, in denen sie leben.

          Christian Palm

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Durch einen Magazinbericht war Zeh auf den Mann aufmerksam geworden. Über die Autorin und Bekannte stellte sie den Kontakt her. Wenige Tage später fand sie sich in Japan wieder. Im Gepäck hatte sie einige T-Shirts mit ihrem Motto: „kiss your enemy“ - Küsse deinen Feind. Derart freundlich und fair sollten alle Menschen miteinander umgehen, findet Zeh. Mit ihrer Kampagne will sie dazu beitragen.

          Zeh will die Öko-Bilanz von Mode verbessern

          Dahinter steht ein Konzept, die T-Shirts, von denen sie schon mehrere hundert zugunsten der Tsunami-Opfer verkauft hat, sind nur ein kleiner Teil davon. Zehs Ziel ist es, nachhaltige Produkte zu vertreiben, von denen Arbeiter, Designer und Verkäufer leben können - und die die Kunden begeistern. Wie viele Rädchen dazu ineinandergreifen müssen, das hat die erfahrene Modeverkäuferin erst nach und nach gelernt.

          Seit sie 1975 ihren ersten Laden am Holzgraben eröffnete, verkauft Zeh an wechselnden Orten in der Innenstadt Designer-Mode. Derzeit betreibt sie eine Boutique am Opernplatz. Mit der Zeit ist ihr Geschäft komplizierter geworden. Die Leute sind nicht mehr auf eine fachkundige Händlerin angewiesen, um von den neuesten Trends zu erfahren. Das Internet hat dazu beigetragen, aber auch die Designer selbst, die ihre Mode in eigenen Läden vertreiben, stellen das Geschäftsmodell herkömmlicher Modeläden in Frage. Doch Zeh will nicht aufgeben. Derzeit ist sie zum Beispiel auf der Suche nach zertifizierter, ökologisch hergestellter Baumwolle, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen und etwas für die Öko-Bilanz der Kleidungsindustrie zu tun. Sie unterstützt zudem einen regionalen Bauernhof, der nach streng ökologischen Kriterien arbeitet.

          Handwerk, Mode, regenerative Energien und Landwirtschaft: am Ende hänge alles mit allem zusammen, meint Lilo Zeh. Sie möchte alles in Einklang bringen und sei es nur in kleinem Maßstab. Einige Frauen aus einem japanischen Fischerdorf unterstützt sie, indem sie hilft, deren Produkte zu vertreiben. Seit ihre Männer nicht mehr hinausfahren können, häkeln die Frauen kleine Fische aus Wolle, um sich ein paar Yen hinzuzuverdienen.

          Gutes tun statt konsumieren

          Aus derlei kleinen Initiativen speist sich Zehs Engagement. Sie nutzt ihr in Jahrzehnten gewachsenes Netzwerk, um Gutes zu tun. Ihre Lieferanten fragt sie, was sie beitragen können. Auf diese Art ist schon eine ansehnliche Kollektion an Kleidung, Stühlen und Schmuck zusammengekommen, die Zeh in ihrem Laden an prominenter Stelle zeigt. Bezahlbar sollen die Stücke sein, nicht zu teuer, nicht zu billig. Wer sie kauft, soll nicht nur konsumieren, sondern auch etwas Gutes tun. Für sich und andere.

          Informationen zu Lilo Zeh und ihre Kollektion finden sich im Internet unter der Adresse www.kissyourenemy.com.

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