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Mode aus Frankfurt Kleidung wie gebaut

 ·  Viele Wege führen in die Modewelt, es kann auch mal ein Umweg sein. Die junge Polin Natalia Grott-Mess und ihr Label „Grome Design“.

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Modedesign hat sie nie studiert. Sie behauptet, wenn auch mit einem Lächeln, sie habe Technisches nie so richtig „in den Kopf gekriegt“. Ihre Modelle strafen diese Worte Lügen - die Kleider von Natalia Grott-Mess sind regelrecht gebaut. Auch ihre inzwischen siebte Kollektion seit 2009 beeindruckt mit einer klar erkennbaren Struktur und der großen Begabung der jungen Polin, geometrische Elemente kunstvoll und unauffällig miteinander zu verknüpfen.

Natalia Grott-Mess wurde in Lubin geboren und lernte in ihrer Kindheit und Jugend das Leben vor allem in Kleinstädten kennen. Nach Lubin folgten noch Turek und Kolo, wo sie mit Mariusz Przybylski, der inzwischen auch ein bekannter polnischer Designer ist, das Gymnasium der Bildenden Künste besuchte und Abitur machte. Dann endlich eine Großstadt: Warschau. Wie so viele Modemacher vor ihr hat auch Grott-Mess als Kind ihren Barbiepuppen, und nicht nur denen, unermüdlich neue Kleider geschneidert. Und doch entschied sie sich zunächst für einen Berufsweg, der nichts mit Hosen und Röcken, Kleidern und Mänteln zu tun hat. Von 1998 bis 2003 studierte sie Innenarchitektur an der Warschauer Akademie der Schönen Künste. Mit einer Pause von einem Jahr, in dem sie sich an der Ecole nationale supérieure d’architecture de Paris la Villette allein der Architektur verschrieb. Von der Mode hatte sie aber schon während des Studiums nicht ganz die Finger lassen können; sie absolvierte Praktika bei Schneidereien in Remscheid und Lyon.

Mode statt Innenarchitektur

Praktizierende Innenarchitektin ist Grott-Mess dann keine Sekunde ihres Lebens gewesen. Ohne weitere Umschweife stieg sie nach dem Studium ins Modegeschäft ein. Sie bewarb sich bei keiner Geringeren als der polnischen Mo-deinstanz für Cocktailkleider, Abendroben und Brautkleider, der Modeschöpferin Teresa Rosati. Und Rosati, deren Mann Dariusz Rosati in den neuziger Jahren polnischer Außenminister war und von der sich noch heute die First Ladies des Landes bei festlichen Anlässen einkleiden lassen, erkannte ihre Begabung und nahm sie mit offenen Armen auf.

Natalia Grott-Mess blieb nicht lange. Schon nach einem Jahr wurde sie von der Firma Orsay abgeworben, wie Pimkie, Trois Suisses, Kiabi und Phildar eine Unternehmenstochter der französischen Holding Mulliez, die Breslau 2002 zur Zentrale für ihre erfolgreiche Expansion in den gesamten europäischen Osten gemacht hatte.

„Neues Leben, neue Liebe, neue Stadt“

Sie habe sehr gerne bei Orsay gearbeitet, sagt Grott-Mess, dennoch ging sie nach nur zwei Jahren, der Liebe wegen. Polen verließ sie gleich mit. Alles begann neu. „Neues Leben, neue Liebe, neue Stadt, neues Land, neue Sprache, dann die Kinder und das neue Label!“ Großes Glück also und ein radikaler Neuanfang, der Grott-Mess zunächst nach München und dann nach Frankfurt führte, wo sie jetzt mit ihrem Mann und zwei kleinen Söhnen lebt und arbeitet.

2009 wagte sie es, das Unternehmen „Grome Design“ zu gründen. Zwei Kollektionen entwirft sie im Jahr. Den Stücken sieht man im Gegensatz zu denen vieler anderer Designer heute sogar an, für welche Jahreszeiten sie gedacht sind. Die aktuelle Kollektion heißt „Active“ und ist die bislang sportlichste von Grott-Mess, wie geschaffen für athletische Zwecke: transparent, kurze Röcke, helle durchsichtige Blusen, viel Beige und Weiß, ein sonniger Genuss auch für die, die darin nur ein Eis essen wollen. Buntes findet sich in fast keiner Kollektion von Grome Design, nur im Frühjahr 2010 hat sich ein farbenfrohes Sommerkleid ins Bild verirrt. Aber auch hier die Formen streng, stilisierte Blüten in Blau, Lila, Ocker und Grün auf weißem Grund geometrisch domestiziert. Grott-Mess wählt farblichen Purismus auch, um den Frauen das Anlegen von Schmuck jeder Couleur zu ermöglichen.

Kleider für berufstätige Frauen in der Stadt

Ihre Zielgruppe, so formuliert sie es, sind berufstätige Frauen in der Stadt, die tagsüber viel arbeiten und abends gerne ausgehen. Doch dass auch Frauen, die sich bereits auf der falschen Seite von sechzig wiederfinden, ihre Mode mögen und kaufen, freut Grott-Mess ganz besonders. Bequem soll es ohnehin sein. Ihre Fans haben das längst begriffen und loben Grott-Mess’ Entwürfe als „gemütlich und schick zugleich“, eine Ansicht, die etwas untertrieben ist, wenn man die flexible Leichtigkeit von Grome Design genau betrachtet. Die Kundinnen können ständig in Bewegung sein, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen, welchen Eindruck sie gerade beim Betrachter hervorrufen. „Sie sollen sich nicht als Statuen fühlen“, wünscht Grott-Mess.

Von Modefotografen fühlte sie sich bislang nicht völlig verstanden. Deshalb fotografiert sie ihre Kollektionen zur Zeit lieber selbst, hofft aber immer noch auf den Fotografen mit dem richtigen Blick. Auf ihrer Facebookseite findet sich aber schon eine hübsche Spielerei des Workshops Fotografie des Caspar-David-Friedrich-Instituts der Universität Greifswald. Das Motto „Vögel“ für Grott-Mess’ neueste Kollektion, die sie Ende April bei der Fashion Week in Lodz vorstellen wird, haben die Greifswalder Studenten witzig umgesetzt, die Haare des Models zur Sturmfrisur verweht oder ein anderes Mädchen auf einer Leiter positioniert, als wolle es gleich abheben wie ein aufgeplusterter Condor.

Namen als roter Faden für die Kollektion

In der ersten Phase, wenn sie ihre Stücke skizziert, sind der Designerin die Namen für ihre Kollektion wichtig, als roter Faden. Solange sie keinen Namen gefunden habe, sagt sie, gingen die Ideen mit ihr durch, und solches Chaos meide sie lieber. Ihre jüngste Winterkollektion nannte sie „Les demoiselles d’Avignon“ im Anklang an Pablo Picassos Gemälde und kubistische Formen, doch bei der Präsentation der Kleider spielte das keine Rolle mehr. Wie alle Designer ist sie besonders glücklich dann, wenn Kundinnen zu verstehen geben, dass sie die extravaganten Entwürfe zwar mögen, aber eigentlich für untragbar halten. Und dann doch hineinschlüpfen und, meistens, begeistert sind. Sogar und ausgerechnet von der eigenen Silhouette. Grott-Mess hat damit gerechnet. „Große Taschen machen schlanke Taillen.“ Das hat die Architektin schon immer gewusst.

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Von Matthias Alexander

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