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Mitmachpartei Im Netz der Piraten

Was wollen sie? Wofür stehen sie? Wie diskutieren sie? Die Piraten sehen sich als „Mitmachpartei“. Unser Autor hat einige Mitglieder real getroffen und ist in Chatrooms und Mailinglisten des hessischen Landesverbands getaucht. Das Protokoll einer schwierigen Expedition.

© dapd Vergrößern Die Piraten auf der Suche nach mehr Inhalt.

Eine schicke Bar in der Nähe der Konstablerwache. Das Glas Apfelwein kostet 3,80 Euro, von der Decke hängt ein Kronleuchter, und an der Fensterfront zur Straße stehen dunkle, schwere Ledersofas im Rechteck. Ein Mann, vielleicht 45, blickt in die Runde: „Ist die Sitzung denn schon eröffnet?“, fragt er. „Hier wird nichts eröffnet - hier kann jeder sagen und machen, was er will“, antwortet ihm ein anderer.

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Einmal in der Woche, jeden Montag, treffen sich die Frankfurter Piraten zu ihrem Stammtisch. Auf einer analogen Insel im Meer ihrer digitalen Kommunikation. Die Treffen sind offen für alle Interessierte. Man muss kein Mitglied sein, um teilzunehmen.

Akademiker, Selbständige und Anzugträger

Überraschend viele Ältere sind gekommen an diesem Abend, Akademiker zwischen 40 und 60, Selbständige, einige im Anzug, alle haben einen Arbeitsplatz: „Ich bin mit den etablierten Parteien unzufrieden. CDU und FDP haben doch immer nur viel versprochen und am Ende nichts davon gehalten“, sagt einer. Und so oder so ähnlich äußern sich auch die meisten anderen. Am häufigsten fällt in dieser Runde in der Bar das Wort „Transparenz“, gefolgt von den Begriffen „Bürgerbeteiligung“, „Enttäuschung“ und „Vertrauen“.

Er sei bereit, sich bei den Piraten zu engagieren, sagt ein Mann in den Fünfzigern, erst vor einer Woche habe er sich angemeldet: „Ich habe mich durch eure Internetseiten geklickt, aber ehrlich gesagt, bin ich aus denen überhaupt nicht schlau geworden.“

Im Webchat der Piraten Hessen

Sonntag, 18.18 - deBaernd: mein körper requestiert was zu fuddern

18.18 - pyth: mein Körper requestiert Bier in großen Maßen

18.18 - hessenalarm: habe den Eindruck, die Piratenpartei ist noch nicht zur vollen Entwicklung gereift, die sie haben könnte und ich mag es ungern sehen, dass sie wieder verschwindet

18.19 - pbnoxious: ich hab die Hoffnung dass die Piratenpartei nie zur vollen Entwicklung reift

18.22 - pyth: ich habe 15 h geschlafen, und ich glaube das brauchte ich mal dringend

Vielleicht war der Mann vom Stammtisch - jener, der das Piraten-Netz noch nicht so recht durchschaute - ja zuallererst hier im Webchat gelandet. Fünf Tage Chat, 24 Stunden am Tag, das sind ausgedruckt 53 Seiten DinA-4-Papier. Um Politik geht es nur am Rande, um regionale Themen eigentlich überhaupt nicht. Ein bisschen Nazi-Debatte, ein bisschen Staatsbürgerschaftsrecht, hier und da ein bisschen Bildungspolitik, nur organisatorische Fragen werden häufiger besprochen: Wie komme ich zum Bundesparteitag nach Neumünster und wie ist das mit der Internetverbindung in der Parteitagshalle?

Motivationsprobleme, Smartphones und das Fernsehprogramm

Um die 50 Gäste äußern sich jeden Tag, davon sind vor allem zehn bis fünfzehn Pseudonyme besonders präsent, tauschen sich aus über Motivationsprobleme an der Uni, Smartphones - oder das aktuelle Fernsehprogramm.

Mittwoch, 23.54 protter: kiekste lanz?

23.54 andyhesse: joa

23.55 andyhesse: das war nen schwacher spruch von der leutheuser

23.55 protter: schnarre is halt auch nur eine etablierte

23.55 PhaidrosDA: was spruch sie denn?

23.55 andyhesse: partei ohne Programm

23.56 PhaidrosDA: laaaaaaaaangweilig

23.56 andyhesse: ich merk immer wieder, wie hilflos die etablierten uns gegenüber sind

23.56 andyhesse: die haben null dagegenzusetzen

23.56 PhaidrosDA: natürlich

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