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Weltreise auf dem E-Bike : Grenzgänger in einsamer Mission

  • -Aktualisiert am

Auszeit in Frankfurt: Robert Mohr hat auf seinem Elektrorad viel von der Welt gesehen. Bild: Freddy Langer

Mit einem E-Bike um die Welt: Der Abenteurer Robert Mohr hat es gewagt. Bei seiner Zwischenstation in Frankfurt berichtet er über eine Reise, die alle Rekorde bricht.

          Seit dreieinhalb Monaten macht Robert Mohr überall nur Zwischenstation. Ein paar Stunden hier, eine Nacht dort. Seine Habseligkeiten passen in zwei am Hinterrad befestigte Taschen, sein am Lenker befestigtes Handy navigiert ihn durch die Welt. Buchstäblich. Denn als Mohr Frankfurt erreicht, hat er schon 14 058 Kilometer radelnd bewältigt. Braungebrannt, mit Staub an Hemd und kurzer Hose, kommt die so vertraute Skyline in sein Blickfeld. Auch die Großstadt am Main, in der der Einundvierzigjährige einst Geographie studiert und auch seinen ersten Job angenommen hat, ist nur eine Zwischenstation auf seinem Weg ins heimische München.

          Einmal um die Welt mit einem E-Bike – das ist Mohrs Ziel und ein bisschen auch seine Mission. Der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde soll der Lohn sein für die Strapazen, ein wenig Aufmerksamkeit für die Leistungsfähigkeit der zweirädrigen Elektromobilität die Begleiterscheinung. „Es ist auch ein einsamer Rekord“, erzählt Mohr mit Blick auf Tausende Kilometer entlang irgendwelcher russischen Überlandstraßen, amerikanischen Freeways und verstopften chinesischen Fernstraßen. Sein Trip war nicht touristisch motiviert, sondern ökologisch.

          Grenzgang um den Globus

          Es ging dem Bayern nicht um eine möglichst schöne Route, sondern um umweltfreundliches und schnelles Vorankommen. Ein besonderer Moment sei für ihn gewesen, als der Kilometerzähler von 12 379 auf 12 380 umgesprungen sei und er die alte Bestmarke im Guinness-Buch verbessert hatte. Es war östlich von Houston. „Es passte zu dieser Reise, dass es im einsamen Dahinrollen mitten im Niemandsland passierte“, sagt Mohr. „In einem Land, in dem sich niemand für Elektromobilität interessiert.“

          Am 16. Mai ist Mohr in Oslo gestartet, am Stammsitz des Radherstellers Buddy Bike, der dem gebürtigen Ulmer ein E-Bike zur Verfügung stellte. 45 Kilogramm wiegt das Rad samt Gepäck und insgesamt drei Batterien, die ihm Tagestouren von bis zu 300 Kilometern ermöglichten. Als Mohr, ein erfahrener Weltreisender, den allerersten Streckenabschnitt von Oslo aus im strömenden Regen nach 20 Kilometer abbrach, mag der norwegische Sponsor stark an dem deutschen Pedaleur gezweifelt haben. Das legte sich aber, als Mohr schon zwei Tage später aus Stockholm anrief.

          Viermal benötigte Mohr auf seiner Reise öffentliche Verkehrsmittel: eine Fähre von Schweden nach Lettland, einen Flug von Schanghai nach Los Angeles, einen Flug von Orlando nach London sowie eine Fähre über den Ärmelkanal. Mohr ist nicht der Typ, der überall auf seiner Reise mit Einheimischen ins Gespräch kommt. Er nutzt die Radtour seines Lebens eher für die innere Einkehr, als persönlichen Grenzgang rund um den Globus. Auf der Strecke durch Russland kannte er ein paar tausend Kilometer schon aus leicht anderer Perspektive. Anfang der neunziger Jahre unternahm Mohr schon einmal eine elektrisch angetriebene Weltumrundung: mit dem kleinen Elektroauto „Kewet“.

          Mit Jetski über den Atlantik

          30 000 Kilometer zockelte Mohr damals mit Tempo 40 um die Welt. In der Mongolei fragte sich Mohr auf seiner aktuellen Reise häufig, wie ihm gerade geschieht. Über Tage wirkte der Rückenwind so anschiebend, dass er durch die mongolische Steppe buchstäblich flog. Während die mongolischen 40 Grad trocken und angenehm waren, setzte ihm die chinesische 40-Grad-Hitze kombiniert mit nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit zu. Da habe er sich manchmal nach der russischen Kälte zurückgesehnt. Auch in den heißen amerikanischen Südstaaten war Mohr froh, dass er in Schnellrestaurants am Straßenrand für einen Dollar auch drei Liter trinken konnte.

          „Schulter und Nacken haben sich an die Belastungen gewöhnt, der Hintern nicht“, sagt der Weitgereiste, der im heimischen München unter anderem als Fremdenführer arbeitet, standesgemäß als „Bike-Guide“. 7000 Euro hat ihn der Abenteuertrip gekostet. Nach der Zwischenstation Frankfurt wollte er es am Abend noch bis Aschaffenburg schaffen. Dann ist Bayern erreicht und München nicht mehr allzu fern. Und was kommt als Nächstes? Mohr beschäftigt sich schon ewig mit der Möglichkeit, den Atlantik auf einem Jetski zu überqueren. „Das hat noch niemand gemacht“, sagt er. „Was mich sehr wundert.“

          Quelle: F.A.Z.

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