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Beuths Reime über Flüchtlinge : Ministerielle Knittelverse

Nach eigenwilligen Reimen in der Bütt nun in der Kritik: Peter Beuth Bild: dpa

Hessens Innenminister Beuth (CDU) hat für einen Auftritt in der Bütt etwas über Flüchtlinge und ihr Alter gereimt. Nun ist er in den Fängen der Fastnachtspolizei.

          Das ist eben das Schöne in der parlamentarischen Demokratie, dass die Opposition nicht einfach unwillkommen ist wie in der Diktatur, sondern ihr wichtige Aufgaben zugewiesen werden, die Kontrolle der Regierenden und manche Spezialaufgaben, zur Zeit etwa: die der Fastnachtspolizei. In dieser Aufgabe jedenfalls übten sich der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im hessischen Landtag, Günter Rudolph, und die Vorsitzende der Linken-Fraktion Janine Wissler, als sie mit wichtiger Miene und in schärfster Weise eine Büttenrede des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) geißelten. Satire dürfe viel, aber bei weitem nicht alles, meinte Rudolph, grauenhaft sei der Auftritt des Ministers am Samstag in Taunusstein gewesen, urteilte Wissler dpa zufolge.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Was war Schlimmes passiert, das die Kommissare der fünften Jahreszeit dermaßen aufschrecken ließ? Beuth hatte in seiner Büttenrede diese etwas holprigen Verse untergebracht, wie man im Internet auf einem Video sehen kann: „Vor dem Flüchtlingsverwalter/verschleiert mancher gern sein Alter/Das stellt unseren Staat fast bloß/macht Bürger ganz verständnislos. /Manch Flüchtling in ’nem Jugendheim /könnt’ fast eher Rentner sein.“

          Aufregung über „Mohren-Apotheke“

          Ja, so ist sie halt, die Fastnacht, da müht sich einer, der womöglich ganz gut ein Ministerium führen kann, auf fremdem Terrain mit einer Büttenrede ab, freut sich redlich, dass es für seine mittellustigen Knittelverse Lacher und einen Tusch gab. Aber ist er jetzt ein Fall für die Fastnachtspolizei der hessischen Opposition? Hat er tatsächlich auf die Schwächsten der Gesellschaft gezielt, wie Rudolph meint, ja sogar die Grenzen der Satire überschritten? Muss Frau Wissler entsetzt sein, wie sie sagt?

          Wenn es nicht alles so traurig wäre, die Rede, die Gegenrede, dann könnte man über den ganzen Streit lachen, der kurzzeitig vom Zaun brach. Der Fastnachtspolizei aber seien nächtliche Kontrollfahrten zu ganz anderen Sitzungen zu gönnen, wo wirklich geholzt wird; gibt es eigentlich noch Herrensitzungen, und wie geht es dort zu?

          Dem Minister wiederum sei ein Seminar in einer Büttenrednerschule empfohlen, und allen Hessen ist zu ein paar Tagen im Abklingbecken zu raten. Erst die Aufregung über „Mohren-Apotheke“, jetzt über eine unlustige Büttenrede, morgen womöglich darüber, dass es immer noch Rhein„gau“ (!) heißt und „Führer“-schein (!!), und wie lange darf man eigentlich noch „Mohr“rübe (!!!) sagen? Das zehrt schon sehr an den Kräften.

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