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Milieuschutz : Der Kampf um Wingertstraße 21

Protest am Bau: Der neue Eigentümer will das Wohnhaus an der Winderststraße sanieren, aufstocken und weiterverkaufen. Die Mieter wollen nicht ausziehen. Bild: Frank Röth

Alles hat zwei Seiten, so auch die Geschichte vom Streit um ein Wohnhaus im Frankfurter Ostend. Die Mieter wehren sich gegen die Umwandlung. Der Milieuschutz kommt für sie zu spät - wenn er überhaupt geholfen hätte.

          Er kann gut reden, spricht sachlich, mit ruhiger Stimme. Nur ganz am Ende, als Thomas Heinzelmann-Ekoos schon fertig ist und viele Zuhörer betreten schweigen, fließen kurz Tränen. Seine Frau rechts neben ihm berührt kurz seinen Arm, links sitzen seine beiden Töchter. „Es fällt mir nicht leicht, ohne Emotionen zu sprechen.“ Heinzelmann-Ekoos ergreift in der Bürgerfragestunde im Planungsausschuss das Wort. Es geht um die Milieuschutzsatzungen, mit denen die Stadt die Aufwertung der Gründerzeitviertel eindämmen will. Heinzelmann-Ekoos schildert seinen Fall, als direkt von Gentrifizierung betroffener Mieter, wie er sagt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Heinzelmann-Ekoos wohnt in der Wingertstraße 21. Ein Mietshaus, erbaut 1961, im Ostend nahe dem Sandweg gelegen. Früher gehörte es der Familie Ried, doch dann konnte sich die Erbengemeinschaft nicht einigen und verkaufte das Wohnhaus an die Rohleder & Paz GbR. 2013 war das. Seither ist für die Hausgemeinschaft nichts mehr, wie es einmal war. Die neuen Eigentümer wollen das Haus aufstocken und sanieren. Im Erdgeschoss soll es einen Anbau geben, oben kommen zwei Dachgeschosswohnungen drauf, hinten ist ein Aufzug geplant. Eine Baugenehmigung liegt vor. Der neue Eigentümer hat das Haus schon mehrfach inseriert. Als „Aufteilerobjekt in Bestlage“ und unter dem Slogan „Zeit zum Durchsanieren!“. Für 2,9 Millionen Euro. Bisher sucht er vergeblich einen Käufer, denn die Mieter wollen nicht ausziehen. Auf den Balkonen stehen Schilder: „Wir bleiben“. Zehn Parteien wohnten einmal hier, sechs sind noch übrig. Zwei sind ausgezogen.

          Angst vor „kalter Entmietung“

          Ein Passant bleibt stehen und betrachtet die Schilder. Die Situation sei nicht so einfach, sagt er. Man müsse auch modernisieren können. Aber nicht so wie hier. „Sondern mit Augenmaß“, sagt er.

          Heinzelmann-Ekoos kann den Eigentümer sogar verstehen. Der habe das Haus über Wert gekauft, um es zu sanieren und in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Um keinen Verlust zu machen, müsse er „die Braut schmücken“, wie Heinzelmann-Ekoos es nennt. „Unsere Investoren sind Umwandler und Weiterverkäufer. Das Problem für sie: Es gibt einen formierten Widerstand.“ Die Bewohner der Wingertstraße 21 haben einen Hausverein gegründet. Sie wollen das Haus erwerben und haben dem Eigentümer angeblich ein Angebot gemacht. Über zwei Millionen Euro. Der Verkehrswert liege bei 1,5 Millionen, schätzt Heinzelmann-Ekoos. „Wir suchen finanzielle Partner, die uns unterstützen.“

          Freiwillig wollen die Mieter nicht ausziehen. „Für uns ist das nicht nur Mietraum, sondern auch Lebensraum.“ Wenn sie jetzt ihre Wohnung verlören, fänden sie im Stadtteil keine bezahlbare Bleibe. Heinzelmann-Ekoos hat Angst vor „kalter Entmietung“. Schon jetzt gebe es Schikanen, „von gefällten Bäumen bis zur ausgehebelten Kellertür“. In zwei Wohnungen seien Mieter aus Südosteuropa einquartiert, die laut und unordentlich seien. Sie kochten auf dem Balkon, rauchten im Keller und verdreckten das Treppenhaus. Sie seien „bedauernswerte Geschöpfe“, der Eigentümer spekuliere mit dem „rassistischen Klischee“. Hinter dem Haus türmen sich Müllsäcke. Im Keller wurde die mächtige Trockenmangel umgeworfen, die eine achtzigjährige Mitbewohnerin regelmäßig nutzt. „So etwas geschieht nicht aus Versehen.“ Der Eigentümer übe Druck aus, um sie zum Auszug zu bewegen. Vier Kündigungen habe er schon ausgesprochen, aus wirtschaftlichen Gründen. Mit dem Argument, dass das Haus derzeit nicht verwertbar sei, denn mit den Mieteinnahmen könne er den Bankkredit nicht bedienen. „Und die Krönung ist: Unter der Kündigung steht, die Stadt Frankfurt unterstützt das Projekt.“

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