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Michael Quast Mein Geld, mein Gold, du hast es gut bei mir

 ·  Michael Quast überzeugt bei „Barock am Main“ in „Der Geizige“ von Molière.

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Niemand liebt ihn, den Herrn Krall. Verschrien ist er als Frankfurts größter Groschepetzer, Erbsenzähler, als Krämerseele, die nichts abgibt, nicht einmal den Löffel. Sein Sohn verachtet ihn, seine Tochter ebenso, Marianne, die ihm als Braut und gute Partie zugeschoben werden soll, verabscheut den Rüpel, sein Diener, sein Hausverwalter sowie sein Koch und Kutscher in sparversessener Personalunion, sie alle haben guten Grund, ihm, wenn nicht nach dem Leben, dann zumindest nach dem Geld zu trachten. Krall selbst ficht die Ablehnung nicht an. Er misstraut jedem. Besonders seinen „missratenen“ Kindern, der „verweichlichten Bagage“, die ihm schon viel zu lange auf dem „Säckel“ liegt, aber auch den „krachenden“ Banken, weshalb er seine 10000 Dukaten lieber im Garten „verstickelt“ hat. Krall kennt eine einzige Liebe, die zu seinem Geld, seiner „Goldischkeit“. Zärtlich umarmt, liebkost und drückt er sein Dukaten-Schatzkästlein: „Wir bleiben beieinander. Du hast es gut bei mir.“

„Der Geizige“ von Molière, der seine Uraufführung 1668 hatte, ist nun in der hessischen Bearbeitung von Rainer Dachselt mit Michael Quast als Krall bei „Barock am Main“ ein wahrer Menschenfeind, der auch das Publikum nicht schont. Als es, einem Naturgesetz gleich, zum Raub des Geldes und damit auch zum Raub von Kralls Macht kommt („Ich bin verloren, mit einem Wort: bestohlen“), da fordert er auch gleich für alle der Komödie beiwohnenden Betrachter „Folter, Kopf ab und 500 Jahre Gefängnis“.

Hohe Schauspielkunst

Quasts „Geiziger“ inszeniert sich als arme Kirchenmaus. So streift er sich einen schäbigen grauen, in die Jahre gekommenen Tagesrock über und schnürt sein Hemdkleid mit einem Gürtel, an dem ein Geldsäckel befestigt ist, so dass sein Träger spürbar beruhigt dem Tagwerk nachgehen kann. Er belügt und betrügt, treibt als raffgieriger Kreditgeber beim eigenen Sohn Wucherzinsen ein und glaubt, nicht erkannt zu werden, wenn er sich stümperhaft mit einer dem Pantalone aus der Commedia dell’Arte nachempfundenen Vogelschnabelmaske tarnt. Er schreit und schlägt seine Bediensteten, er rotzt und spuckt. „Trockener Husten“, erklärt er der Damenwelt und sperrt weit den Mund auf. Mit schwarzer Brille dekoriert, stolziert er stolz wie ein Pfau daher, wedelt mit dem Rockschweif und stiert seiner potentiell Zukünftigen über die Schulter in den Ausschnitt, rotzt ihr seinen trockenen Husten mitten ins Gesicht und wundert sich: „Meine Braut ist nicht euphorisch“, ein „zimperliches Grasäffche“. Er leckt sich die Lippen und krallt die Finger in Vorfreude, wenn vom Geld die Rede ist. Aber eine Eigenart vereint ihn doch mit seinen Kindern - der Hang zu einem unerträglichen Selbstmitleid. Er klagt und jammert „Eijeijeijei“, streckt die Hände gen Himmel und beweint sich angesichts des Diebstahls.

Es war große Schauspielkunst, die Michael Quast bei der ausverkauften Premiere des Stückes bot, präzise, hoch konzentriert in der Intonation und im Einsatz von Mimik und Gestik. Spontan griff er die Reaktionen des ausgelassen klatschenden Publikums auf, das Platz gefunden hatte auf den 498 Sitzen im Garten des Höchster Bolongaropalasts. Das Ensemble von „Barock am Main“, darunter Philipp Hunscha als Kralls Sohn, Katerina Zemankova als seine Tochter, Matthias Scheuring als Diener und Alexander J. Beck als Koch und Kutscher, ehrte das Volkstheater durch groteske Verfremdung und Überzeichnung der Figuren.

Die zurückhaltenden Lichteffekte und die sparsame Bühnenausstattung ließen die Konzentration ganz auf das Spiel der Akteure zu. Hier gab es zum Schluss noch einen Paukenschlag. Den lieferte Hans-Joachim Heist, bei der „Heute-Show“ im Fernsehen der cholerische Kommentator Gernot Hassknecht. Er mimt den Kommissar, der den Dieb dingfest machen soll und in Dachselts Fassung à la Columbo sagt: „Ich hätt’ da noch eine Frage.“ Wie Quast in seiner Wendung an das Publikum greift Heist in seinem Spiel die Durchbrechung der Fiktion auf, die bei ihm in eine Abrechnung mit den „Schmierenkomödianten“ mündet. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

„Der Geizige“ ist bis zum 2.September täglich von 20 Uhr an, sonntags von 17 Uhr an, im Höchster Bolongaropalast zu sehen. Spielfreie Tage sind der 13., 18., 19., 20. und 27.August.

Quelle: F.A.Z.
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Von Matthias Alexander

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