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Magnus Gäfgen : Wohl keine schnelle Bewährung für Metzler-Mörder

Wartestand: Strafrechtler Vetter sieht keine Chance auf rasche Bewährung für Mörder Magnus Gäfgen, der mittlerweile anders heißt. Bild: dpa

Der Entführer und Mörder des kleinen Jakob von Metzler wurde vor rund 14 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Jetzt will er auf Bewährung frei kommen. Einen Antrag hat er schon gestellt.

          14 Jahre und zwölf Tage ist es her, dass Magnus Gäfgen wegen der Entführung und Ermordung des Bankierssohns Jakob von Metzler zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde; in Haft (zunächst Untersuchungshaft) befindet er sich schon seit fast 15 Jahren. Üblicherweise haben Straftäter nach Ablauf dieser Zeitspanne einen Anspruch darauf, dass gerichtlich überprüft wird, ob sie noch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen oder wieder in diese entlassen werden können. Diesen Hoffnungsschimmer zu gewähren gebietet nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts die Menschenwürde.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Etwas anders stehen die Dinge im Fall Gäfgen. Die von langer Hand geplante Tat war von herausstechender Grausamkeit. Gäfgen ließ den Elfjährigen über mehrere Minuten qualvoll ersticken und seine Eltern tagelang in schrecklicher Ungewissheit, um von ihnen eine Million Euro zur Finanzierung seines pompösen und auf einem Lügengerüst errichteten Lebensstils zu erpressen. Das veranlasste das Landgericht Frankfurt seinerzeit, die besondere Schwere der Schuld festzustellen.

          Baldige Haftaussetzung unwahrscheinlich

          Zwar steht dem Verurteilten auch in solchen Fällen die Möglichkeit offen, eine Haftaussetzung zu beantragen, wie Gäfgen es unlängst getan hat. Zunächst und unabhängig davon, ob er noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, entscheidet das Gericht jedoch, ob die besondere Schwere der Schuld ein Andauern der Haft über die obligatorischen 15 Jahre hinaus gebietet. Hierüber will das Landgericht Kassel noch in diesem Jahr befinden.

          Dass es eine baldige Haftaussetzung in Betracht ziehen wird, muss als unwahrscheinlich gelten. Zwar arbeitet Gäfgen, der seinen Nachnamen inzwischen geändert hat, seit Jahren öffentlichkeitswirksam an seiner Rehabilitierung, unter anderem durch sein Buch „Allein mit Gott – Der Weg zurück“ und dem Versuch, eine Opferhilfestiftung zu gründen. Die Abgründigkeit seiner Tat dürfte eine Entlassung nach dem Minimum von 15 Jahren gleichwohl verbieten.

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