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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Merck Anhaltendes Schweigen zu Sparplänen

 ·  Merck hat mit Arzneien und Spezialchemikalien erstmals mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Mit Zahlen zu der geplanten Kostensenkung hält sich der Vorstand aber weiter zurück.

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Karl-Ludwig Kley lässt sich nicht locken. Auch auf mehrfache Nachfrage hin bleibt der Konzernchef von Merck bei seiner Linie: „Wir werden keine Zahlen nennen“ - weder zu den Kosten des geplanten Kostensenkungsprogramms, durch das Merck wirtschaftlicher werden soll, noch zu Zielen des damit verbundenen Stellenabbaus. Mithin werden die gut 40600 Mitarbeiter des Herstellers von Arzneien und Spezialchemikalien wie Flüssigkristallen für Flachbildschirme weiter mit Unsicherheit leben müssen. Von seiner Linie einstweilen nicht abzuweichen, ist für Kley aber „richtig und anständig“, wie er hervorhebt. Denn bevor Merck mit Zahlen an die Öffentlichkeit gehe, gelte es, mit den Arbeitnehmervertretern der Konzernstandorte auf der Welt zu verhandeln, sagt er in der Fragerunde nach der Vorlage der Bilanz für 2011.

Eines immerhin scheint sicher: Der Erhalt der Einheit des Konzerns, den der Darmstädter Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (BCE), Jürgen Glaser, eingefordert hat, steht nicht zur Debatte: „Gehen Sie davon aus: Was immer sein wird - wir werden immer breit aufgestellt sein“, sagt Kley auf Nachfrage. Dazu gehörten aus heutiger Sicht Pharma und Chemie. „Glauben Sie, wir verkaufen unser Flüssigkristallgeschäft?“, fragt er mit einem vielsagenden Lächeln zurück. Anders gesagt: Auch wenn die in Laboren in Darmstadt entwickelten Flüssigkristalle unter Preisdruck stehen, sind sie fester Bestandteil der Produktpalette. Zumal die Gewinnspannen als sehr einträglich gelten: Mehr als 40 Prozent Marge erzielt der Familienkonzern mit diesen Spezialchemikalien - mehr als mit Arzneien, was ungewöhnlich ist.

Flüssigkristalle weiterhin wichtig

Mit diesen Produkten hat Merck 2011 den Umsatz um 8,5 Prozent auf fast 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht beinahe einem Zehntel der Gesamterlöse von 10,3 Milliarden Euro, dem neuen Rekordwert. Trotz eines Umsatzzuwachses von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist der Gewinn um 2,3 Prozent auf 617,5 Millionen Euro gesunken (siehe auch Seite 13).

Die Flüssigkristalle, die das Bild von Fernsehgeräten und Mobiltelefonen scharf machen, „werden auf absehbare Zeit“ die dominierende Technologie auf diesem Gebiet bleiben, wie Kley meint. Darauf deuteten schon die Investitionen von Merck-Kunden hin. Der Vorstand gehe aber davon aus, dass die Flüssigkristalle vermehrt durch eine andere Technologie ersetzt würden. „Auf den Messen sehen wir jetzt schon vereinzelt Fernsehgeräte mit anderer Technik“, hatte Kley vor einigen Tagen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt. Gemeint hatte er mit dieser Aussage organische Leuchtdioden. Wann der Wettbewerb durch diese Oled genannte Technologie deutlich spürbar werde, dazu will Kley keine Vorhersage wagen. Klar ist aber: Die Darmstädter mischen auch auf diesem Gebiet kräftig mit. Wie aus dem druckfrischen Geschäftsbericht hervorgeht, baut Merck seine Position auf diesem Markt in Südkorea aus und hat am Standort Poseung im Herbst vergangenen Jahres ein Entwicklungslabor für Anwendungen von Oleds eröffnet. Nicht zuletzt forscht der Konzern am Stammsitz mit organischen Leuchtdioden.

Fachkräftemangel ist Thema

Dort hat Merck binnen Jahresfrist abermals die Belegschaft vergrößert. 9164 Mitarbeiter zählte der Konzern in Darmstadt nach 8800 Ende 2010. Hinzu kamen 524 Auszubildende. In Gernsheim waren Ende Dezember 903 Frauen und Männer angestellt. In ganz Deutschland kommt das Unternehmen auf 10900 Kräfte einschließlich Lehrlingen, das sind laut Geschäftsbericht 560 mehr als vor Jahresfrist. Ein Gutteil des Zuwachses entfällt demnach auf das von der Biotest AG in Dreieich im Mai vergangenen Jahres erworbene Geschäft mit Diagnosemitteln. Kley ist nach seinen Worten angetan von der Integration dieses Zukaufs in das Unternehmen. „Wir sind sehr froh, dieses Geschäft zu haben.“ Weitere Unternehmen oder Geschäfte zu kaufen steht derzeit nicht oben auf der Prioritätenliste, ebenso wenig sucht Kley einen Partner für das Geschäft mit frei verkäuflichen Arzneimitteln, wie er sagt. Wichtigstes Anliegen werde dieses Jahr sein, den Konzern auf mehr Effizienz zu trimmen.

Obwohl diesem Vorhaben eben auch Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden, setzt sich das Unternehmen mit dem Fachkräftemangel auseinander. Einerseits sieht Merck sich zwar in der Rolle eines hochattraktiven Arbeitgebers - doch bemerkt das Unternehmen auch eine Talfahrt der Bewerberzahlen. Kley: „Früher hatten wir im Jahr mehr als 5000 Bewerber für Ausbildungsplätze, jetzt sind es deutlich weniger als 5000.“ Der Fachkräftemangel sei zwar „ein europäisches Problem“ und Folge der Tatsache, dass die auf den Arbeitsmarkt kommenden Jahrgänge kleiner würden, gleichwohl will der Konzern weltweit mit „integrierten Programmen“ dafür sorgen, auch in Zukunft noch genügend Talente für seine über 67 Länder verteilten Standorte zu bekommen. In Deutschland stelle sich Merck etwa an Schulen wie in Hochschulen vor und frage die Mitarbeiter, was der Arbeitgeber alles besser machen könne.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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