http://www.faz.net/-gzg-75tp5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.01.2013, 19:53 Uhr

Mercedes-Nutzfahrzeugezentrum Schneller fertig und günstiger gebaut als geplant

Mercedes-Benz bündelt in Frankfurt sein Angebot für Nutzfahrzeugkunden aus der Region. Das Zentrum sei das modernste in Europa, heißt es.

von
© Rosenkranz, Henner Tragfähig: Die Laster können zum Service in die neue Werkstatt rollen.

Die Lastwagenbranche spürt konjunkturelle Bremsspuren. Die schwache Nachfrage in Europa macht den Unternehmen zu schaffen. So lässt der Laster- und Dieselmotorenbauer MAN an zwei Standorten kurzarbeiten - und Daimler hatte zuvor im Werk in Wörth in der Pfalz, dem größten seiner Art in Europa, mehrere Produktionstage gestrichen. Auf dem Markt herrsche „nicht gerade Goldgräberstimmung“, wie Daimler-Vorstand Andreas Renschler es formuliert. Aber solche Nachrichten verblassen an einem Tag wie diesem: Im Norden Frankfurts hat Mercedes-Benz sein modernstes Nutzfahrzeugzentrum in Europa eröffnet, wie es heißt. Auf 43000 Quadratmetern biete die Niederlassung Frankfurt/Offenbach nach knapp zehn Monaten Bauzeit fortan im Gewerbegebiet Am Martinszehnten seinen Kunden das gesamte Leistungsspektrum und Werkstatttechnik für Lastwagen, Busse und Transporter der Daimler AG. 150 Beschäftigte arbeiten dort.

Thorsten Winter Folgen:

Renschler will das neue Zentrum als „ein klares Bekenntnis zu dieser Region“ verstanden wissen. Mercedes-Benz biete seinen Nutzfahrzeugkunden fortan ein Angebot aus einer Hand an: vom Verkauf, Leasing und Vermietung bis hin zu Werkstattservice, Lastwagen-Waschstraße, 24-Stunden-Pannendienst und Fahrerschulung in eigens zertifizierten Räumen. Die Liegenschaft sei zudem gut an die Autobahnen 5 und 661 angebunden - also an jene Straßen, auf denen die Kunden unterwegs seien. „Wenn Frankfurter und Offenbacher gemeinsame Sache machen, kann Großes dabei herauskommen“, meinte der Schwabe fein lächelnd.

Fünf Prozent unter den geplanten Kosten geblieben

In dem Nutzfahrzeugzentrum bündelt die Daimler-Niederlassung ihr bisher auf zwei Standorte, die Heerstraße in Frankfurt und die Daimlerstraße in Offenbach, verteiltes Angebot. Gleiches plant sie für die Autosparte: Laut Burkhard Wagner, Direktor der etwa 750 Mitarbeiter starken Niederlassung, will das Unternehmen möglichst noch 2013 den Spatenstich für den entsprechenden Betrieb am Kaiserleikreisel setzen. Für beide Großinvestitionen hat der Konzern 85Millionen Euro eingeplant. Läuft es am Kaiserleikreisel so gut wie am Martinszehnten, bleibt die Niederlassung unter der Vorgabe. Hat sie doch das Budget für das Nutzfahrzeugzentrum nicht ausgeschöpft.

Vielmehr ist sie um fünf Prozent unter den geplanten Kosten geblieben, wie Wagner gestern auf Nachfrage sagte. Genaue Zahlen mochte er zwar nicht nennen, doch dürfte Daimler 1,5 Millionen Euro eingespart haben. Dies ergibt sich aus der Aussage von Thomas Witzel, dem Vertriebsleiter der Lastwagensparte von Mercedes-Benz, dass das Nutzfahrzeugzentrum nicht mehr als ein Drittel der Gesamtkosten verschlinge. Ein Zentrum für Personenkraftwagen sei wegen der aufwendigen Ausstellungsräume teurer.

Aussagen zum Umsatz behält er für sich

Das Nutzfahrzeugzentrum war aber nicht nur kostengünstiger, sondern auch schneller fertig als gedacht. Vorstand Renschler sprach angesichts dieses Erfolges, der mit den fortgesetzten Schwierigkeiten am Berliner Großflughafen BER kontrastiert, von einem „fast historischen Moment: ein großes Bauprojekt in Deutschland, das tatsächlich fertig wird, ohne dabei den Zeitplan und das Budget zu sprengen“. Wagner führte als Grund eine lange Planungsphase an, in die sämtliche Mitarbeiter eingebunden gewesen seien. Nach einem Stichtag sei der Plan nicht mehr verändert worden.

Wie viel Umsatz die Niederlassung mit Nutzfahrzeugen und Personenkraftwagen macht, behält sie für sich. 2011 hatte sie, wie Konzernchef Dieter Zetsche vor knapp einem Jahr in Frankfurt sagte, das höchste Ergebnis aller Dependancen eingefahren. Und 2012 dürfte sie in etwa ebenso abgeschnitten haben, heißt es in Frankfurt, ohne der Vorlage der Konzernbilanz Anfang Februar vorzugreifen. Annäherungswerte nennt die Niederlassung immerhin zu den verkauften Fahrzeugen. Demnach dürften es vergangenes Jahr etwa 6000 Neuwagen, 7300 Gebrauchte, 1000 neue Transporter sowie 450 neue Lastwagen und 700 gebrauchte Nutzfahrzeuge gewesen sein, heißt es.

Und mit Blick in die Zukunft verrät Wagner schon so viel: Stehe auch das neue Autozentrum erst einmal, würden die Flächen an der Heerstraße und der Daimlerstraße nicht mehr gebraucht.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
VW-Vorstand Renschler Millionen fürs Nichtstun

Einem Bericht zufolge kassiert der VW-Manager Andreas Renschler eine Extraprämie von 11,5 Millionen Euro für den Wechsel von Daimler. Das ist aber noch nicht alles. Mehr

15.05.2016, 04:57 Uhr | Wirtschaft
Soziales Projekt Hunde machen Knackis in Ungarn zahm

Im Gefängnis im ungarischen Debrecen kümmern sich Insassen einmal die Woche um Hunde aus einem nahen Tierheim. Von dem Projekt profitieren beide Seiten: Für die Tiere ist der Gefängnis-Besuch ein großes Abenteuer; und die Insassen sind froh, von den Vierbeinern gebraucht zu werden. Mehr

30.04.2016, 15:07 Uhr | Gesellschaft
Neue Triebwerke Der Diesel-Motor ist längst nicht am Ende

Der Dieselmotor ist in Verruf geraten. Die tatsächlichen Emissionen müssen sinken. Die gute Nachricht: Neue Triebwerke können das. Und noch einiges mehr. Mehr Von Johannes Winterhagen

24.05.2016, 10:23 Uhr | Technik-Motor
Lastwagen mit Sprengstoff Mutmaßliche Bombenbauer bei Explosion in Türkei getötet

Bei einer Explosion im Südosten der Türkei sind Sicherheitskreisen zufolge am Donnerstag vier Menschen getötet worden. Das Innenministerium erklärte, bei den Opfern handele es sich um Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Rebellen einen Lastwagen mit Sprengstoff beluden. Mehr

13.05.2016, 09:37 Uhr | Politik
Daimler-Vorstand zu Brasilien Es kann nicht mehr schlimmer werden

Brasiliens Wirtschaft steckt in der Rezession. Von einem prominenten deutschen Automanager kommt nun verhaltene Zuversicht. In einem Riesenland sieht er sich gut aufgestellt. Mehr

22.05.2016, 10:50 Uhr | Wirtschaft

Ohne Teamgeist

Von Matthias Alexander

Der nicht ganz freiwillige Koalition im Frankfurter Römer beginnt ihre gemeinsame Regierungszeit sehr vernünftig. Und doch wird es anstrengende Jahre im Römer geben. Mehr 0

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen