Home
http://www.faz.net/-gzg-6usom
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mehr Geld für Sport und Kultur Lotto Hessen macht wieder mehr Umsatz

01.11.2011 ·  Lotto Hessen sieht das Umsatztal durchschritten. Große Hoffnungen setzt der Chef in den Eurojackpot und die Sportwetten-Reform. In der Folge dürften auch die Lottogelder für wohltätige Zwecke wieder steigen.

Von Thorsten Winter
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Erstmals seit 2007 verzeichnet Lotto Hessen wieder steigende Umsätze. Bis Ende Oktober haben die Lottospieler in Hessen angesichts höherer Jackpots rund 6,8 Prozent mehr Geld bei der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen eingezahlt als noch vor Jahresfrist. Das Umsatzplus übersteigt den Zuwachs beim Deutschen Lotto- und Totoblock, wie der Geschäftsführer von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann, dieser Zeitung sagte. In der Folge dürfen auch das Land und Nutznießer von Lottogeldern wie der Landessportbund mit mehr Steuern und Abgaben aus der Kasse von Lotto Hessen rechnen.

Überdies erwartet Sundermann für die nächsten Jahre weiter steigende Umsätze. Denn zum einen können von März nächsten Jahres an auch Hessen an der länderübergreifenden Lotterie Eurojackpot teilnehmen. Zum anderen zählt Sundermann auf eine Sportwettenlizenz infolge der Glückspielreform. Nach Angaben von Marktforschern könne der Lottoblock anfangs mit 600 Millionen Euro aus dem Eurojackpot rechnen und Lotto Hessen anteilig mit 50 Millionen Euro.

Die Klage des Innenministers

Wenn der Geschäftsführer recht behält, käme dies Innenminister Boris Rhein (CDU) zupass. Rhein hatte Mitte Oktober in einem Interview mit dieser Zeitung geklagt: „Der Rückgang der Lottomittel ist besorgniserregend.“ Aufgrund dessen fehlten allein dem Landessportbund dieses Jahr zwei Millionen Euro. „Wie sich die Einnahmen aus Lotto und Toto künftig entwickeln, wird man sehen“, meinte Rhein.

Zu dieser Zeit hätte er sich aber durchaus zuversichtlicher äußern können, denn der neue Aufwärtstrend beim Umsatz war schon offensichtlich. Wenn es bei der aktuellen Zuwachsrate bleibt, dürfte Lotto Hessen bis zu 40 Millionen Euro mehr erlösen als im vergangenen Jahr. Selbst wenn das Plus nur jene fünf Prozent betragen sollte, die derzeit der Lottoblock bundesweit verzeichnet, werden es mehr als 20 Millionen Euro zusätzlich sein. 2010 schloss die Landesgesellschaft mit einem Umsatz von 540 Millionen Euro ab. Dies war ein Minus von etwa 40 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Abgabenquote bei 35 Prozent

Wie stark Lotto Hessen an Umsatz eingebüßt hat, zeigen die Erlöse aus dem Jahr 2007. Seinerzeit flossen der Gesellschaft noch 674 Millionen Euro zu. In der Folge sanken auch die Zahlungen an das Land, die sich aus 16,6 Prozent Lotteriesteuer und gut 18 Prozent Zweckabgaben zusammensetzen und mithin zu der Abgabenquote von 35 Prozent führen. Führte die Lotterie-Treuhand für 2007 236 Millionen Euro ab, so waren es im vergangenen Jahr noch 189 Millionen Euro. Macht ein Minus von einem Fünftel (siehe Grafik).

Diese Abwärtsspirale war mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März 2006 in Gang gesetzt worden. Seinerzeit hatten die obersten Richter das Glückspielmonopol in der vorliegenden Form für verfassungswidrig erklärt. Das Monopol lasse sich nur halten, falls der Staat deutlich mehr gegen Glückspielsucht vorgehe. Dieses Urteil spielte den Anbietern von Sportwetten im Internet und den in zahlreichen Städten vertretenen Wettbüros, die Wetten an ausländische Anbieter vermitteln, in die Hände. Denn diese Unternehmen, zu denen die börsennotierte österreichische Bwin zählt, zahlen deutlich geringere Steuern auf den Umsatz. Angesichts dessen forderte der Verband Europäischer Wettunternehmer vor gut einem Jahr einen Steuersatz von zwei Prozent vom Umsatz statt der bisher üblichen 16,6 Prozent. In der vergangenen Woche haben sich die Länder auf fünf Prozent geeinigt.

18 Millionen Euro für den Sport

Der höhere Steuersatz der staatlichen Oddset-Sportwette macht diese im Wettbewerb bisher unattraktiver, weil die Gewinnquoten entsprechend niedriger sind. So erlöste Lotto Hessen mit Oddset 2010 nur 12,2 Millionen Euro, das waren neun Prozent weniger als im Vorjahr. Der Marktanteil lag unter zehn Prozent - trotz des offiziellen Monopols. 2005, dem Jahr vor dem Verfassungsgerichtsurteil, hatte Oddset in Hessen noch fast 30 Millionen Euro erbracht.

Weil Lotto Hessen nach einem Streit mit dem Bundeskartellamt noch 2006 sein Internetangebot stoppte, 2008 zuletzt Überweisungen des Online-Vertriebspartners Tipp24 verbuchen konnte und es in der Folge auch noch zwei Jahre ohne nennenswerte Jackpots gab, knickten die Erlöse ein. Deshalb musste sich der Landessportbund, der 3,75 Prozent der Lottogelder erhält, zuletzt mit 18 Millionen Euro bescheiden, das waren zwei Millionen Euro weniger als 2009. Der Liga der freien Wohlfahrtspflege flossen 4,8 Millionen Euro zu nach 5,3 Millionen Euro vor zwei Jahren; sie erhält jährlich ein Prozent der Lottomittel, während 1,5 Prozent an Träger der außerschulischen Bildung gehen, 0,4 Prozent an den Hessischen Jugendring und 0,15 Prozent an den Ring politischer Jugend (siehe Grafik). Die Denkmalpflege wird dagegen aus den Rubbellos-Erlösen bedient, die seit Jahren steigen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr