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Zweifel an Methoden : Harsche Kritik an Verkehrslärmstudie

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Klima und die Gesundheit belastend: der weltweite Flugverkehr wächst am schnellsten von allen Verkehrsteilnehmern. Bild: Günter Paul

Angesehene Mediziner sprechen der aktuellen Norah-Lärmstudie wegen methodischer Fehler ihre Aussagekraft ab. Die Studie hatte ergeben, dass Lärm sich weniger auf die Gesundheit auswirkt als bisher angenommen. Auch die Geldgeber lassen Zweifel an der Unabhängigkeit aufkommen.

          Einen Tag nach Vorstellung der Norah-Studie (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) zu Gesundheitsrisiken von Verkehrslärm haben drei Medizinprofessoren massive Zweifel an Methoden und Ergebnissen der Untersuchung angemeldet. „Fluglärm ist ein neuer Herzkreislaufrisikofaktor, den weder wir als Ärzte noch die Patienten beeinflussen können, sondern nur die Politik“, sagte der Mainzer Professor Thomas Münzel am Freitag. Er widersprach vor allem der Teilstudie zum Bluthochdruck, die aus seiner Sicht unglaubwürdig niedrige Ergebnisse ausweise.

          Vorangegangene Studien belegen das Gegenteil

          Die am Donnerstag in Frankfurt vorgestellte Norah-Studie hatte unter anderem ergeben, dass Verkehrslärm geringere Gesundheitsrisiken verursacht als bisher angenommen. Der Krach von Flugzeugen, Autos und Eisenbahnen kann demnach das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen, wirkt sich aber nicht auf den Blutdruck aus.

          Verschiedene vorangehende Studien hätten allerdings das Gegenteil belegt, sagte der Mainzer Medizin-Professor Thomas Münzel. Die Tatsache, dass Fluglärm Bluthochdruck auslöse, gelte in der Wissenschaft als gesichert. Die Befunde der Norah-Studie hätten andere Wissenschaftler daher sehr überrascht. Für die Teilstudie zum Bluthochdruck hatten über 800 Probanden ihre Werte gemessen und an die Verfasser der Studie übermittelt. Dabei konnte kein „statistisch signifikanter und medizinisch relevanter“ Zusammenhang mit dem Fluglärm-Dauerschallpegel ermittelt werden.

          Der Frankfurter Kardiologe Prof. Martin Kaltenbach sagte, er sei froh, das er seine Mitwirkung an der Norah-Studie abgelehnt habe: „Ich wollte nicht, dass unter dieser Studie mein Name steht.“ Der Bremer Epidemiologe Prof. Eberhard Greiser sprach von „methodischen Hämmern“ und sagte, er sei bei der Norah-Studie „von einem Entsetzen ins andere gefallen“. Einige zentrale Ergebnisse der umfassenden Untersuchung hätten wegen methodischer Fehler keine tatsächliche Aussagekraft.

          Mehrere statistische Schwachpunkte

          So sei die Beteiligungsrate von unter zehn Prozent aller angeschriebenen Personen niedriger, als bei allen vergleichbaren „weltweit“ in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichten Untersuchungen. Die tendenziell gesündere soziale Oberschicht sei in der Auswahl stark überrepräsentiert. Bei einer ersten Kontaktaufnahme seien alle möglichen Kandidaten von einer Teilnahme ausgeschlossen worden, bei denen der Hausarzt bereits Bluthochdruck festgestellt hatte.

          Ähnliche Schwachpunkte konstatierten die Wissenschaftler auch bei einer Teilstudie zur Beeinträchtigung der Lebensqualität. So seien von der Befragung zur Schlafqualität alle Menschen ausgeschlossen worden, die unter Schlafstörungen leiden, Schlafmittel einnehmen, schnarchten oder kleine Kinder im Haushalt hätten. Diese Einschränkungen seien nicht nachvollziehbar.

          Die Mediziner kritisierten zudem die Informationsmaterialien für die Teilnehmer der Blutdruck-Untersuchung. Eine an alle Probanden verteilte Abbildung zeige, wie die Manschette des Blutdruckmessgeräts über den Pullover und statt am Oberarm über die Ellenbeuge angelegt werde. Die gemessenen Werte von Personen, die sich an diese falsche Anleitung gehalten hätten, seien kaum zu verwerten.

          Auf Nachfrage, ob sie die Norah-Untersuchung für eine Gefälligkeitsstudie hielten, antworteten die Wissenschaftler aber zurückhaltend. Teile der Arbeiten, etwa zu den festgestellten negativen Auswirkungen von Lärm auf das Lernverhalten von Kindern, seien nicht zu beanstanden, sagte Kaltenbach.

          Die Kosten der Studie von knapp zehn Millionen Euro tragen unter anderem der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Luftverkehrsgesellschaften. Die Ergebnisse wurden von Fraport und Politikern am Donnerstag sehr unterschiedlich bewertet. Der Flughafenbetreiber, der wegen des Fluglärms heftiger Kritik
          ausgesetzt ist, sprach von „minimalen“ Gesundheitsrisiken. Hessens Verkehrsminister Tarek al-Wazir (Grüne) warnte vor Verharmlosung.

          Quelle: dpa / epd

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