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Meditation & Arbeitswelt Die Entdeckung der Achtsamkeit

Was Meditation bewirkt, finden mittlerweile auch Forscher interessant. Manche meinen, dass solche Übungen sinnvoll sind, um dem Stress in der Arbeitswelt zu begegnen.

© Robert Kneschke Für die Wirkung von Meditation interessieren sich längst auch Arbeitsforscher

Ulrich Ott geht nicht irgendwie zur Mensa, sondern mit wachem Geist. Nicht immer zwar, aber oft. Dann wird ihm der Weg zu einer Übung, die ihm hilft, sich und seine Umgebung intensiver wahrzunehmen - die Kühle der Luft oder das Vogelgezwitscher. Und morgens, bevor er seinen Computer anschaltet, spürt er erst einmal, wie er auf seinem Bürostuhl sitzt, um „anzukommen und klar zu werden“, wie er sagt. Esoterischer Unsinn? Nein: Ott, Psychologe vom Bender Institute of Neuroimaging der Gießener Universität versucht nur, achtsam zu sein.

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Achtsamkeitsübungen oder Meditationen sind auch sein Forschungsgebiet. Er ist einer der wenigen deutschen Experten, die sich schon länger mit diesem Thema befassen. Ausgehend von den Vereinigten Staaten hat die Forschung seit einigen Jahren auch in Deutschland Fuß gefasst. Sie sei in den vergangenen Jahren „exponentiell angestiegen, so dass es zunehmend schwierig wird, das gesamte Feld im Blick zu behalten“, urteilt Ott. 2010 gab es in Berlin den ersten interdisziplinären Kongress „Meditation und Wissenschaft“, 2012 den zweiten.

Achtsamkeit in der Arbeitswelt

“Die Zeiten, als Achtsamkeit und Meditation in der Wissenschaft Materia non grata waren, sind vorbei“, urteilt Niko Kohls von der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität. Der Leiter der Arbeitsgruppe „Psychophysiologie des Bewusstseins: Spiritualität, Achtsamkeit, Lebensqualität und Gesundheit“ befasst sich derzeit mit einem Aspekt, der ebenfalls immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt: Achtsamkeit in der Arbeitswelt.

Kohls begleitet und evaluiert ein Projekt der von Chris Tamdjidi geführten, in Bergisch-Gladbach ansässigen „Kalapa Leadership Academy“, das gerade begonnen hat. Tamdjidi und vier weitere Trainer schulen Mitarbeiter in mehreren Unternehmen in Achtsamkeitsmeditationen - ihm zufolge ist es weltweit das erste Projekt dieser Art. Sieben Firmen haben zugesagt, weitere ihr Interesse bekundet. Ein weiteres Beispiel für die Aktualität des Themas: Im April findet in Frankfurt eine Fachtagung über „Achtsamkeit am Arbeitsplatz“ statt, bei der auch Ott referiert.

Tamdjidi ist überzeugt davon, dass die Übungen den einzelnen Mitarbeitern und dem Unternehmen als Ganzem helfen. „Es geht vor allem darum, etwas innerliche Entschleunigung in den Firmenalltag zu bringen und somit Aspekten wie Freude an der Arbeit, Sinnhaftigkeit und konstruktiver Zusammenarbeit mehr Raum zu geben.“ Der Stresspegel und die Burnout-Gefährdung würden reduziert.

Durchgetaktete Tage

Empirische Daten über die Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen im Arbeitsalltag sind noch „relativ dürftig“, wie Ott sagt. Gleichwohl seien sie dringend notwendig. Zwar sei auf dem jüngsten Kongress „Meditation und Wissenschaft“ auch über die Arbeitswelt gesprochen worden, für einen Grundlagenforscher wie ihn jedoch zu wenig. Von der Untersuchung, mit der Kohls und Tamdjidi befasst sind, erhofft er sich weitere Erkenntnisse.

Dass in der Arbeitswelt „dringend etwas geschehen muss“, findet auch der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer, zum Beispiel angesichts einer starken Hierarchisierung und durchgetakteten Tagen. „Da können Berufstätige schon kirre werden.“ Ob die Fehlzeiten von Arbeitnehmern wegen psychischer Probleme nun zunehmen, weil die Situation im Job wirklich schlimmer geworden ist, oder die Menschen sensibler geworden sind, lässt Singer offen. „Aber Achtsamkeitstraining ist immer gut.“ Er hat selbst an einem zweiwöchigen, strengen Meditationskurs teilgenommen und danach anders gearbeitet, zum Beispiel Dinge nacheinander erledigt und nicht gleichzeitig - bis ihn der Alltag wieder eingeholt hat.

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