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Medien „Frankfurter Rundschau“ meldet Insolvenz an

Die „Frankfurter Rundschau“ ist pleite. Der Verlag hat Insolvenz beim Amtsgericht Frankfurt angemeldet. Was aus der Zeitung wird, ist noch unklar. Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis Ende Januar 2013 gesichert, teilten die Eigentümer-Gesellschaften bei einer Betriebsversammlung mit.

© dapd Vergrößern Vor dem Aus? Die „Frankfurter Rundschau“ ist insolvent

Der traditionsreichen „Frankfurter Rundschau“ droht das Aus. Die seit Jahren mit Verlusten arbeitende Zeitung meldete am Dienstag Insolvenz an. Die beiden Eigentümer sähen keine Chance mehr, die Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH in die Gewinnzone zurückzuführen, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des Kölner Verlagshauses M. DuMont Schauberg und der SPD-eigenen Verlagsbeteiligungs-Gesellschaft DDVG. Im ersten Halbjahr habe der Verlag massiv Umsätze mit Anzeigen und im Druck verloren. „Somit war auch für die Geschäftsleitung keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar“, hieß es in der Mitteilung.

In den vergangenen Jahren schrieb die Frankfurter Rundschau jeweils rund 20 Millionen Euro Verlust. Erst fünf Stunden nach dem Insolvenzantrag beim Frankfurter Amtsgericht wurde die Belegschaft in einer Betriebsversammlung informiert. Als vorläufiger Insolvenzverwalter soll der Anwalt Frank Schmitt aus der Großkanzlei Schultze & Braun nun die Lage sondieren. Der Betrieb solle fortgeführt werden. Die Löhne der Mitarbeiter sind nur bis Ende Januar durch das Insolvenzgeld sicher.

Die „FR“ hat schon mehrere drastische Kürzungsrunden hinter sich. Zur Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die die Zeitung trägt, gehört eine Großdruckerei in Neu-Isenburg bei Frankfurt, in der auch andere überregionale Tageszeitungen wie „Bild“ und „Handelsblatt“ gedruckt werden. „Wir haben nie erwartet, dass unser Engagement in Frankfurt hohe Gewinne zeitigen würde. Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste ist aber sowohl für M. DuMont Schauberg als auch die DDVG nicht länger darstellbar“, erklärten die Eigentümer.

Insolvenzantrag fuer "Frankfurter Rundschau" gestellt © dapd Vergrößern Schon im April 2011 demonstrierten Mitarbeiter und Redakteure der Rundschau in Frankfurt für den Verbleib der Mantelredaktion am Main - vergebens

„Das ist ein schwarzer Tag für die Beschäftigten und ein schwarzer Tag für die Pressevielfalt in Deutschland“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke. Das Blatt sei ein Garant für Meinungsstärke und journalistische Qualität und vom deutschen Zeitungsmarkt nicht wegzudenken. Er warf dem Mehrheitseigentümer vor, die Zeitung „bis zur Unkenntlichkeit geschliffen und das Blatt auf regionale Bedeutung herabgestuft“ zu haben.

Massive Kritik an den Eigentümern

DuMont Schauberg, dem auch der „Kölner Stadtanzeiger“, die „Berliner Zeitung“ und die „Mitteldeutsche Zeitung“ in Halle gehören, war vor sechs Jahren mit 50 Prozent bei der Rundschau eingestiegen. Die DDVG hält seither noch 40 Prozent, die nach dem Zeitungsgründer bekannte Karl-Gerold-Stiftung zehn Prozent.

Verdi appellierte an die SPD, die als linksliberal eingestufte Zeitung zu retten: „Gerade die SPD sollte ein hohes Interesse daran haben, dass die FR als wahrnehmbare Stimme auf einem vielfältigen Zeitungsmarkt erhalten bleibt“, sagte Werneke. „Die Insolvenz ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken.

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Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die Mediengruppe auf, auf Kündigungen redaktioneller Mitarbeiter weitgehend zu verzichten. „Die Journalistinnen und Journalisten der „FR“ brauchen eine berufliche Perspektive“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Er rief die Geschäftsführung dazu auf, den Betroffenen adäquate Stellen bei anderen Medien der Gruppe anzubieten. „Die Insolvenz der Rundschau ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement“, sagte Konken weiter. „Das Aus der renommierten Zeitung ist besonders bitter für die Beschäftigten, die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht für den Erhalt ihrer Zeitung gekämpft haben.“

Dramatisch sinkende Auflage

Die „Frankfurter Rundschau“ leidet noch stärker als andere Zeitungen nicht nur unter sinkenden Anzeigeneinnahmen, sondern auch unter Auflagenschwund. Jahrzehntelang mit dem Anspruch einer überregionalen Bedeutung angetreten, hatte sie sich unter der Ägide von Dumont auf den Großraum Frankfurt konzentriert. Die verkaufte Auflage ist in zehn Jahren auf 118.000 von 183.000 geschrumpft, obwohl die Zeitung 2007 mit dem Umstieg auf das kleinere Tabloid-Format neue Leser locken wollte. Seit zwei Jahren kommen die meisten überregionalen Inhalte von einer gemeinsamen Redaktion mit der „Berliner Zeitung“, seit dem vergangenen Jahr wird der überregionale Teil auch in Berlin produziert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP und dapd

 
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