Es ist ein Jahr des Aufbruchs für die Primus-Linie. Ein neues Schiff, die „Maria Sibylla Merian“, in den Dienst gestellt im April. An diesem Samstag die Eröffnung des neuen Ticket-Pavillons mitsamt Eisdiele auf einer Aussichtsplattform. Und eine neue Geschäftsführerin. Die Personalie verkündete der Reeder Anton Nauheimer während der Jungfernfahrt des neuen Linienschiffes auf dem Main, und er verkündete es mit Stolz. Seit dem 1. April ist seine Tochter Marie Nauheimer mit an Bord, was in diesem Fall einmal wörtlich zu nehmen ist. Die fünfte Generation des Familienbetriebs, wie der Vater hinzufügte.
Marie Nauheimer, 1980 geboren, verheiratet, Mutter einer kleinen Tochter, bringt eine neue Sprache mit in das Unternehmen, dessen fünf Schiffe vor allem auf dem Main, aber auch auf Rhein und Neckar unterwegs sind. Von Marktbeobachtung spricht sie, vom Preisgefüge, vom Pfadangebot. Sie hat an der London School of Economics and Political Sciences studiert, wurde an der Universität Sankt Gallen promoviert, arbeitete dann in der Konzernzentrale von Eon in Düsseldorf.
Seit 2009 gibt es Konkurrenz auf dem Main
Jetzt wieder Frankfurt, ihre Heimat, wo sie einst das Heinrich-von-Gagern-Gymnasium besuchte. Schon 2008 habe sie ein Jahr im väterlichen Betrieb mitgearbeitet, berichtet sie, damals habe sie sich auch schon entschieden, dass sie dort ihre Zukunft sehe. Im Frühjahr ist die junge Frau mit ihrer Familie aus Düsseldorf zurückgekehrt, nach Sachsenhausen. Der Mann arbeitet in der Immobilienbranche.
Frankfurt ist keine maritime Stadt, Reeder ein exotischer Beruf, die Primus-Linie ein Kleinod im Kreis der vielen Unternehmen. Aber es ist auch eine überschaubare Welt, auf die sich Marie Nauheimer eingelassen hat. Fahrten vom Eisernen Steg den Main hinauf bis zur Gerbermühle und hinunter bis zur Schleuse Griesheim sind das Brot-und-Butter-Geschäft, sonst führen Tagesfahrten bis zur Loreley oder nach Aschaffenburg. Seit 2009 sind überdies die schönen Zeiten, in denen das Unternehmen auf dem Main konkurrenzlos unterwegs war, vorbei. Die Anlegestelle der Köln-Düsseldorfer findet sich nur wenige Meter weiter flussabwärts.
Zu tun ist allemal genug. 40 Beschäftigte zählt die Primus-Linie, in der Saison kommen weitere 40 Kräfte hinzu. Es ist also ein ordentlicher mittelständischer Betrieb, dessen Geschäftsführung sich nun Vater und Tochter teilen. Es gebe keinen Tag, an dem sie das mache, was sie am Morgen vorgehabt habe, berichtet Marie Nauheimer.
Es kommt wohl in erster Linie darauf an, das zu bewahren, was der Vater aufgebaut hat. Die Kaffeefahrten in den Rheingau sind immer noch gefragt, aber natürlich ist im Rhein-Main-Gebiet an Freizeitangeboten kein Mangel. Anton Nauheimer hat Neues eingeführt, ein Riversight-Dinner mit Vier-Gang-Menü im Abendlicht, ein Weihnachtsprogramm. Man muss neue Kundengruppen erschließen, ohne die alten zu verprellen.
Charterfahrten für Betriebsfeiern
Doch ungefähr vier Zehntel des Umsatzes macht das Unternehmen ohnedies nicht mit dem, was im Prospekt steht, sondern mit Charterfahrten für Betriebsfeiern oder Konferenzen. Die Kunden würden immer anspruchsvoller, berichtet die Tochter, auf dem neuesten Schiff finde sich schon zeitgemäße Konferenztechnik, auf den anderen müsse noch nachgerüstet werden, um im Markt bestehen zu können. Der große Wurf ist nicht zu erwarten, Flusskreuzfahrten etwa, gegenwärtig eine Boombranche, sind ein völlig anderer Markt, kein Vergleich mit dem, was die Primus-Linie betreibt.
Marie Nauheimer ist rasch Profi geworden, sie kennt den Betrieb aber ja auch von klein auf. Sie hält inzwischen auch eine Minderheit am Unternehmen selbst. Die Managerin wirkt nicht so, als bringe sie rasch etwas aus der Ruhe. Reederin in Frankfurt, vielleicht die einzige: Wenn die Kunden nicht ausbleiben, muss das ein kleines Glück sein.