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Marburg Zum Schauen bestellt

 ·  Auch in der Stadt lässt sich Romantik lernen: In Marburg waren die hessischen Angehörigen der Bewegung alle zu Gast.

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Romantik war harte Arbeit. Was heute so einfach scheint und so leicht abrufbar ist, musste von den Romantikern schließlich auch erst einmal empfunden, erfunden, erdacht werden. Marburg ist einer der Orte, an denen das geschah. Hier lebten die Brüder Grimm, hier gingen Clemens und Bettine Brentano durch die Straßen. Sie nahmen das Erscheinungsbild der Stadt durchaus als Ausgangspunkt für ihre ästhetischen Anschauungen, hatten diese aber auch im Kopf und trugen sie im Herzen. Für den Besucher von heute hingegen deckt sich vor allem das Bild der Stadt selbst mit den Vorstellungen dessen, was wir für romantisch halten.

Die Straßen und Treppen der Marburger Altstadt, die Fachwerkhäuser, das Schloss, die Universität - alte Macht und jugendliche Studentenherrlichkeit passen zur Romantik genauso gut wie die Märchen und Sagen, mit denen sich die Grimms in ihren Marburger Tagen zu beschäftigen beginnen. Romantisch könnte man darüber hinaus noch heute die Blicke nennen, die man von der Altstadt hinunter zum Fluss und über ihn hinweg auf die Hügel der umgebenden Waldlandschaft werfen kann. Dabei fällt der Blick auch auf die Elisabethkirche, als frühes Beispiel deutscher Gotik für Romantiker gleich doppelt geeignet - die Vergangenheit, das Mittelalter, die gotische Baukunst, aber auch die Kunst allgemein als etwas die Nation Bestimmendes, vielleicht sogar Einendes, all das waren erhebende Gegenstände für die Gedanken, die man als Romantiker beim Blick von Marburgs Mauern aus hegen konnte.

Zeit der Empfindsamkeit

Heute ist die Landschaft um die Stadt herum etwas zersiedelter als in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts. Noch immer aber entspricht das Gefühl, auf etwas Weites und Schönes zu schauen, der allgemeinen Wahrnehmung dessen, was romantisch sei. Dabei handelt es sich genau genommen um eine ästhetische Kategorie, die mit der Romantik zwar eng verwandt, aber noch älter ist als sie - um das Malerische, das schon im Zeitalter der Empfindsamkeit den Blick der Menschen für ihre Umgebung schärft. In seinem Namen schwingt die Bereitschaft des Schauenden, die Natur künstlerisch zu spüren und wiederzugeben, schon mit. Aus diesem Grund blieb es nicht nur für die Romantiker, sondern auch noch für spätere Künstler von Interesse, sogar für Hobbyfotografen von heute.

Ob romantisch oder malerisch - als Beitrag zum Fotowettbewerb „Literaturland Hessen“, mit dem diese Zeitung und der Hessische Rundfunk noch bis zum 15. November den Spuren der Romantik in Hessen nachspüren, sind Bilder aus Marburg daher hochwillkommen.

Weitere Informationen zum Wettbewerb im Internet unter www.literaturland.hr-online.de

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Jahrgang 1972, Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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