01.02.2012 · Der Mischkonzern Langley Holdings kauft das Manroland-Werk in Offenbach. Der Betriebsrat ist über die Entscheidung erleichtert. Schon 2012 soll es einen Gewinn geben.
Von Anton Jakob Weinberger, OffenbachDer familiengeführte britische Mischkonzern Langley Holdings ist neuer Eigentümer des Offenbacher Werks der insolventen Manroland AG. Der Gläubigerausschuss hat nach Angaben des Neu-Ulmer Insolvenzverwalters Werner Schneider am Mittwochabend dem Vorschlag zugestimmt, das Offenbacher Stammwerk des Druckmaschinenkonzerns an den britischen Investor zu verkaufen. Über den Kaufpreis wurde nach Angaben des Sprechers von Schneider Stillschweigen vereinbart.
Wie berichtet, rechnen Branchenkenner damit, dass Langley Holdings etwa 50 Millionen Euro für das Werk, in dem Bogendruckmaschinen hergestellt werden, zahlen dürfte. Außerdem wird erwartet, dass der neue Eigentümer eine Kapitalzufuhr für die Nachfolgegesellschaft leistet, um die Abwicklung der vorliegenden Aufträge in den nächsten Monaten zu sichern.
Tony Langley will nach der Übernahme das insolvente Manroland-Bogendruckwerk schon kurzfristig zum Erfolg führen. Er wolle bereits
dieses Jahr die Gewinnzone erreichen, sagte Langley am Donnerstag während einer Pressekonferenz in Augsburg.
Jürgen Bänsch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Manroland AG, sagte dieser Zeitung, die Entscheidung zugunsten von Langley Holdings sei für den Standort Offenbach positiv. Der Investor sei, wie Insolvenzverwalter Werner Schneider gesagt habe, so etwas wie "der britische Possehl". Der Lübecker Mischkonzern Possehl hatte in der ersten Bieterrunde für den insolventen Manroland-Konzern das Werk in Augsburg, in dem die Rollenmaschinen für den Zeitungs- und Illustrationsdruck hergestellt werden, erworben und in Aussicht gestellt, einen langfristigen Vertrag mit dem Manroland-Werk in Plauen als Zulieferer für die Augsburger Produktion zu schließen.
Bänsch ließ keinen Zweifel daran, dass die Alternative zu der Aufspaltung des Manroland-Konzerns in drei eigenständige Gesellschaften die Schließung des Standorts in Offenbach gewesen wäre. Die Reduktion von zuletzt etwa 1750 auf 824 Arbeitsplätze in Offenbach sei die "Kröte, die wir als Gewerkschaft schlucken mussten", sagte Bänsch. Nach Ansicht von Bänsch war das Kaufangebot, das der Mitbewerber - der Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer - noch am Dienstag unterbreitet hatte, "nicht als seriös" einzustufen. Koenig & Bauer habe es außer auf die Wirtschaftsinformationen von Manroland nur auf den Erwerb der Service- und Vertriebsorganisation des Unternehmens abgesehen.
Zudem hat das Amtsgericht Augsburg gestern das Insolvenzverfahren für die Manroland AG eröffnet. Nach Angaben des Gerichts wurde ein Gläubigerausschuss bestellt, dem Vertreter der Kreditinstitute, der Großgläubiger, der Lieferanten und der Arbeitnehmer angehören. Am 25. November hatte der Manroland-Vorstand unter seinem Vorsitzenden Gerd Finkbeiner den Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gestellt.
Langley Holdings vereint unter seinem Firmendach unterschiedliche Sparten: Die Tochterfirmen liefern zum Beispiel Energieanlagen für Datenzentren, stellen Spezialkräne her, fertigen Verpackungssysteme für Lebensmittelfirmen oder sind als Zulieferer für die Gips- und Zementindustrie tätig. In Deutschland ist Langley Holdings über eine französische Tochtergesellschaft an der Augsburger Aro Schweißmaschinen GmbH beteiligt. Als Alleineigentümer des Buxtehuder Anlagenbauers Claudius Peters GmbH ist Langley Holding auch an Piller Group, Osterode, beteiligt, die Stromversorgungsanlagen für Flugzeuge herstellt. Weltweit beschäftigt Langley Holdings etwa 2300 Mitarbeiter. Im vorigen Jahr dürfte Langley Holdings nach Branchenbeobachtern einen Umsatz von etwa 516 Millionen Euro und einen Betriebsgewinn von zirka 66 Millionen Euro erzielt haben.
Anton Jakob Weinberger Jahrgang 1949, Korrespondent für die Rhein-Main-Zeitung mit Sitz in Offenbach.
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