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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Mainzer Verkehrsgesellschaft Beethoven, bis die Bahn kommt

 ·  Mainzer Verkehrsgesellschaft beschallt Fahrgäste, Punker und Obdachlose mit klassischer Musik.

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Die Idee ist nicht ganz neu, passt aber zu einem Unternehmen, das seinen Firmensitz an der Mozartstraße hat. Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) lässt, so wie es in Hamburg, München und Berlin schon länger üblich ist, am Hauptbahnhof seit zwei Wochen klassische Musik aus jenen Lautsprecherboxen erklingen, die eigentlich für Durchsagen gedacht sind.

Weil es dank eines „dynamischen Fahrgastinformationssystems“, das schriftlich anzeigt, wie lange man noch auf den nächsten Bus oder die Bahn warten muss, gar nicht mehr so viel zu verkünden gibt, wird in der Zwischenzeit testweise Musik gespielt - als Endlosschleife vom späten Vormittag bis zum frühen Abend.

Nicht die wirklich harten Geschütze

Händels „Wassermusik“ und Beethovens „Für Elise“ sind allerdings nur an jener StationA zu hören, die Obdachlose und Punks gerne als Treffpunkt nutzen. Von einer „Klassik-Attacke“ gegen die unerwünschte, aus Sicht der Polizei allerdings wenig auffällige Dauersitzgruppe will das Unternehmen nichts wissen. Nach Angaben eines MVG-Sprechers wird vorrangig ergründet, ob sich mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ und Ravels „Bolero“ die Aufenthaltsqualität verbessern lasse. Schließlich zähle man allein an dieser Haltestelle auf dem Bahnhofsvorplatz täglich rund 70.000 Fahrgäste. Im Gegensatz zu jenen, die auf der öffentlichen Fläche ganztägig ihr Lager aufschlagen, dürften die meisten MVG-Kunden nur wenige Minuten der Beschallung ausgesetzt sein. Die MVG spricht von einer dezenten Hintergrundmusik, wie sie auch in Kaufhäusern oder auf Flughäfen zu hören sei. Das Unternehmen gibt aber zu, dass man im Interesse der Kunden nichts dagegen hätte, wenn die Haltestelle der zwischen Finthen und Hechtsheim verkehrenden Straßenbahnlinien 51 und 52 künftig ausschließlich zum Warten genutzt werde.

Nach gut zehn Jahren Dauerbetrieb wurden in München, wo einige U-Bahnhöfe beschallt werden, laut einem Bericht des „Merkur“ die bis dahin eingesetzten Klassiker der Klassik endlich einmal ausgetauscht. Denn obwohl die Musik das Sicherheitsgefühl vieler Menschen gestärkt habe, seien die Stücke vor allem jenen auf die Nerven gegangen, die sie als Berufspendler Tag für Tag hätten hören müssen.

In der Internetausgabe des für „Punk, Pop und Papperlapapp“ zuständigen „Trashrock Magazins“ dankt der von der „Mainzer Punkervertreibung“ berichtende Autor der Verkehrsgesellschaft ausdrücklich dafür, „dass sie nicht die wirklich harten Geschütze aufgefahren hat, Ernst Neger zum Beispiel“.

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Jahrgang 1962, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

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