Obwohl auf dem Papier fast alle 1750 Pflegestellen der Universitätsmedizin Mainz besetzt sind, hat nach der Kinderklinik, in der „wegen Personalmangels“ im Frühjahr einzelne Stationen zeitweise geschlossen wurden, nun die Frauenklinik Alarm geschlagen. Konkret war es der bisherige Chefarzt, der renommierte Professor Heinz Kölbl, der - flankiert vom Berufsverband der Frauenärzte - den von ihm beabsichtigten Wechsel an das Klinikum seiner Heimatstadt Wien zu einer Generalabrechnung mit dem Mainzer Krankenhausvorstand nutzte. „Ich habe mich nicht für Wien, sondern gegen Mainz entschieden“, äußerte der scheidende Direktor gegenüber der „Allgemeinen Zeitung“ Mainz. Weil der bereits zugesagte dritte Operationssaal weiter auf sich warten lasse, es zu wenig Pflegekräfte gebe und es sehr bedenklich sei, wenn aus dem Ausland geholte Operationsschwestern mit mangelhaften Deutschkenntnissen schlimmstenfalls den Chirurgen nicht verstünden.
Von der Wucht des über die Medien geführten Angriffs zeigten sich der Kaufmännische Vorstand, Norbert Finke, und Professor Karl Lackner, der stellvertretende Medizinische Vorstand der Universitätsmedizin, gegenüber dieser Zeitung überrascht. Kölbl habe über neun Jahre hinweg gute Arbeit geleistet, sich einen exzellenten Ruf in Fachkreisen erworben und hinterlasse eine „ausgezeichnet aufgestellte Frauenklinik“. Es sei nichts Außergewöhnliches, dass ein solcher Mann umworben werde und man ihn ziehen lassen müsse. Den geforderten dritten Operationssaal werde es erst nach Fertigstellung eines zwischen Kinder- und Frauenklinik geplanten Neubaus geben, kündigten Finke und Lackner an; also voraussichtlich in fünf Jahren. Insgesamt verfüge die Universitätsmedizin an der Langenbeckstraße über 20 Kliniken mit angeschlossenen Stationen sowie 38 OP-Sälen. Beim Pflegepersonal liege man nach der Besetzung von gut 40 Stellen fast auf Vorjahresniveau. Zudem sei es kein strukturelles Problem und auch „keine Mainzer Besonderheit“, dass es in einzelnen Abteilungen temporär zu Engpässen komme: etwa wegen Kündigungen, Krankheit oder in der Ferienzeit. In Zukunft will man darauf mit einer eigens dafür zu schaffenden Springergruppe reagieren.
Gute Erfahrungen mit Fachkräften aus dem Ausland
Mit Fachkräften aus dem Ausland, so aus Lettland, habe die Universitätsmedizin bisher so gute Erfahrungen gemacht, dass demnächst eine weitere Gruppe folgen soll, kündigte Finke an. Diese Mitarbeiter erhielten mit Hilfe des Goethe-Instituts in ihrer Heimat einen ersten Sprachkurs, nach der Ankunft in Deutschland folgten weitere. Letztlich sei es die Aufgabe der Kliniken, darauf zu achten, dass neue Beschäftigte im Einzelfall nicht überfordert würden. In der Kinderklinik mit etwa 130 Betten habe sich die Aufregung inzwischen wieder gelegt. Nicht zuletzt deshalb, weil dort in den Sommerferien erfahrungsgemäß weniger Patienten zu betreuen sind; bis Herbst sollen die Personallücken geschlossen sein.
Aus dem Urlaub heraus hat die Aufsichtsratsvorsitzende der Uni-Medizin, die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD), mitgeteilt, dass die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Nationen doch gerade in Krankenhäusern schon immer üblich gewesen sei. Die CDU-Fraktion im Landtag will sich von der „überforderten Krisenmanagerin Ahnen“ Mitte des Monats nun die Vorgänge in der Frauenklinik im Ausschuss noch einmal ganz genau erklären lassen.
Finke: „Nicht den Weg der strikten Einsparungen beschritten“
Finke, der sich seit fünf Jahren darum bemüht, das einst hochdefizitäre Klinikum wirtschaftlich zu betreiben, legt Wert darauf, dass man bei der Konsolidierung nicht den Weg der strikten Einsparungen beschritten habe. Vielmehr seien alle gefordert, durch Leistungssteigerungen und bessere Auslastung, etwa der Operationssäle, mehr Geld hereinzuholen. So konnte das Mainzer Großunternehmen mit seinen rund 7500 Beschäftigten, das jährlich 65000 Patienten stationär aufnimmt sowie 250000 Männer und Frauen ambulant behandelt, seit 2009 tatsächlich wieder Gewinne ausweisen; für 2011 wird mit einem Plus von etwa 500000 Euro gerechnet.

