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Mainzer Karnevalshumor Brüderle kommt zu spät und Steinbrück nicht voran

Der Mainzer Carneval-Verein bringt an Rosenmontag 15 Karikaturen auf die Straße: „Verpulver-Kurt“ und „Doktor Fraport“ dürften für Lacher sorgen.

© Sick, Cornelia Schein oder nicht sein: Kurt Beck mit den verpulverten Nürburgring-Millionen wird zur Zielscheibe beim Narrenumzug in Mainz an Rosenmontag.

Am besten kommen diesmal die Grünen weg, die beim Mainzer Rosenmontagszug gar keine Rolle spielen. Auch die FDP ist kein Thema. Weil Spitzenkandidat Rainer Brüderle die durch sein Verhalten in einer Hotelbar ausgelöste Sexismusdebatte „leider zu spät“ losgetreten habe, wie der für die Großveranstaltung am 11. Februar zuständige Zugmarschall Kay-Uwe Schreiber gestern erläuterte.

Markus Schug Folgen:

Um einen der als Wahrzeichen der Mainzer Fastnacht geltenden Motivwagen auf die Straße zu bringen, brauche man nicht nur die passende Idee und viel Styropor, sondern auch einen Monat Zeit. Noch dazu habe den Wagenbauern, die das Ergebnis ihrer im Herbst begonnenen Arbeit gestern in Form von 15 rollenden Satiren erstmals der Öffentlichkeit präsentierten, nicht gefallen, dass die Mediendebatte mit einem Jahr Verzögerung geführt worden sei. So dass Brüderle, dem in vielen politischen Vorträgen durchaus noch auf die Schnelle ein paar Zeilen gewidmet wurden, zumindest vom Narrenumzug nichts zu befürchten hat.

Wowereits Flughafendebakel auch Thema der Karnevalisten

Das unterscheidet ihn vom SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der als Gehetzter dargestellt wird, dem die Vortragshonorare aus allen Taschen quellen und dem drei bissige Hunde - die Linke, die Presse und die (Andrea) Nahles - an den Hosenbeinen hängen. Wobei sein Vorankommen dadurch erschwert wird, dass er die selbstinitiierte Kanzlergehaltsdiskussion wie eine schwere Kugel hinter sich herziehen muss. Der Umgang mit Geld wird auch einem anderen Sozialdemokraten angekreidet: dem für das Nürburgring-Desaster mitverantwortlichen ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck. Ihn zeigen die Mainzer an Rosenmontag als „Verpulver-Kurt“, der mit viel Rauch und lautem Getöse das ganze Geld aus der Staatskasse verbrennt; und allen Kritikern dabei noch ein unmissverständliches „Halt doch einfach dein Maul“ zuruft.

Wenig schmeichelhaft ist auch die dritte SPD-Karikatur: In Unfähigkeit ergraut warten Klaus Wowereit und Matthias Platzeck auf den Sankt-Nimmerleins-Tag, um - voraussichtlich „um 2050?“ - endlich den Berliner Flughafen eröffnen zu können. Apropos: Für die Fluglärmgeschädigten im Rhein-Main-Gebiet haben die Narren derweil eine „frohe Kunde“: Doktor Fraport gehe davon aus, dass „alles reine Kopfsache“ sei, und biete deshalb als neue, wenngleich ziemlich blutige Therapie an, Ruhesuchenden auf Wunsch mit einer großen Schere kurzerhand die Ohren abzuschneiden.

Organspende, Beschneidung und Energiewende

Ebenfalls nicht zimperlich wird mit zwei anderen Themen umgegangen: Bei der gewinnbringenden Organ-Versteigerung scheint es nicht eben viel Interesse am elf Euro teuren Gehirn eines Wiesbadeners zu geben. Und bei der meist sehr emotional geführten Diskussion um Beschneidungen empfehlen die Mainzer am Beispiel einer mit dem Messer von ihrem Zipfel befreiten Fleischwurst das „medizinisch korrekte Vorgehen“.

Die Union wird sicher gut damit leben können, dass man ihrem Bundesumweltminister Peter Altmaier vorwirft, die Energiewende nicht richtig hinzubekommen. Und die einst an Rosenmontag noch als verführerische Loreley präsentierte Julia Klöckner (CDU) muss sich diesmal, deutlich gealtert und an der Seite der neuen Landeschefin, Malu Dreyer (SPD), dem direkten Vergleich und der Frage stellen: „Wer ist die Beste in ganzen Land?“

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Rund 350.000 Euro lassen sich die Verantwortlichen vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) 1838 das nicht zuletzt vom ARD-Fernsehen um 12.15 Uhr übertragene Rosenmontagsspektakel kosten. Neben den seit Herbst in zusammengerechnet wohl gut 10.000 Arbeitsstunden geschaffenen 15 Motivwagen, für die abermals rund 700 Styroporblöcke und jede Menge Farbe verbraucht wurden, werden knapp 10.000 Fußgänger und Reiter in der Stadt unterwegs sein. Sie alle werden sich am Montag von 11.11 Uhr an nacheinander von der Neustadt aus auf den Weg machen, um bei „knackig-kaltem, aber trockenem Wetter“, wie es gestern hieß, für das stundenlange Schauspiel zu sorgen. Lokale Themen, wie die Frage nach Sanierung oder Abriss des Mainzer Rathauses, vergaßen die Wagenbauer ebenfalls nicht. Im konkreten Fall kann sich Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) als Rettungssanitäter gar nicht entscheiden, ob er den „Intensivpatienten“ noch zur Ambulanz oder doch lieber gleich zur Pathologie bringen soll.

Quelle: F.A.Z.

 
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