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Mainz : Universitätsmedizin streicht rund 120 volle Stellen

  • -Aktualisiert am

Die Mainzer Uni-Medizin steckt wie viele andere Kliniken in Finanznöten Bild: dpa

Die Mainzer Klinik schreibt rote Zahlen. Sie will Einnahmen erhöhen und Ausgaben senken. Rund 240 Arbeitsplätze sollen wegfallen.

          Die Universitätsmedizin Mainz wird das Geschäftsjahr 2012 mit einem Minus in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags abschließen. Das teilte der kaufmännische Vorstand des Klinikums, Götz Scholz, auf einer Pressekonferenz mit. Den genauen Betrag könne er nicht nennen, da der Jahresabschluss noch ausstehe. In jedem Fall aber hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Damals hatte das Haus das Ziel eines deutlichen Überschusses für 2011 zwar verfehlt, aber immerhin noch ein Plus von gut 450.000 Euro erwirtschaftet.

          Mit einer Reihe von Schritten möchte die Universitätsklinik jetzt im Wirtschaftsplan 2013, der ein Volumen von rund 700 Millionen Euro aufweist, gegensteuern. Das Defizit soll im laufenden Jahr auf 7,8 Millionen Euro sinken. So will das Haus laut dem Vorstandsvorsitzenden und Medizinischen Vorstand Norbert Pfeiffer die Erlöse erhöhen und die Ausgaben in den Griff bekommen. Dazu zählten Einsparungen bei den Sachkosten und, wenn auch erst an letzter Stelle, der Abbau von Personal. Geplant ist, von den aktuell knapp 5700 Stellen über das Jahr verteilt rund 240 zu streichen, was laut Scholz rechnerisch 120 Vollzeitarbeitsplätzen entspricht. „Es wird keine Kündigungen geben, der Abbau wird durch die normale Fluktuation geschehen“, sagte Pfeiffer.

          „Größten Anteil wird Verwaltung erbringen“

          Weitgehend ausgenommen von den Stellenstreichungen sind den Angaben zufolge der Pflegedienst sowie die Intensiv- und OP-Pflege. Der Abbau werde sich vor allem bei patientenfernen Aufgaben abspielen. „Den größten Anteil wird die Verwaltung erbringen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Trotz des Stellenabbaus wird die Klinik in diesem Jahr nach Scholz’ Worten rund elf Millionen Euro mehr für Personal ausgeben als zuvor. Dies sei vor allem durch Tarifsteigerungen zu erklären. Künftig müsse man mit weniger Personal mehr Leistung erbringen.

          Scholz hält das offenbar für möglich. Er verwies darauf, dass das Haus 2010 mit 300 Beschäftigten weniger das Gleiche geleistet habe. 2012 sei deutlich mehr Personal eingestellt worden, als im Plan vorgesehen gewesen sei - und zwar mit Blick auf erwartete Patienten in bestimmten Fachgebieten. Doch hätten sich die Patientenströme im Haus anders entwickelt, wodurch das Personal zunächst falsch verteilt gewesen sei.

          Die Ursachen für die finanziell angespannte Situation sind aus Sicht Pfeiffers nicht zuletzt in den schwierigen Rahmenbedingungen zu suchen. Davon betroffen seien alle Universitätskliniken. So rechne der Verband der Universitätskliniken damit, dass nur ein Viertel der Häuser schwarze Zahlen schreibe. Pfeiffer wies darauf hin, dass die Universitätskliniken 80 Prozent der Ärzteausbildung leisteten und Orte der Innovation seien. Auch habe man es häufiger mit seltenen Erkrankungen oder Fällen mit hohen Kosten zu tun. Es gebe eine ganze Reihe von Aufgaben, die das bisherige System nicht finanziere. Hinzu komme, dass die Kosten schneller stiegen als die Fallpauschalen. Er könne sich für die Universitätskliniken einen sogenannten Systemzuschlag vorstellen, wie es ihn in den Niederlanden gebe. Scholz sieht die Krankenkassen in der Pflicht: Wenn der Krankheitsgrad der Bevölkerung steige, gingen auch die Beiträge nach oben.

          Nicht Honorar für alle Patienten

          Anders verfahren will das Klinikum, was die Hochschulambulanzen angeht. Jährlich stellen sich dort rund 100.000 Patienten mit Überweisung vor. Geld erhält das Klinikum nach seinen Angaben aber nur für 83.000 vertraglich vereinbarte Fälle. Pfeiffer kündigte Gespräche mit den Kostenträgern an. Man wolle die Patienten nicht unversorgt lassen, doch müsse etwas geschehen. Solange die Kostendeckung nicht gewährleistet sei, wolle sich das Klinikum auf 83.000 Fälle beschränken.

          Die CDU-Landtagsabgeordneten Dorothea Schäfer und Gerd Schreiner bezeichneten unterdessen die Universitätsmedizin als „chronisch unterfinanzierte Landestochter“. Natürlich komme man der originären Aufgabe nach, Forschung und Lehre an der Mainzer Universitätsmedizin zu finanzieren, erwiderte das rheinland-pfälzische Bildungsministerium. Pro Jahr flössen 80 Millionen Euro und weitere 13,5 Millionen Euro für Investitionen. Generell bewege sich die Förderung im Bundesdurchschnitt und biete die Grundlage für die exzellente Forschung, die an der Universitätsmedizin geleistet werde.

          Quelle: F.A.Z.

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