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Mainz-Stürmer Szalai Erst die Pflicht - dann die Tore

 ·  Adam Szalai ist mit neun Treffern der erfolgreichste Stürmer von Mainz 05 - und wird trotzdem als erster Abwehrspieler geschätzt. Das bringt ihm an seinem Geburtstag Lobeshymnen von seinem Trainer Thomas Tuchel ein.

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© dpa Vergrößern Glückssträhne: Adam Szalai trifft derzeit so oft wie nie zuvor für Mainz 05

In der vergangenen Woche musste Adam Szalai einmal selbst schmunzeln über seine zur Schau getragene Bescheidenheit. Wenige Minuten zuvor hatte der ungarische Torjäger von Mainz 05 in der 89. Minute des Spiels gegen Hannover 96 den 2:1-Siegtreffer erzielt. Er bescherte seinem Klub per Kopfball den emotionalsten Triumph dieser Spielzeit, weil der Erfolg nach einer Roten Karte für Torhüter Wetklo mit nur zehn Mann erkämpft wurde.

Szalai war also der Held des Tages. Aber sein Kommentar zum Treffer hörte sich so an, als ob er nur ein ganz unbedeutender Teil seines Teams gewesen wäre. „Das war eine unglaubliche Flanke von Eugen Polanski“, sagte Szalai mit schelmischem Lächeln. „Ich musste nur mit einem Kontakt abschließen.“

Effizientester Stürmer der Bundesliga

Neunmal hat der 1,93 Meter große, wuchtige Angreifer in den bislang 15 Spielen getroffen, fast immer mit nur einem Kontakt, was er selbst als allzu gewöhnlich bezeichnet, andere aber auf einen bemerkenswerten Torjägerinstinkt zurückführen. Szalai zählt somit zu den Führenden der Bundesliga-Torjägerliste. Das ist ein bemerkenswerter Wandel: In den 50 Spielen, die er vor Beginn der laufenden Saison für Mainz 05 bestritten hatte, war er nämlich nur achtmal erfolgreich. Ihm fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Das hat sich bei dem Spieler, der seinen 25. Geburtstag heute im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) auf dem Fußballplatz begeht, grundlegend geändert. Er ist derzeit sogar der effizienteste Bundesliga-Stürmer. Jeder dritte Schuss ist ein Treffer. Dank dieser Abschlussstärke hat sich sein Team auf einen Europapokalplatz vorgearbeitet.

Sein Trainer Thomas Tuchel hat die Entwicklung offenkundig vorausgesehen. Im Sommer trennte sich der Klub zwar zunächst vom im Vorjahr so erfolgreichen Sturmkollegen Mohamed Zidan und ließ anschließend auch noch vier vermeintliche Torjäger ziehen, ohne Ersatz zu verpflichten. Zweifel an der erstaunlich defensiven Personalpolitik in vorderster Front wischte Tuchel stets auch mit Verweis auf Szalais bevorstehenden Leistungssprung vom Tisch. Tuchel richtete gar sein Spiel zu ganz großen Teilen auch auf seinen „mit Abstand besten Stürmer“ aus, den der Klub umgehend bis 2015 an sich band.

Nun steigert der Ungar seinen Marktwert von Spiel zu Spiel und von einer Trainer-Lobeshymne zur nächsten. Bei diesen analytischen Preisungen Tuchels spielen freilich die am leichtesten zählbaren Torerfolge nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen hebt der 39 Jahre alte Fußballlehrer ganz andere Qualitäten wie das Talent als Prellbock im Kampf um lange Bälle aus der Abwehr hervor. Szalai muss dann in kraftraubenden Duellen mit meist zwei Gegenspielern versuchen, den Ball zu halten und zu verteilen. „Ich und jeder im Klub gönnen Adam die Tore ganz besonders, weil er bescheiden in vorderster Reihe spielt und mit Demut und Bescheidenheit seine Aufgaben für die Mannschaft erledigt“, sagt Tuchel, der seinen Stürmer in einer Art Umwertung aller Werte gar als „ersten Abwehrspieler“ bezeichnet.

Schon in der Jugend von Tuchel gefördert

Tatsächlich ist Szalai als wichtiger Bestandteil des Mainzer Pressings womöglich noch wertvoller als in der Rolle des Vollstreckers. Für den ungarischen Nationalspieler selbst ist das eine ohne das andere ohnehin kaum noch denkbar. „Ich habe viele andere, auch defensive Aufgaben in einem Spiel. Nur wenn ich die erledige, dann treffe ich auch vorne“, sagt er. „Es kann genauso wichtig sein, eine Vorlage zu geben, beim Pressing richtig mitzuarbeiten oder bei einer gegnerischen Ecke den Ball wegzuköpfen wie aus zehn Metern den Ball ins Tor zu schießen. Ich bin zudem überzeugt, dass ich nur dann Tore schieße, wenn ich meine taktischen Vorgaben zu 100 Prozent erfülle.“

Es gilt also: Erst die Pflicht, dann die Tore. Diese Mentalität soll Szalai schon als Jugendlicher vorgelebt haben, als er sich im Alter von 16 Jahren aus der Heimatstadt Budapest allein zum VfB Stuttgart wagte. Im Nachwuchsleistungszentrum begegnete er erstmals Thomas Tuchel. Der war damals Assistenztrainer der U19-Junioren, die 2005 deutscher Meister wurden. Das 1:0-Siegtor im Finale gegen Bochum erzielte natürlich Szalai. Kurze Zeit später wurde dann gar Real Madrid aufmerksam auf das Talent und holte es in seine Reservemannschaft. In manchen Trainingseinheiten durfte der junge Ungar mit den Weltstars wie Zidane, Raúl, Beckham oder van Nistelrooy auf dem Platz stehen.

Verletzung als Chance

Der Durchbruch blieb ihm aber verwehrt, weshalb Szalai 2010 dem Ruf Tuchels zurück nach Mainz folgte, wo eine schwere Knieverletzung dann beinahe alle Träume zerstört hätte. In einjähriger Physiotherapie kämpfte er sich aber zurück. „Das hat mir im Nachhinein geholfen“, sagt er heute. „Ich habe mich viel mit mir beschäftigt.“

Womöglich lebt er nun auch deswegen zunächst einmal im Hier und Jetzt, während er sich vor seiner Verletzung schon einmal zu großen Karriereplänen bei noch besseren Adressen als Mainz 05 geäußert hatte. „Ich bin von meinen Fähigkeiten nicht so weit, dass ich sagen könnte, dass ich hier an meine Grenzen stoße“, sagt er. „Ich sehe hier noch Potential für mich.“ Über solche Worte dürfte sich sein Klub freuen - und auf weitere Erfolgserlebnisse seines Torjägers hoffen.

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08.12.2012, 19:06 Uhr

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