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Mainz Nur die Fastnachtshypnose geht beinahe daneben

Der Gonsenheimer Carneval-Verein überzeugt sein Publikum mit flottem Prinzenpaar, austeilendem Gutenberg und „Meenzer Türkebub“.

© Kretzer, Michael Vergrößern Narrenfreiheit: das Prinzenpaar bei Kostümsitzung des Gonsenheimer Carneval-Vereins Schnorreswackler.

Der Ordnungsruf des Sitzungspräsidenten Sebastian Grom, der seine Schelle in diesem Fall ausnahmsweise im Auftrag der städtischen Verkehrsüberwacher geschwungen hat, war gerade noch rechtzeitig vor der dreimal elf Minuten dauernden Pause gekommen: „Draußen stehn zwei falsch geparkte Autos“, rief er in den Saal, die anders als die zuvor von ihm angekündigten Redner und Sängern aber nicht „eroigelosse“ werden sollten, sondern dringend weggefahren werden müssten, weil sie andernfalls abgeschleppt würden. Bei dieser Gelegenheit könnten auch gleich jene Gäste der fünften Kostümsitzung des Gonsenheimer Carneval-Vereins (GCV) von 1892, die ihre Fahrzeuge auf dem nahen Taxihalteplatz abgestellt hatten, ihr Fehlverhalten durch freiwilliges Umparken korrigieren, riet Grom. Spätestens da merkte wohl der Letzte im Saal, dass es an Fastnacht in den Stadtteilen noch weitaus menschlicher zugeht als bei den Zusammenkünften in den großen Mainzer Sälen, bei denen Falschparker am Ende wohl meist ohne Auto hätten.

Markus Schug Folgen:    

So aber konnten tatsächlich alle Gäste die Freitagabendschau der „Schnorreswackler“ genießen, die beileibe keine müde Angelegenheit war, sondern „eine unserer besten Sitzungen der vergangenen Jahre“, wie der als „Guddi Gutenberg“ selbst am Erfolg beteiligte Hans-Peter Betz am Ende eines langen Abends zufrieden feststellte. Da dürfte es künftig also noch schwieriger sein, an Karten für das bisher schon meist ausverkaufte Narrenspektakel zu kommen. Sangesfreude, Improvisationstalent und Lust am ulkigen Theaterspiel sind die Markenzeichen jenes Vereins, der es sich elfmal elf Jahre nach seiner Gründung nicht nehmen ließ, zum „Närrischen Jubiläum“ ein eigenes Prinzenpaar zu küren: Prinz Quellworscht I. und Prinzessin Lisbeth I., die von Erhard Grom und Michael Emrich herzerfrischend mit Leben gefüllt wurden, machten auf der Bühne zwar nicht in jeder Lage die beste Figur, hinterließen aber dennoch einen guten Eindruck. Womöglich wird man das Gegenmodell zu den offiziellen Majestäten der Kampagne 2013, Aline I. und Richard I., gar an Fastnachtsfreitag bei einem Kurzauftritt in der vom Südwestrundfunk übertragenen Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ erleben können.

Multikulturelle Hausmarke

Damit ist auch beim abermals deftig austeilenden Gutenberg zu rechnen, wenngleich nicht alle seine Aussagen TV-tauglich sein dürften: Wenn er zum Beispiel Dirk Niebel (FDP) als „die Stradivari unter den Arschgeigen“ bezeichnet oder die im Fernsehen gezeigten Volksmusiksendungen als „legalisierte Sterbehilfe“ bewertet. Im Vergleich dazu zeigte sich Protokoller Martin Krawietz bei seinem Rückblick auf Berliner Murks und rheinland-pfälzische Pleiten deutlich moderater im Ton. Wobei „Der im Eulenfass-Stehende“ einige hübsche Lokal-Ereignisse des vergangenen Jahres - wie Oberbürgermeisterwahl und das Abstellen der städtischen Brunnen - leider unkommentiert ließ. Was man von „Antonio“, dem Wirt der Bundestagskantine, ohnehin nicht erwarten konnte, wo Werner Renkes in Berlin doch fast ausschließlich Bundesprominenz trifft.

Das früher ebenfalls gerne verunglimpfte Bergvolk aus dem benachbarten Finthen kam diesmal ungeschoren davon, dafür mussten die Wiesbadener mehr einstecken. Unter anderem bei dem von Christian Schier und Martin Heininger als fulminantem Schlusspunkt dargebotenen skurrilen Versuch einer Fastnachtshypnose, die nach allzu vielen Zugabe-Rufen schier aus dem Ruder zu laufen schien - bis dass am Ende die Kräfte der Aktiven schwanden und sich alles in ein rundum erschöpfenden, fulminanten Finale auflöste.

Da stand die ganze „Familie“ dann noch einmal gemeinsam auf der Bühne: das GCV- und das Gardeballett der Füseliere, die Stimmungs- und Gesangskanone Oliver Mager, aber auch die zuvor als Burschenschaftler der „Hallodri Moguntia“ glänzenden „Schnorreswackler“ sowie die Sänger Peter Beckhaus, Christoph Seib und Thomas Becker. Zur Hausmarke ist längst schon Ercan Demirel geworden, der in Gonsenheim und Mombach seit 2011 als „echt Meenzer Türkebub“ mehrsprachig für eine multikulturelle Fastnacht wirbt.

Quelle: F.A.Z.

 
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