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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mainz Konsumtempel soll Dom nicht in Schatten stellen

 ·  Der Stadtvorstand einigt sich auf Leitlinien für das Einkaufszentrum im Herzen von Mainz: ein attraktives Quartier, keine Allerweltspassage.

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Ein modernes Einkaufszentrum soll Mainz bekommen, es müsse aber zur Stadt passen: So hat jetzt die Stadt ihre Wünsche formuliert. Im günstigsten Fall wird die geplante Einkaufspassage an der Ludwigsstraße, über die nun schon seit einem Jahr intensiv diskutiert wird, tatsächlich ein städtebauliches Vorzeigeprojekt, das auch andernorts Beachtung findet. Womit sich die lange Anlaufphase am Ende für den Investor, die europaweit tätige Hamburger ECE Development GmbH, sogar noch auszahlen könnte, obwohl die Projektentwickler eigentlich schneller vorankommen wollten.

Nun hat die Stadtspitze um Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) ihre in den vergangenen zwölf Monaten erarbeiteten und auf 112 Seiten aufgelisteten Vorstellungen, Wünsche, Empfehlungen und Vorgaben erstmals öffentlich präsentiert. Sie verband dies mit dem klaren Bekenntnis zu einem modernen Einkaufszentrum im Herzen der Stadt. Es müsse sich allerdings hinsichtlich der Proportionen und des Angebots in das Umfeld einfügen.

Gegen einen Monolithen

Auf dem bisher von Karstadt genutzten Areal dürfe kein Monolith entstehen, der schlimmstenfalls den Dom, die benachbarte Johanniskirche oder das Staatstheater in den Schatten stellte, machte Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) die Haltung der Stadt deutlich, die sich weitgehend mit den Vorstellungen des Bistums decke, das unter anderem mit dem Bischofshaus direkter Nachbar des ECE-Konsumtempels wäre.

Das Hamburger Unternehmen, das eher für seine großflächigen Stadtrand-Passagen bekannt ist, müsse sich der besonderen architektonischen Herausforderung in Mainz bewusst sein, so die Auffassung des Stadtvorstandes. Am 27. Juni soll der Rat bei einer Sondersitzung die Grundlagen für alle weiteren Verhandlungen denn auch verbindlich festlegen. Zuvor werden sich die Ausschüsse und die Teilnehmer des Ludwigsstraßen-Forums noch einmal mit den Mainzer Positionen zum ECE-Zentrum zu beschäftigen haben. Die für Stadt und Verwaltung in dieser Art einmalige Form der Bürgerbeteiligung mit insgesamt sechs Foren zu unterschiedlichen Themen sei vorbildlich gewesen, sagte Ebling. Aus der anfänglichen Skepsis dem Großprojekt gegenüber habe sich innerhalb eines Jahres eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Politikern, Bürgern und Fachleuten entwickelt. Jetzt werde daran gedacht, ein das Bauvorhaben begleitendes Beratungsgremium, ein Ludwigsstraßen-Consilium, zu gründen.

Dass sich Mainz die 250 Millionen Euro-Investition wünsche und angesichts zurückgehender Kundenzahlen in der City durchaus gebrauchen könne, äußerte Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP). Zwei Gutachten hätten übereinstimmend einen zusätzlichen Bedarf an Verkaufsflächen - also ohne Dienstleistungsangebote und Gastronomie - in einer Größenordnung von 25 000 bis 28 000 Quadratmeter ermittelt. Ein solches Handelszentrum mit integriertem Lebensmittelgeschäft, das sich aus Sicht der Stadt mit der Fläche zwischen Ludwigsstraße und Eppichmauergasse, Weißliliengasse und Gutenbergplatz begnügen muss, werde rund 700 Arbeitsplätze bringen, erläuterte Sitte; und sollte mit „trendigen Läden“ gerade auch ein jüngeres Publikum anziehen.

Aufwertung beabsichtigt

Damit die ganze Innenstadt und nicht nur der „neue Einkaufsmagnet an der Lu“ von der beabsichtigen Aufwertung profitiere, wolle man am vorhandenen Verkehrskonzept mit Parkhäusern an vielen Stellen der City und den bewährten Bushaltestellen Am Höfchen und am Schillerplatz festhalten, sagte Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Die Grünen). Die Altstadttangente wird Eder zufolge nicht eigens für ECE-Kunden ausgebaut, denen direkt am Einkaufszentrum mit 400 Parkplätzen in Zukunft in etwa so viele Abstellflächen wie bisher bei Karstadt zur Verfügung stünden. Die Warenanlieferung soll ausschließlich über die Weißliliengasse laufen.

Klar und deutlich hat die Stadt gestern noch einmal erklärt, dass eine Überbauung der Eppichmauergasse und eine Ausdehnung des Handelszentrums bis auf die derzeit als Polizeiwache genutzten Flächen jenseits des Bischofsplatzes nicht gewünscht seien. Außerdem dürfe der neue Komplex, der nach Möglichkeit aus vielen kleinen Baukörpern mit anspruchsvollen Fassaden und lebendig gestalteten Schaufenstern bestehen sollte, nicht den für Mainz typischen Blick auf den 1000 Jahre alten Dom verstellen, wie Grosse hervorhob. An der Ludwigsstraße und zum Bischofsplatz hin wolle die Stadt Bauhöhen von maximal 12,50 Metern erlauben, in der zweiten Reihe dürften einzelne Gebäudeteile bis zu 18 Meter messen. Plätze und Straßen müssten zu einem guten Teil öffentlich zugänglich bleiben, so Grosse, die sich ebenso wie ihre Stadtvorstandskollegen vom Investor ein attraktives Mainzer Einkaufsquartier wünscht und keine Allerweltspassage.

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Jahrgang 1962, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

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