Auf der Liste der möglichen Abgänge stand sein Name überall recht weit oben: Anthony Ujah. Zwölf Monate ist es her, dass der 21 Jahre alte Nigerianer vom Erstligaklub Lillestrom SK in Norwegen zu Mainz 05 wechselte. Es war ein Rekordtransfer, so viel wie die geschätzten zwei bis 2,5 Millionen Euro hatte Manager Christian Heidel nie zuvor locker gemacht. Doch in einem Jahr am Rhein ist nicht viel passiert, die Bilanz von Ujah nimmt sich bescheiden aus: zwölf Einsätze in der Saison 2011/2012, lediglich zwei Tore, und das in einem Spiel. Anfang November beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart. Ujah - ein Fehleinkauf? Cheftrainer Thomas Tuchel und Heidel widersprachen nie, als permanent geschrieben stand, dass Ujah zwar (noch?) kein erstklassiger Stürmer, aber ein erstrangiger Kandidat für einen Abschied aus Mainz sei. Dann die Kehrtwende. Kaum hatte die Saisonvorbereitung begonnen, stand der Afrikaner wieder hoch im Kurs.
Ja, sagte Heidel unlängst, Kaufinteressenten habe es genügend gegeben, doch man habe sich entschlossen, den Profi nicht abzugeben. Die zweite Chance im zweiten Jahr - Ujahs Vertrag gilt bis Mitte 2015 - könnte aber durchaus auch einen finanziellen Hintergrund haben. Kommt ein stimmiges Angebot, könnte Ujah durchaus noch abgegeben werden. „Er muss sich weiter anstrengen, im Training noch mehr Engagement zeigen“, sagt Arno Michels. Der Mainzer Assistenztrainer steht in der gleißenden Sonne neben dem Rasenplatz im Bruchwegstadion, kurz zuvor ist die Vormittagseinheit beendet worden. Michels spricht von den Fortschritten, die Ujah gemacht habe, aber auch von dessen Problemen beim Ausspähen der besten Laufwege und den spielerischen Entscheidungen, für die er zu lange benötige. Wann besetze ich welchen Raum? Wo bleibe ich weg? Auch um die Beantwortung dieser Fragen gehe es. Dann macht er ein ernstes Gesicht und sagt: „Aber das Elementare am Ende des Tages ist doch: Wie oft war der Ball hinter der Linie? Und da sind wir nicht ganz zufrieden. Auch heute.“ Abschlussqualität ist gefragt, früher hätte man Torerfolge gesagt.
Mainz 05 dürfte zweigleisig fahren
Und so gibt es für Ujah keine Garantie bei Mainz 05. Sicher, den Durchbruch trauen sie ihm schon zu, schließlich ist die ganz schwierige erste Phase der Eingewöhnung vorbei. Doch es müssten deutlich sichtbare Fortschritte her, schnell, in den nächsten Wochen. Ujah soll dem aktuellen Stammpersonal um Eric Maxim Choupo-Moting, Adam Szalai und Sami Allagui Beine machen. Petar Sliskovic, der Rückkehrer vom FC St. Pauli, ist neben Ujah ein weiterer Stürmer, der Druck aufbauen soll. „Mit diesen Angreifern könnten wir in die Saison gehen. Und dies mit einem guten Gefühl“, sagt Michels. Doch er sagt auch: „Ein Wechsel von Ujah ist nicht definitiv vom Tisch. Wir sind ständig im Dialog.“
Mainz 05 dürfte zweigleisig fahren. Tuchel und Michels beobachten die Entwicklung des Angreifers, Heidel dürfte Anfragen anderer Klubs grundsätzlich nicht abgeneigt sein. Schließlich ist es bis zum Beginn der neuen Saison in Freiburg fast genauso lange hin wie bis zum Ende der Transferperiode. Am 31. August ist Stichtag. Bis dahin wird sich Ujah beweisen müssen, um endlich „den höchsten Anforderunge““ in der Fußball-Bundesliga zu genügen, wie Michels sagt. Und wenn Manager Heidel sagt, dass nie etwas ausgeschlossen sei, also auch kein vorzeitiger Abschied, klingt das lediglich nach einem Treuebekenntnis auf Zeit.