Noch das finale Heimspiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, dann liegt die mittlerweile sechste Bundesligasaison hinter Mainz 05. Umbruch, Umzug, Neuaufbau - diese drei Schlagwörter haben die zurückliegenden neun Monate geprägt. Und der Klub um Cheftrainer Thomas Tuchel und Manager Christian Heidel hat die Spielzeit 2011/2012 in letzter Konsequenz mit Bravour hinter sich gebracht. Mainz wird zwischen Platz neun und Rang 13 ins Ziel kommen: Das ist weit mehr, als viele Kritiker der Mannschaft vor Saisonbeginn nach den Abgängen von André Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs zugetraut haben. Und beim Blick nach vorne dürfte Tuchel zufriedener sein als beim Blick zurück. Der 38 Jahre alte Fußball-Lehrer hat seinen eigenen Vertrag kürzlich bis 2015 verlängert, Torwart Heinz Müller (bis 2014) sowie die Verteidiger Bo Svensson und Radoslav Zabavnik (beide 2013) leisten ebenfalls weiterführende Unterschriften.
Unbeantwortete Fragen gibt es zwar noch, doch die schiebt Heidel auf die lange Bank. „Wir sind bei beiden Themen völlig gelassen. Die Spieler haben Verträge bis 30. Juni 2013. Wir haben Zeit.“ Gemeint sind Jan Kirchhoff (Abwehr) und Adam Szalai (Angriff), die angeblich seit Wochen von anderen Klubs umworben werden. Weitere Personalentscheidungen sind nur noch in der Außendarstellung offen, inhaltlich jedoch abgeschlossen. Mainz wird bis Ende Mai von seiner Option Gebrauch machen und den von Borussia Dortmund seit der Winterpause ausgeliehenen Stürmer Mohamed Zidan bis 2014 an sich binden; keine Zukunft in Rheinhessen hat hingegen Mario Gavranovic, die Leihgabe vom FC Schalke 04. Der Umbruch ist damit abgeschlossen, vor Mainz dürfte eine Runde mit großer Kontinuität liegen - eine ganz andere also, als man sie von August 2011 bis jetzt verfolgen konnte: mit Tiefpunkten wie dem peinlichen Ausscheiden in der Qualifikationsphase der Europa League gegen den drittklassigen rumänischen Klub Gaz Metan Medias und der Blamage im DFB-Pokal-Achtelfinale beim Regionalligaverein Holstein Kiel; aber auch mit Höhepunkten wie dem Bundesliga-Heimsieg gegen Bayern München und dem 3:0-Auswärtssieg in Bremen, womit die Abstiegssorgen endgültig vertrieben wurden.
Sie vermissten das „Käfig-Gefühl“
Apropos zweite Liga: Auf einen Abstiegsplatz abgerutscht ist Mainz nie in dieser Saison. Nicht einmal auf den Relegationsrang. Auch das ist ein Erfolg, nimmt man die pessimistischen Prognosen zum Maßstab. Tuchel hat nach immensen Schwierigkeiten zu Saisonbeginn, auch bedingt durch die immer noch nicht ausgestandene Knieverletzung von Marcel Risse, die Kurve gekriegt und gezeigt, dass er mit Krisen umgehen kann. „Wir schauen nicht nur auf Punkte, Siege und Niederlagen. Wichtigstes Kriterium ist die Entwicklung“, sagt Heidel.
Entwicklung - das Mainzer Zauberwort in der Saison 2011/2012. Bei der neuen Arena war es bei den Anhängern erst eine Liebe auf den zweiten Blick, sie vermissten zunächst das gewohnte „Käfig-Gefühl“ des alten Bruchwegstadions. Auch die Zuwendung ihrer Fans mussten sich die Mainzer Profis erst wieder erarbeiten. Die Kundschaft war zwischenzeitlich irritiert, als sie die Arena auf der grünen Wiese im Stadtteil Bretzenheim verließen, etwa nach dem 2:4 (nach 2:0-Führung) gegen Schalke 04. In der Rückrunde folgten dann spektakuläre Heimspiele. Gegen den SC Freiburg, den 1. FC Kaiserslautern, Nürnberg und den 1. FC Köln. Dass Kapitän Nikolce Noveski zwischenzeitlich den Bundesliga-Eigentorrekord (sechs Treffer) von Manfred Kaltz eingestellt hatte, war da schon vergessen. Es wäre mehr möglich gewesen in den vergangenen Monaten, Tuchel betonte dies zuletzt immer wieder. Viele der insgesamt zwölf Unentschieden nerven ihn immer noch. Doch auch der stets Maximalleistung einfordernde Coach ist jetzt irgendwie versöhnt mit der Saison: „Wir haben im letzten Saisonspiel absolut keine Drucksituation mehr. Das haben wir uns hart erarbeitet. Diese Situation ist eine Belohnung für uns.“ 34.000 Zuschauer in der ausverkauften Mainzer Arena werden das im letzten Saisonspiel gegen Mönchengladbach genauso sehen.