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Mainz 05-Spieler Ivanschitz im Gespräch : „Das Potential von Mainz 05 ist noch nicht ausgeschöpft“

  • Aktualisiert am

Beifall: Andreas Ivanschitz mag in Mainz die Erfolgsgier und den Spaßfaktor. Bild: picture alliance / dpa

Der österreichische Nationalspieler war in der starken Hinrunde von Mainz 05 uneingeschränkte Stammkraft. Der 29 Jahre Offensivspieler sieht weder sich noch den Verein am Ende der Entwicklung.

          Sie spielen jetzt seit dreieinhalb Jahren in Mainz. War diese abgelaufene Halbserie Ihre persönlich beste in dieser Zeit?

          In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mich einfach sehr wohl gefühlt, ich hatte sehr viel Selbstvertrauen. Mir ist es da wie unserem Team gegangen. Ich konnte immer wieder gute Akzente setzen, Tore vorbereiten und Tore schießen. Ich habe immer sehr schnell ins Spiel gefunden, wie ich es mir selbst vorstelle. Damit bin ich sehr zufrieden. Aber als Profi sollte man nie genug haben. Ich kann das jetzt mal kurz an Weihnachten genießen, aber dann will ich das im Frühjahr auch wieder bestätigen.

          Gibt es also den Andreas Ivanschitz nicht mehr, dem Ihr Trainer Thomas Tuchel nach eigenen Worten immer mal in den Hintern treten muss?

          Im Herbst war es bestimmt so, dass ich das Vertrauen des Trainers so gespürt habe, wie ich es vorher noch nicht gehabt habe. Es ist in der Mannschaft und bei mir so gut gelaufen, dass ich enorme Rückendeckung hatte. Er ist ein Motivator und versucht, noch ein paar Prozent rauszukitzeln. Das macht er auch bei mir. Und darüber bin ich froh, weil das Ansporn ist, immer wieder Höchstleistungen zu geben.

          Sie waren in fast jedem Spiel der Mann mit den meisten Abschlüssen. Insgesamt kamen Sie bei 16 Einsätzen 44 Mal zum Torschuss und somit im Schnitt deutlich öfter als zuvor. Woher kommt der neue Drang in den Strafraum?

          Das ist definitiv eine Entwicklung in meinem Spiel. Der Trainer fordert das von meiner Position, diese letzten Meter in den Strafraum zu gehen, Sprints in die Tiefe anzubieten. Dadurch habe ich mein Spiel sicher zum Positiven verändert.

          Wer viele Torchancen hat, kann auch mehr vergeben. Sie standen immer wieder in der Kritik wegen mangelnder Chancenverwertung. Wie bewerten Sie das Verhältnis aus Torgelegenheiten zu Ihren vier Ligatoren und dem einen im Pokal?

          Ich sehe das tatsächlich extrem positiv. Wenn man viele Torchancen hat, ist logisch, dass nicht jeder reingeht. Trotzdem ist natürlich klar, dass ich den ein oder anderen Treffer mehr hätte machen müssen. Diese Kritik nehme ich auch an. Aber ich vergebe auch bis jetzt nie leichtfertig eine Torchance oder gehe mit der falschen Einstellung ran. Es klappt nur eben manchmal nicht so gut. Daran arbeite ich.

          Christian Heidel sagt salopp, dass Sie bei optimaler Chancenverwertung auch nicht mehr bei Mainz 05 wären. Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie Ihren zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern?

          Das ist die Frage, die wir uns in den nächsten Wochen sicher stellen. Bei mir ist auch entscheidend, dass ich eine Familie habe, die sich wohl fühlen muss. Dann muss man eben abwägen. Ich warte erst einmal die Gespräche mit Mainz 05 ab. Dann wäge ich die Optionen ab, was aber auch ganz normal ist. Ein Vertrag ist eben auch immer eine Entscheidung für die Zukunft. Aber jetzt sind erst einmal Weihnachtsferien, die sind dazu da, einmal völlig abzuschalten und auch nicht an Fußball zu denken.

          Ist Mainz 05 aber sportlich noch ausreichend reizvoll für Sie oder haben Sie das Gefühl, hier alles erreicht zu haben?

          Mainz ist natürlich reizvoll. Wir haben hier dreieinhalb Jahre auf Spitzenniveau in der deutschen Bundesliga gespielt. In einer Dreieinhalb-Jahres-Wertung stünden wir auf Platz sechs. Das spricht für sich. Da erkennt man, welches Potential im Verein steckt. Und ich glaube nicht, dass das schon ausgeschöpft ist.

          Die Saison fing für Mainz 05 schlecht an. Dann leitete auch ein kurioser Treffer von Ihnen im „Schicksalsspiel“ gegen Augsburg die Wende ein. Ein Ball prallte von Ihrem Schienbein ins Tor. Brauchte Ihr Team damals solch ein Tor?

          Wir waren damals nach dem schlechten Start in einer Situation, in der man sich sagt: „Irgendwie muss das Ding über die Linie kullern.“ Tatsächlich war dann dieses Tor ein Dosenöffner, danach waren wir wie befreit und kamen endlich in Fahrt.

          Das große Thema vor Saisonbeginn war die „Weiterentwicklung der Mannschaft mit nahezu unverändertem Personal“. Woran erkennen Sie, unabhängig vom nackten Ergebnis, dass es tatsächlich vorangegangen ist?

          Wir haben mittlerweile auf dem Spielfeld Automatismen, die funktionieren. Wir haben Spielzüge und Laufwege, die genau passen. Wenn du das im Spiel miterlebst, dass etwas so klappt, dann gibt einem das einfach noch mal einen Schub. Das lässt sich natürlich auch an der Tabelle ablesen. 26 Punkte sind gut. Dazu finde ich sensationell, wie wir auswärts auftreten. Wir haben da immer das Gefühl, dass wir eine Chance haben. Das hatten wir vorher noch nicht. Dass wir daraus zu wenige Punkte geholt haben, steht aber außer Frage.

          Mainz 05 geht im Schnitt mit der ältesten Mannschaft der Liga in die Spiele. Dennoch scheint das Team ähnlich wie vor zwei Jahren mit den „Bruchweg Boys“ auch was Lausbubenhaftes zu haben. Wie erklären Sie sich das?

          Wir haben eine ganz tolle Mischung. Wir haben viel Routine, aber auch Spitzbübisches drin. Das ist gut so. Und das Ganze wächst eben durch Erfolge. Dann bringen sich alle Spieler mehr ein. Das hat sich von Spiel zu Spiel so entwickelt.

          War das im schwierigen Vorjahr anders?

          Das ist ganz normal. Im letzten Jahr waren so viele Veränderungen im Kader, einige waren damit beschäftigt, sich an die Mannschaft und das Niveau zu gewöhnen. Aber bei uns war es immer so, dass wir zwar professionell, aber auch wie gute Freunde miteinander umgehen. Das habe ich bei anderen Vereinen schon anders erlebt. Wir verbinden Erfolgsgier mit der großen Freude, respektvoll Spaß miteinander haben zu können.

          Das Gespräch führte Daniel Meuren.

          Quelle: F.A.Z.

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