Am Ende gestand Thomas Tuchel sein persönliches Versagen ein. „Ich bin nicht am Talent gescheitert, ich bin gescheitert an meiner Überheblichkeit“, sagte der Trainer von Mainz 05 zum Abschluss des Trainingslagers des Fußball-Bundesligaklubs im österreichischen Ort Bad Tatzmannsdorf. Der Offenbarungseid war freilich nicht bezogen auf die Trainingsarbeit mit seinem Kader. Tuchel scherzte nur über eine Niederlage beim Minigolf-Turnier im Kreis des guten Dutzends an Mitarbeitern aus dem Trainer- und Betreuerteam, bei dem er mit weit über 50 Schlägen im hinteren Mittelfeld gelandet war.
Im Fußball sah es bei den Mainzern ganz anders aus. Die Trainingseinheiten waren geprägt von einem hohen Grad an Konzentration und Einsatz, zudem konnte sich der Dreizehnte der vergangenen Bundesligaspielzeit im Burgenland schon um die Feinarbeit kümmern. Während der Klub vor allem die medizinische Betreuung der Mannschaft in Zusammenarbeit mit der Mainzer Universitätsklinik runderneuert hat, ist der Kern des Teams fast vollständig zusammengeblieben. Tuchel setzt in der in zwei Wochen mit dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim Oberligaverein SV Rossbach/Verscheid beginnenden Spielzeit vor allem auf eine eingespielte Einheit. Nur zwei Neuzugänge, der Linksverteidiger Junior Diaz aus Costa Rica und der ehemalige deutsche U-21-Nationalspieler Chinedu Ede (Union Berlin), sowie das aus der Jugend in den Profikader aufgerückte Talent Shawn Parker waren im Rahmen des Trainingslagers an die Mainzer Gepflogenheiten zu gewöhnen. „Deshalb war das kein typisches Trainingslager, in dem wir uns auch um das Gruppengefühl kümmern mussten“, sagte Tuchel. „Es ging allein darum, durch den Ortswechsel ein bisschen Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen. Trainiert haben wir aber genauso komplex wie schon zuvor am Bruchweg. Die sportlichen Prinzipien haben wir sowieso schon lange verinnerlicht.“
„Ich habe lange gebraucht, um mich in Mainz zurechtzufinden“
Nicht ganz so lange gilt diese Aussage auch für Anthony Ujah. Der nigerianische Stürmer war im Vorjahr für 2,3 Millionen Euro vom norwegischen Erstligaklub Lilleström SK nach Rheinhessen gewechselt, kam aber in seiner Premierensaison nicht ansatzweise mit den Anforderungen des Mainzer Spiels zurecht, in dem ein Stürmer nicht nur Torjäger sein darf, sondern auch im Gegenpressing als taktisch geschulter Defensivspieler gefordert ist. „Ich habe lange gebraucht, um mich in Mainz zurechtzufinden“, sagt der 23 Jahre alte Stürmer. „Jetzt habe ich aber ein besseres Verständnis für meine Rolle und meine Aufgaben.“ Tatsächlich wurde der Nigerianer in Mainz erstmals mit komplexem taktischem Training konfrontiert, nachdem er seine bisherige Karriere fast ausschließlich Talent, Torriecher und seiner ausgeprägten Physis zu verdanken hatte. Da sein Vater eigentlich ein Studium für den Sohn vorgesehen hatte, blieb Fußball für Ujah bis zum eher zufälligen Wechsel nach Norwegen eher Hobby denn Leistungssport. Nun aber scheint der Anpassungsprozess fortgeschritten zu sein. Zudem spielen Ujah die Veränderungen in die Karten: Das Angebot an Stürmern verringerte sich durch die Trennung von Mohamed Zidan und Sami Allagui beträchtlich, zum anderen scheint Tuchel noch mehr als im Vorjahr auf ein Spielsystem mit zwei Spitzen zu bauen. „Wenn es so kommt, sieht es natürlich besser aus für mich“, sagt Ujah. In den Testspielen gegen Austria Wien (1:1) und den ungarischen Erstligaklub Szombathely Hardas konnte Ujah sich freilich nicht besonders auszeichnen.
Stattdessen ist in Österreich wohl nur eine personelle Entscheidung endgültig gefallen: Torhüter Christian Wetklo wird wohl auch in die neue Spielzeit als Nummer eins gehen. Konkurrent Heinz Müller verpasste wegen einer Adduktorenzerrung alle Übungseinheiten im Trainingslager.