Home
http://www.faz.net/-gzg-765bd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Mainz 05 „Gewinnertyp“: Neuzugang Niki Zimling

Der Rollentausch mit Polanski ein gutes Geschäft für den FSV Mainz 05. Niki Zimling gilt als Spieler, der stets den Kopf oben hat und Vollgas gibt.

© dpa Kein eleganter Spieler, aber Niki Zimling hat andere Qualitäten.

Eines scheint gewiss: Eine lange Eingewöhnungsphase wird Niki Zimling nicht benötigen. Bei der Vorstellung des 27 Jahre alten dänischen Nationalspielers wurde ausschließlich Englisch gesprochen, etwa zwanzig Minuten, Zimling lobte die Bundesliga als eine der besten Ligen der Welt und seinen neuen Klub Mainz 05 („Nach allem, was ich gehört habe, war der Wechsel keine schwere Entscheidung“), plauderte über seine privaten Verhältnisse („Ich bin ein Familienmensch“). Nur bei der Position, die er künftig ausfüllen wird, und der Frage nach dem erstmöglichen Einsatz druckste er herum und blickte vielsagend nach rechts. Dort saß der Mainzer Trainer Thomas Tuchel.

Doch auch Zimlings neuer Chef ließ alles im Ungefähren. „Er kann auf der Position sechs, acht oder zehn spielen.“ Ja, und ob der zentrale Mittelfeldprofi an diesem Samstag im Topspiel gegen Bayern München dabei sein werde - „ich weiß es noch nicht“. Als alles vorüber war und Zimling sich in den Nachmittag verabschiedet hatte, stand der Mainzer Manager Christian Heidel auf und meinte: „Niki versteht und spricht auch gut Deutsch. Er war jetzt nur noch etwas unsicher.“ Was sich bald legen dürfte, wenn die ersten Eindrücke nicht täuschen. Denn nicht nur Tuchel hat nach dem ersten Training den Eindruck, dass sich Zimling „sehr schnell zurechtgefunden hat“.

„Ich bin kein eleganter Spieler, aber ich gebe immer hundert Prozent“

Vier Tage ist der Rollentausch im Mittelfeld des Tabellenfünften Mainz 05 jetzt her - Eugen Polanski hatte den Klub in Richtung 1899 Hoffenheim verlassen, Zimling war vom FC Brügge gekommen -, und nach Lage der Dinge hat Heidel mal wieder ein gutes Geschäft gemacht. Die Ablösesumme für Polanski soll drei Millionen Euro betragen, für Zimling 2,3 Millionen. Das ist schon einmal das erste Plus. Zuverlässige Quellen sprechen zudem davon, dass Polanski im abstiegsbedrohten Hoffenheim eine Verdreifachung seines Gehalts ausgehandelt haben soll. Was die sportliche Notlage im Kraichgau nochmals dokumentiert. Als Polanski um die Freigabe bat, erkundigte sich Zimling über seinen möglichen neuen Arbeitgeber. Wobei weniger sein dänischer Landsmann im 05-Trikot, Bo Svensson, der Whistleblower gewesen ist; Zimling erkundigte sich bei Leon Andreasen und Mohamed Zidan, zwei ehemaligen Mainzern. Über die Bundesliga im Allgemeinen klärte ihn William Kvist vom VfB Stuttgart auf. Die beiden kennen sich seit dem zwölften Lebensjahr, haben gemeinsam alle dänischen Auswahlmannschaften durchlaufen.

„Ich bin kein eleganter Spieler, aber ich gebe immer hundert Prozent“, sagte der 15-malige Nationalspieler Zimling. Bröndby IF, Esbjerg fB 98, Udinese Calcio, NEC Nimwegen - Zimling ist in seiner Karriere schon ziemlich herumgekommen. Wohl auch deshalb macht ihm der kurzfristige Wechsel nichts aus. „Here I am“, meinte er. Auf dem Spielfeld erwartet Tuchel aber alles andere als Freundlichkeiten. Dass er verstärkt auf Profis setzt, die trotz aller Teamarbeit in Grenzsituationen vorangehen, den Kopf oben haben, die Brust herausdrücken und ihren Führungsanspruch auch verbalisieren, hatte Tuchel schon zu Saisonbeginn formuliert. Jetzt hat er Zimling. „Wir brauchen Gewinnertypen. Und wenn ich ihm in die Augen schaue, weiß ich: Er möchte gewinnen.“

Tuchel wird Zimling in den nächsten Tagen verstärkt überprüfen, wobei die körperliche Fitness nicht das Problem sein dürfte. Eher schon die hohen taktischen Anforderungen des Mainzer Cheftrainers. Wobei auch alles ganz schnell gehen könnte mit dem ersten Pflichtspiel von Zimling für Mainz 05. Denn Innenverteidiger Svensson verspürte am Dienstag ein leichtes Ziehen in den Bauchmuskeln, der defensive Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger brach das Training wegen Schmerzen in der Wade ab. Bei Elkin Soto, einem anderen Defensivprofi, hofft Tuchel auf weitere Fortschritte beim Abklingen der Muskelzerrung im Oberschenkel. Zimling ist derzeit komplett gesund, das könnte ein Vorteil bei der Kaderzusammenstellung für das Bayern-Spiel sein.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mainz 05 Ein einnehmender Verein

Wohin nur mit dem ganzen Geld? Mainz spart das Meiste der 23,5 Millionen Euro Transferüberschuss für schlechte Zeiten. Manager Heidel sieht England mehr als Chance, denn als Gefahr. Mehr Von Peter Heß, Frankfurt

02.09.2015, 06:21 Uhr | Rhein-Main
F.A.Z.-Forum Fußball Mainz-05-Manager Christian Heidel zur besonderen Rolle seines Klubs

Mainz 05 hält sich bereits im siebten Jahr in der Fußball-Bundesliga. Manager Christian Heidel spricht am Rande des F.A.Z.-Forums Fußballs über das Erfolgsgeheimnis eines Klubs mit vergleichbar geringen Finanzmitteln. Mehr

05.08.2015, 15:03 Uhr | Sport
Englands Fußball-Milliarden Warum die Bundesliga keine Angst haben muss

Die neureichen Engländer kaufen einen Spieler nach dem anderen aus der Fußball-Bundesliga. Droht selbst dem FC Bayern irgendwann der Ausverkauf? Es gibt einige Gründe, warum Panik unangebracht ist. Mehr Von Peter Heß

31.08.2015, 10:05 Uhr | Sport
Bundesliga Hoffenheim hofft auf Sieg gegen Bayern

Hoffenheim hat große Hoffnungen: Ausgerechnet gegen den Rekordmeister Bayern sollen die ersten Punkte der Saison her. Mehr

22.08.2015, 12:14 Uhr | Sport
2:1 in Gladbach Mainz schießt die zweite Borussia ans Tabellenende

Totaler Fehlstart für Mönchengladbach: Nach der Auftaktpleite in Dortmund verliert das Team von Trainer Favre zuhause 1:2 gegen Mainz. Für den FSV erzielt Christian Clemens den etwas unerwarteten Siegtreffer. Mehr Von Roland Zorn, Mönchengladbach

23.08.2015, 19:30 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 29.01.2013, 19:29 Uhr

Ein Signal

Von Bernhard Biener

Alexander Hetjes kandidiert für den Kreistag - noch bevor er sein Amt als Oberbürgermeister Bad Homburgs begonnen hat. Damit setzt er ein Zeichen - und zwar ein begrüßenswertes. Mehr 0