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Mainz 05 Der Notfall

 ·  Weil die Hertha Ramos die Freigabe verweigert, muss Mainz einen Stoßstürmer in den eigenen Reihen finden.

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Der Fußball-Lehrer Thomas Tuchel hat ja schon so einige Erfahrung mit Umschulungsprojekten. Etwa bei Florian Heller. Der in Rosenheim geborene Profi spielte in seiner Jugend beim FC Bayern München zweite Sturmspitze, beim Fußball-Bundesligaklub Mainz 05 beackerte er im Sprint die rechte Außenbahn, stand dann als rechter Verteidiger seinen Mann, trat sogar als Mittelstürmer in Erscheinung. In der Winterpause 2011/2012 war dann kein Platz mehr im Kader von Tuchel, Heller wechselte zum FC Ingolstadt. Malik Fathi als gelernter Linksverteidiger wurde für Aufgaben als defensiver Mittelfeldspieler, sogenannter Sechser, ausgebildet, seit einigen Wochen kickt er in der Türkei. Radoslav Zabavnik, unter Tuchel umgeschult vom Rechts- zum Linksverteidiger, trägt weiterhin das 05-Trikot. Der robuste Slowake saß bei der 0:1-Heimniederlage gegen Greuther Fürth aber nur auf der Ersatzbank. Mainz 05 nach dem zweiten Spieltag und dem mittlerweile geschlossenen Transferfenster - da macht sich bei vielen Fans kein gutes Gefühl breit: ein Remis in Freiburg, eine Niederlage gegen die Aufsteiger aus Fürth. Und die nächste individuelle Weiterbildung unter Tuchel steht unmittelbar bevor.

Wenige Stunden vor dem Ende der Transferfrist war mit Anthony Ujah ein Mittelstürmer an den 1. FC Köln ausgeliehen worden, gebunden an Mainz 05 mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2015 wurde Flügelspieler Nikita Rukavytsya. Ein anderes Geschäft mit dem Zweitligaklub Hertha BSC Berlin hatte sich in letzter Sekunde zerschlagen: Die Ausleihe des Kolumbianers Adrian Ramos, der als Stoßstürmer die Lücke hinter dem gesetzten, aber formschwachen Adam Szalai hätte schließen sollen. „Wir haben uns getroffen und gesprochen“, sagt Tuchel, „wobei wir lange Zeit dachten, dass der Wechsel unrealistisch ist.“ Den Fuß in die Tür bekam Mainz 05 dann durch Ramos’ Landsmann Elkin Soto. „Wir wollten Ramos unbedingt haben“, sagt Tuchel. Und das schon seit Wochen. Es habe auch ein „positives Signal“ vom abgebenden Verein gegeben, „aber am Freitag um 11.58 Uhr hat sich die Meinung dann um 180 Grad gedreht.“ Soll heißen: Hertha-Manager Michael Preetz und Trainer Jos Luhukay beschlossen, dass Ramos bleiben muss.

Vier Mittelstürmer hat Mainz 05 ziehen lassen

Und jetzt hat Mainz 05 den Schlammassel. In der Mannschaft von Tuchel tummeln sich vier flinke und torgefährliche Außenläufer für Außenbahnen (Eric Maxim Choupo-Moting, Rukavytsya, Nicolai Müller, Marcel Risse) - für das Zentrum steht Tuchel aber nur ein konkurrenzfähiger Stoßstürmer zur Verfügung. Eben Szalai. Dass gegen Greuther Fürth in bedrängter Lage der junge Mittelfeld-Dribbler Yunus Malli für Szalai eingewechselt wurde (85.), verdeutlichte die personelle Not von Tuchel. Und es dokumentierte, wie sehr man sich auf den Wechselvollzug von Ramos verlassen hatte. Womit das Thema Umschulung zwangsläufig wieder aktuell wird. Denn bis zur winterlichen Transferperiode - die Verpflichtung eines derzeit vertragslosen Profis schließt Manager Christian Heidel aus - hat Mainz 05 nur eine Personaloption: Choupo-Moting muss den Aushilfsmittelstürmer geben, also umgeschult werden. „Die Verpflichtung von Rukavytsa gibt uns die Möglichkeit, Choupo in die Mitte zu ziehen“, sagt Tuchel. So klingt es, wenn ein Pädagoge das Unvermeidbare als Option deklariert.

Vier Mittelstürmer hat Mainz 05 ziehen lassen, alle aus unterschiedlichen Gründen. Mohamed Zidan war nach offizieller Lesart zur teuer, hinzu kamen grobe Disziplinlosigkeiten im Training. Bei Sami Allagui fehlte die Weiterentwicklung, und dass der Deutsch-Tunesier nach seiner überwiegenden Ausbootung in der vergangenen Rückrunde an gekränkter Eitelkeit litt, ist keine mutige These. Und Ujah? Der 2,5-Millionen-Einkauf des Sommers 2011 wurde laut Heidel „15 Mal eingewechselt und hat nichts gebracht“. Seine beiden Bundesligatore erzielte er am 4. November 2011 gegen den VfB Stuttgart - seinerzeit spielte er von Beginn an. Zudem lieh Mainz 05 Petar Sliskovic nach Dresden aus. Dreimal in Folge ist Mainz 05 nun mit der derselben Startelf ohne einen einzigen Neuzugang aufgelaufen, der von den Verantwortlichen propagierte Vorteil einer eingespielten Mannschaft ist bislang jedoch nicht erkennbar. Gegen Greuther Fürth hieß es bei 8:0-Ecken und 63 Prozent Ballbesitz letztlich 0:1. Und dies auch, weil Choupo-Moting, in der vergangenen Saison mit zehn Treffern erfolgreichster Mainzer Angreifer, zu Spielbeginn das leere Tor nicht traf und in der 77. Minute eine hochkarätige Ausgleichschance vergab. Mangelhafte Effizienz, kein neues Thema bei Choupo-Moting. Es könnte eine schwierige Hinrunde werden für Mainz 05.

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